»Jurassic Park« – bald düstere Wirklichkeit?
Ein kanadischer Paläontologe plant ein wahnwitzig erscheinendes Experiment: Er will Hühnerembryonen manipulieren und damit beweisen, einen Dinosaurier schaffen zu können! Dr. Hans Larsson ist nämlich überzeugt davon, dass Vögel das anatomische Potenzial von Dinosauriern in sich tragen!
Wissenschaft ist eine tolle Sache – wenn man richtig damit umgeht. Immer wieder gab es allerdings auch Forscher, die gerne Gott spielten. Kein Wunder, dass sich auch die Film-Industrie solche Übergenies immer wieder gerne zur Vorlage für mehr oder minder spannende Streifen nahm, in denen ein einziger durchgeknallter Super-Wissenschaftler die Welt mit ein paar nicht ganz alltäglichen Kunststücken an den Rand des Verderbens führt. Nicht anders der Plot von Jurassic Park, jenem kindergerecht in Szene gesetzten Spektakel um Milliardär John Hammond, der auf einer abgelegenen Insel das ultimative Touristenziel realisiert: einen Dinosaurier-Park. Fast jeder kennt den auf einem Roman von Michael Crichton basierenden Film und die Fortsetzungen.
Die Ausgangsidee scheint genial: Auch zu Dino-Zeiten existierten Stechmücken, die damals natürlich auch das Blut der Großechsen saugten. Als die Mücken später in Baumharz eingeschlossen wurden, konservierte dieser Vorgang auch die Saurier-DNA. In Hammonds Labor isolierten Genetiker diese Erbsubstanz, um daraus schließlich neue Saurier zu züchten, gewaltige Pflanzenfresser und Raubechsen, nicht zuletzt die besonders intelligenten und gefährlichen Velociraptoren, die nach heutigem Wissensstand tatsächlich eng mit den heutigen Vögeln verwandt sind.
Der kanadische Biologie-Professor Hans Larsson von der McGill-Universität Montreal wurde unmittelbar von Jurassic Park angeregt, die Idee auf wissenschaftlicher Grundlage zu überdenken und zu einem realistischen Konzept auszuarbeiten, wenn auch unter veränderten Gesichtpunkten. Die eigentliche Initialzündung lieferten Gespräche, die Larsson mit dem bekannten amerikanischen Paläontologen Jack Horner führte, jenem Experten, der auch als technischer Berater für Jurassic Park fungierte und der kürzlich ein Buch mit dem Titel Wie man einen Dinosaurier baut veröffentlichte.
Larsson selbst grub jahrelang nach den Überresten prähistorischer Tiere. Er und seine Kollegen fanden dabei acht unbekannte Arten und fünf neue Formen von Krokodilen in Afrika. In Argentinien stieß er auf einen ebenfalls nie zuvor gesehenen fleischfressenden Saurier – allesamt natürlich in »entschärftem«, sprich versteinerten Zustand. Doch Larsson denkt weiter. Denn das Genom von rezenten Vögeln birgt noch Spuren der Dinosaurier, Eigenschaften, die allerdings bereits vor Millionen von Jahren verschüttet wurden. Der kanadische Wissenschaftler will nun eine Reihe von genetischen »Hebeln« der Vogel-DNA umlegen, um die verschollenen Genbestandteile wieder phänotypisch auftreten zu lassen – mit anderen Worten: Er möchte auf diesem Weg die Anatomie eines Dinosauriers reproduzieren. Werden wir also Larsson bald als den John Hammond der Realität kennenlernen? Der Forscher selbst winkt ab, schon allein aus ethischen Gründen würde er nicht anstreben wollen, die riesigen Dinosaurier wieder auferstehen zu lassen. Und außerdem gibt es auch praktische Hindernisse, so eine Dino-Brutstätte zu verwirklichen. Larsson: »Das ist einfach ein zu großes Unterfangen.« Seiner Ansicht nach wäre es rein technisch aber machbar.
Diese Forschungen stehen zwar erst am Anfang, doch könnten sie später die Möglichkeit liefern, prähistorische Tiere in speziellen Labors heranzuzüchten – keineswegs alle, die damals existierten, aber einige nahe mit den Vögeln verwandte Gruppen. Sie könnten in ähnlicher Form wieder zum Leben erweckt werden.
Dr. Hans Larsson, der die Evolution der Vögel zehn Jahre lang intensiv studiert hat, will mit den geplanten und vom kanadischen Rat für Naturwissenschaft, Technologie und Forschung finanzierten Experimenten vor allem »die Evolution demonstrieren« und erklärt: »Wenn ich klar zeigen kann, dass das Potenzial für die Entwicklung einer Dinosaurier-Anatomie in Vögeln existiert, dann belegt dies wiederum, dass Vögel direkte Abkömmlinge der Dinosaurier sind.«
Wie weit Larsson wirklich gehen will, wird gegenwärtig dennoch nicht ganz klar. Wie sieht seine Demonstration aus und was kommt bei seinen Versuchen letztlich heraus? Selbst wenn das Resultat niemandem auch nur annähernd gefährlich werden könnte, wie aber ist es um die neu entstandenen Tiere selbst bestellt? Und was könnte folgen? Nur selten bleiben erfolgversprechende Versuche ohne eine intensive Weiterführung – dieser »Versuchung« dürfte kaum je ein Wissenschaftler widerstehen. Und wenn die vermeintlichen Götter erkennen, sich weit eher in der Rolle des Zauberlehrlings zu befinden, dann ist es eben meist schon zu spät.
Mittwoch, 02.09.2009
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