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KOPP EXKLUSIV: Neues Verfahren in der Tiermedizin - Kastration mit dem Chip

Udo Ulfkotte

Vielen Hunden könnte eine Kastration erspart bleiben. Denn an der Tierklinik der Universitätsklinik Gießen wurde erfolgreich ein neues Kastrations-Verfahren erprobt. Dort wurden seit einigen Monaten Rüden mit Hilfe eines Chips kastriert. Die Gießener sind bei dieser Methode in Deutschland führend. Die Besonderheit: Die Kastration ist nicht von Dauer. Und die Tiere können später wieder Nachkommen haben. Das Verfahren wird nun auch für Hündinnen umgewidmet.

Hundehaltern graut es vor läufigen Hündinnen: Die Rüden spielen in weitem Umkreis verrückt, die Hündinnen bluten und selbst wenn kein Rüde zur Stelle ist, können die Hündinnen danach immer wieder die unliebsamen Symptome von Scheinschwangerschaften zeigen. Viele Hundehalter schreiten deshalb schnell zu drastischen Maßnahmen und lassen Rüden oder Hündinnen kastrieren. Das aber kostet zwischen 400 und 500 Euro. Es kann medizinische Komplikationen geben. Und der Eingriff kann nicht rückgängig gemacht werden. Viele Tierärzte raten zu Kastrationen – und sie verdienen gut daran. Sie werden wohl allein schon deshalb dem neuen Verfahren skeptisch gegenüber stehen: der Kastration mit dem Chip. Der kostet etwa 60 Euro – und wirkt nicht dauerhaft.

An der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere der Hochschule der Universität Gießen hat man das neue Verfahren seit längerem schon an Rüden erkundet. Die sanfte Verhütung mit dem kleinen Chip macht Rüden seit vielen Monaten schon im Praxistest unfruchtbar. Aus dem Chip wird ein Botenstoff ans Gehirn geschickt. Nach einigen Monaten wirkt der Chip nicht mehr.

Doch was beim Rüden für sechs bis zwölf Monate funktioniert, ist bei den Hündinnen mitunter ein riskantes Spiel. Denn bei 40 Prozent der Hündinnen funktioniert der Chip nach den Erkenntnissen der klinischen Studien nicht. Und wird der Chip, der Botenstoffe ins Gehirn entsendet, bei einer Hündin zum falschen Zeitpunkt gesetzt, dann kann Dauerläufigkeit die Folge sein – mithin das Gegenteil dessen, was eigentlich erreicht werden soll. Die Chips gehören also zumindest bei Hündinnen nur in absolut erfahrene Hände.

Viele Hundehalter wollen gern wissen, ob sich ihre Tiere nach einer Kastration verändern werden. Wird das Tier vielleicht apathisch und langweilig? Mit dem Chip kann man es testen. Die Gießener Veterinäre blicken auf eine lange Erfahrung zurück. Denn das Team um die Veterinärmedizinerin Dr. Sandra Goericke-Pesch hat für ein Pharmaunternehmen eine klinische Studie durchgeführt. Und die Ergebnisse – so hört man – sind durchweg positiv. Spätestens im Juni werden die Gießener den Wunderchip nun in Einzelfällen auch für Hündinnen anbieten. Und dann dürfte manch eine Hundebegegnung auf der Straße viel ruhiger als bisher verlaufen. Die tiermedizinischen Fachzeitschriften werden in den kommenden Ausgaben über das neue Verfahren der Kastration von Hündinnen berichten. Spätestens dann aber dürfte auch die Chip-Nachfrage in den Tierarztpraxen steigen.

 

Mittwoch, 21.05.2008

Kategorie: Allgemeines, Wissenschaft

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