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KOPP EXKLUSIV: Moskaus geheimste Militäreinheit

Udo Ulfkotte

In einer global vernetzten Welt gibt es – angeblich – kaum noch Geheimnisse. Jede Information ist – angeblich – irgendwo verfügbar. Man muss nur lange genug in den richtigen Quellen danach suchen. Und dann wird man angeblich irgendwann fündig. Angeblich kennen wir in einer global vernetzten Welt heute sogar (fast) alle Geheimnisse der russischen Streitkräfte. Wenn Sie das alles auch weiterhin glauben wollen, dann sollten Sie den nachfolgenden Bericht auf keinen Fall lesen ...

Vor einem Jahrzehnt betrug das Haushaltsbudget der russichen Streitkräfte weniger als 3 Milliarden Dollar. Das war 1998. Im Jahre 2007 hatten die russischen Militärs 32,7 Milliarden Dollar zur Verfügung. Und 2008 dürfen die Militärs etwa 25 Prozent mehr ausgeben. Was macht man mit all den Milliarden, wenn sich am Horizont Dank des stetig steigenden Ölpreises nicht etwa Mittelkürzungen, sondern immer neue fette Finanztöpfe abzeichnen – die Waffenlager aber mit immer modernerem Gerät zum Bersten gefüllt sind? Man baut geheime Einheiten auf, die niemandem Rechenschaft schuldig sind. Den Anstoß zu dieser Entwicklung hat ein Deutscher gegeben. Der Mann – Deckname »Urmel« – wird allerdings bis heute nicht wissen, auf welche Ideen er die Militärführer in Moskau gebracht hat.

Im Juni 1987 wurde in Hannover ein Hacker festgenommen, der sich in der Szene »Urmel« nannte – und im Alltag unter dem Namen Markus H. lebte. Der Programmierer hatte mit Hilfe einer gehackten Analogleitung militärische Einrichtungen in den Vereinigten Staaten ausgespäht – und die Erkenntnisse dem damaligen sowjetischen Geheimdienst KGB angeboten. Für mehrere tausend D-Mark wurden »Urmel« alias Markus H. und einige Komplizen auf den Datenautobahnen geheimdienstlich aktiv. Sie gingen dort auf Diebestour – und lieferten den Russen Pentagon-Daten. Bis sie festgenommen wurden und ihnen der Prozess gemacht wurde. Der Schaden, den sie angerichtet hatten, war nicht sonderlich groß. Doch »Urmel« alias Markus H. hatte die Moskauer Militärs auf eine Idee gebracht – wäre es nicht wundervoll, ganze Heerscharen von »Urmels« zu haben, die von straffer Hand geführt im Sinne Moskaus einen geheimen Krieg auf den  Datenautobahnen vorbereiten ...?

Seit diesem Tag haben Moskauer Militärs umgerechnet 40 Milliarden Dollar in den Aufbau einer geheimen Einheit gesteckt. 7300 Mitarbeiter hat die geheimste der geheimen russischen Einheiten heute. Sie besteht ausschließlich aus Wissenschaftlern, die unter den Absolventen technischer Hochschulen rekrutiert wurden. Ihre Aufgabe: Vorbereitungen für die Kriegführung mit Hilfe der Internet-Datenautobahnen, auch »cyber-warfare« genannt.

Würde man Bürger der EU befragen, in welchen Ländern die meisten IT-Fachleute ausgebildet werden und Programmierer allenthalben verfügbar sind – die meisten würden wohl Indien an vorderster Stelle nennen. Nun bildet Indien tatsächlich 200.000 Wissenschaftler im Jahr aus – doch Russland eben so viele. Und Indien hat fünf Mal so viele Einwohner wie Russland. Moskau investiert demnach in Zukunftstechnologie wie kaum ein anderes Land. Und niemand merkt es.  Das ist allerdings vor allem auf dem Gebiet von »Cyber-Warfare« auch so gewollt.  Denn nur dann kann man vor den Augen der Weltöffentlichkeit glaubhaft abstreiten, auf den Datenautobahnen der Welt einen unsichtbaren Krieg zu führen. Wie etwa im Jahre 2007.

Im Frühjahr 2007 gab es organisierte Angriffe auf die IT-Struktur des baltischen Landes Estland. Das Land war vorübergehend vollkommen vom weltweiten Internet abgeschnitten. Nichts ging mehr. Die Vermutung, wonach die russische Regierung als Drahtzieher hinter den Anschlägen auf die Datenleitungen gewirkt haben könnte, konnte nicht bewiesen werden. Allerdings wurden Teile des für den Angriff genutzten Botnetzes zuvor schon bei ähnlichen Attacken auf Server der russischen Opposition (dazu gehört auch der ehemalige Schachweltmeister Garry Kasparow) beobachtet. Einzig ein 20 Jahre alter russischer Student wurde in Estland verurteilt–- zu einer Geldstrafe. Alle weiteren Spuren verloren sich im Datennebel.

Die geheime Cyber-War-Einheit der russischen Streitkräfte verfügt über viele Botnetze. Ein Bot (abgeleitet von Robot) ist ein Computerprogramm, das selbständig Programme auf Computern ausführt. Ein (illegales) Botnetz wird ohne Wissen der Computerbetreiber auf fremden Rechnern installiert – und führt dort Programme aus. Mit Hilfe von Spam-Mails werden sie verschickt und installieren sich dann selbstständig. Und sie werden beispielsweise missbraucht, um DoS-Attacken durchzuführen. Bei einem DoS-Angriff werden die Zielserver wegen Arbeitsüberlastung dienstunfähig – und stellen die Arbeit ein. Nichts geht mehr.

Vor einer Woche nun hat die geheime russische Cyber-War-Einheit ihren bislang größten Angriff gestartet: Ziel war der Moskau-kritische Radiosender Radio Free Europe. Wieder einmal wurden die von den Russen aufgebauten geheimen Botnetze genutzt. Und wieder einmal verlieren sich die letzten Beweise im Datennebel. Die Russen arbeiten daran, die Informationsstrukturen ihrer potentiellen Feinde zu zerstören.

Man kennt entsprechende Einheiten aus China, wo inzwischen mehr als eine Million Chinesen von der Armee in Hacker-Angriffen ausgebildet worden sein sollen. Und man kennt so etwas aus Nordkorea und auch den Vereinigten Staaten. Die korrespondierende russische Einheit aber sucht man in Fachbüchern und auch Medien bislang vergeblich. Kein Zweifel: Die Russen verfügen inzwischen ebenfalls über jenes Arsenal elektronischer Waffen, das viele Mitbürger heute eher noch mit der Welt von Science-Fiction-Romanen verbinden. Dazu gehören logische elektronische Bomben, Mikrowellenwaffen (die beispielsweise binnen Sekunden die Elektronik von Unternehmen lahm legen können), Trojaner und Viren, aber vor allem auch Soft- und Hardware, die mit Hintertüren versehen sind – und billig auf den Weltmarkt geworfen wird. So schafft man sich ein Botnet, das man jederzeit aktivieren kann. Im Falle eines Falles geht dann gar  nichts mehr. Und niemand weiß warum ... 

Ausgerechnet in Moskau hat ein weltweit renommiertes Sicherheitsunternehmen, das sich mit der Abwehr von Cyber-Angriffen befasst, seinen Sitz. Es vertreibt über das Internet Virenscanner und Programme, mit deren Hilfe sich weltweit Unternehmen und Regierungsbehörden vor Angriffen aus dem Internet zu schützen versuchen. Und natürlich hat das Unternehmen wirklich nicht die geringsten Verbindungen zu den vorgenannten russischen Militäreinheiten. Wer behaupten würde, dass es enge Verbindungen zwischen manchen russischen IT-Sicherheitsunternehmen und russischen Diensten geben soll, den müsste man wohl als Lügner bezeichnen ...

Mittwoch, 28.05.2008

Kategorie: Allgemeines, Geostrategie, Enthüllungen, Geheimdienste, Wirtschaft & Finanzen, Wissenschaft, Politik

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