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KOPP EXKLUSIV: Geld kann man nicht essen? Von wegen - in Kalifornien rebelliert eine Stadt gegen die Finanzkrise

Udo Ulfkotte

Am Ende des Geldes ist zumeist noch viel Monat übrig. Und selbst wenn man noch Geld hat – im Notfall kann man Geld und Gold nicht essen. Doch in Willits/Kalifornien wird in diesen Tagen die Welt auf den Kopf gestellt. Die Einwohner führen eine neue Währung ein – Geld, das man essen kann.

Trotz aller finanziellen Rettungspakete werden die Wirtschaftsnachrichten aus den Vereinigten Staaten immer schlimmer. Immerhin droht weiteren 8,3 Millionen Amerikanern die Zwangsversteigerung ihrer Häuser, weil ihre Hypothekenbelastungen inzwischen höher sind als der tatsächliche Verkaufswert der Häuser. Und wenn die Immobilienpreise auch nur um weitere fünf Prozent fallen, dann sind noch einmal weitere 2,2 Millionen Amerikaner betroffen. Man kann jedenfalls vorausberechnen, wie lange es noch dauert, bis es für viele Amerikaner einen harten Aufprall geben wird. Immerhin sind die Immobilienenpreise in den USA in den letzten zwölf Monaten um durchschnittlich 18,5 Prozent gefallen. Seit rund fünf Jahrzehnten hat es in den Staaten nicht so viele Immoblienenverkaufsangebote gegeben – und zugleich keine Käufernachfrage. Unabhängig davon steigt die Arbeitslosenquote auf immer neue Höchststände. Kein Zweifel – immer mehr Amerikaner haben (berechtigte) Angst um die Zukunft. Viele schauen nach Washington und auf die Regierung, von denen sie sich Abhilfe versprechen. Doch nicht alle glauben an Obama und die kommende heilende Kraft aus Washington.

In Kalifornien übt eine kleine Gemeinde in diesen Tagen den Aufstand. In Willits glauben immer mehr Einwohner nicht an den wieder steigenden Wert von Papier(geld). Das Vertrauen in den klassischen Dollar sinkt in Willits. Willits liegt im Herzen des Mendocino-County am Highway 101, etwa 140 Meilen nördlich von San Francisco. Willits wurde vor rund 150 Jahren von den ersten Ranchern besiedelt und hat heute kaum mehr als 5.000 Einwohner. Die haben sich Gedanken über die Finanz- und Wirtschaftskrise gemacht – und einen Ausweg gefunden.

Viele Menschen flüchteten auch in Willits in den vergangenen Monaten in Sachwerte – etwa in Gold. Doch Geld und Gold kann man in der Not nicht essen. Was jedoch, wenn man regional in Willits eine eigene lebensmittelgedeckte Währung einführen würde? Nun haben Einwohner von Willits das Monopoly-Spiel Realität werden lassen. Sie haben zunächst 600 »10-Dollar-Noten« ausgegeben und für die eingenommenen Dollar sofort haltbare Lebensmittel gekauft: etwa Reis, Getreide und Bohnen. Die »Mendo Credits« genannte Zweitwährung wird inzwischen an folgenden Plätzen von Willits ganz offiziell akzeptiert: in der einzigen Bank von Willits, im Mendonesia Café, im Buchladen Book Juggler, im Leaves of Grass Bookstore und auf dem Farmers’ Market.

Die Reservewährung gibt den Menschen von Willits ein wirklich gutes Gefühl: auch wenn die Wirtschaftslage in den USA immer schlimmer werden sollte – für ihr neues Geld können sie in Willits jederzeit Lebensmittel eintauschen. Sie können den Gegenwert ihrer Zweitwährung jederzeit anschauen - und jederzeit aufessen. Alle Menschen vertrauen einander. Kein Spekulant verdient an den Lebensmittel-Depots. Die Preise für die Lebensmittel werden in Willits garantiert nicht steigen, wenn man die Reservewährung in der Tasche hat. Für eine 10-Dollar-Note der Zweitwährung kriegt man garantiert elf Pfund Bohnen oder elf Pfund Getreide. Denn die werden sofort im Ort auf dem Farmer-Markt gekauft und eingelagert; immer dann, wenn jemand einige Greenbacks auf den Tisch legt und »Mendo Credits« kauft.

Das Gebtreide und die Bohnen stammen von heimischen Farmen und werden nur im Umkreis von 150 Meilen gekauft. Alle Lebensmittel werden garantiert ökologisch angebaut. Der Chef der örtlichen Bank akzeptiert die »Mendo Credits« inzwischen wie Bargeld. Und es gibt erste Kunden, die von weither kommen, um das neue Geld zu kaufen und den Gegenwert liebevoll betrachten wollen. Eigentlich sollte das Experiment auf die 5.000 Einwohner von Willits beschränkt bleiben. Nun leben im Kreis Willits vor den Stadtgrenzen aber 14.000 Menschen. Und immer mehr von denen wollen ihre Greenbacks auch gegen die Zweitwährung eintauschen. Man wird also schon bald neues Geld drucken – und sofort haltbare Lebensmittel als Gegenwert einlagern. In Willits wird demnächst auch ein Silo gebaut, weil man immer mehr Lebensmittel lagern muss. Das ist dann der neue Banktresor.

Inzwischen ist die Kunde von dem unglaublichen Erfolg der Zweitwährung in Willits bis nach Washington vorgedrungen. Dort findet man das gar nicht witzig. Denn die Bürger zeigen ja demonstrativ, dass sie kein Vertrauen mehr in das Papier des Greenbacks haben. Und man hofft inbrünstig, dass Medien nicht über Willits berichten. Denn wenn erst einmal viele Gemeinden anfangen, eigene lebensmittelgedeckte Zweitwährungen einzuführen, dann stünde man in Washington ziemlich schnell ziemlich dumm da. 

 

Freitag, 06.03.2009

Kategorie: Allgemeines, Enthüllungen, Wirtschaft & Finanzen

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