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KOPP EXKLUSIV: Was würde ein US-Präsident John McCain anders machen?

F. William Engdahl

John McCain ist bekannt als tollkühner Senator. Er ist Vietnam-Veteran und war fünf Jahre lang in Gefangenschaft. Er ist einer der wenigen Republikaner, die sich gegen die systematische Folterung von Gefangenen des US-Militärs und der Geheimdienste gewandt haben. Im Jahre 2000 besiegte er beinahe George W. Bush durch seine offene und unverblümte Art, die jedermann schockierte. Er ist auch bekannt dafür, dass er überparteiliche Aktionen in Bezug auf Themen wie das Rauchen und die Wahlkampfreform organisierte.

Diesmal, mit 72 Jahren, gilt er als der wahrscheinliche Gegenkandidat von Hillary Clinton oder Barak Obama im November 2008. Jetzt behauptet er, Baptist anstatt Episkopale zu sein. Damit gewinnt man mehr Wähler unter den sogenannten wiedergeborenen konservativen evangelikalen Christen.

Ein Präsident McCain, der zu diesem Zeitpunkt eine reale Möglichkeit bei den Wahlen im November sein könnte, würde im Status Quo des amerikanischen Establishment kaum eine Veränderung bewirken. Was die wichtigen Themen wie z.B. die Außenpolitik betrifft, hat er George Bush in seiner Irak-Politik unterstützt. In einem Fernsehinterview des Jahres 2005 sagte er: »In jedem Krieg werden schwere Fehler gemacht. Schwere Fehler wurden auch in diesem Krieg gemacht, aber ich glaube wirklich, dass es Fortschritte gibt ...« Er fügte hinzu: »Ich glaube immer noch, dass wir das Richtige getan haben. Ich bin überzeugt davon, dass Saddam Hussein, wäre er immer noch an der Macht und würden die Sanktionen nichts bewirken, versuchen würde, Massenvernichtungswaffen zu bekommen und einzusetzen.« Die Inspektionen der UN und der USA haben niemals Beweise dafür gefunden, dass Hussein Massenvernichtungswaffen besaß. Wie wir jetzt wissen, handelte es sich bei den entsprechenden Informationen um gefälschte Geheimdienstberichte aus den USA und England.

John McCain würde als US-Präsident keine andere Politik betreiben als der George W. Bush.

 

Und was noch beunruhigender ist: McCain unterstützt den Krieg der USA gegen den Islam und ihre Politik der Angst und der Paranoia und die gefährlichen neokonservativen Pläne eines Jahrzehnte andauernden Krieges gegen die islamische Welt, um die Ölquellen und die globalen Energieströme zu kontrollieren. »… bin Ladens Version der Geschichte ist: In den Vereinigten Staaten sind sie hinter uns her. Das ist es, was sie jetzt sagen … dies ist wichtiger als Vietnam war. Die Vietnamesen waren nicht hinter uns her. Diese Leute jedoch wollen uns unbedingt vernichten.«

 

Mafia-Verbindungen und dunkle Geschäfte

Im letzten Jahrhundert gab es keinen Präsidenten, der nicht eine handverlesene, kontrollierbare Marionette der verschiedenen Fraktionen des amerikanischen Macht-Establishments war. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Einen echten Reformer, z.B. den texanischen Pro-Gold-Populisten Ron Paul, ins Weiße Haus zu lassen, könnte die gesamte Struktur des total verschuldeten amerikanischen Finanzsystems in Gefahr bringen. Und ein isolationistischer Präsident könnte die amerikanischen Militärbasen in der ganzen Welt schließen und dem Land eine bedeutend bescheidenere Rolle zuweisen.

Edward Bernays war ein Mitglied dieses Elite-Establishments. Er arbeitete für eine geheimes Propaganda-Team, The Inquiry, das Propagandageschichten erfand, um Präsident Woodrow Wilson dabei zu helfen, ein widerwilliges amerikanisches Volk 1917 in den Krieg gegen Deutschland zu hetzen. Seine Gruppe entwickelte den emotionsgeladenen Slogan »Dies ist ein Krieg, um die Welt sicher für die Demokratie zu machen.« Er funktionierte fabelhaft. Die amerikanischen Mütter ließen es bereitwillig zu, dass ihre Söhne nach Frankreich gingen und in einem Krieg starben, dessen Folgen nicht das Geringste mit einer sichereren Welt oder Demokratie im eigentlichen Sinne zu tun hatten.

Nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte Bernays ein Buch, das ich in meiner persönlichen Bibliothek jederzeit griffbereit habe. Sein Titel lautet: Propaganda. Josef Goebbels zeigte es einmal einem amerikanischen Journalisten und nannte es sein Lieblingsbuch. – Hierin erklärt Bernays, der Vater der modernen amerikanischen »Madison Avenue Werbung«, wie die moderne US-Politik funktioniert: »Ein Präsidentschaftskandidat kann entsprechend dem allgemeinen Bedarf zugeschnitten werden. Aber es ist bekannt, dass sein Name von einem halben Dutzend Männern entschieden wird, die um einen Tisch in einem Hotelzimmer sitzen.« Weiter sagte er: »Die Demokratie wird von der intelligenten Minderheit verwaltet, die weiß, wie man die Massen lenkt ... Die Propaganda ist der ausführende Arm der unsichtbaren Regierung.«

Bei den heutigen Präsidentschaftswahlen der USA kommt niemand ohne Geld auch nur in die Nähe des Ziels. Und heutzutage bedeutet das Milliarden statt Millionen. Nur mächtige Interessengruppen, wie z.B. die pharmazeutische Industrie, die Ölindustrie, der Militärisch-Industrielle Komplex oder die Banken der Wall Street verfügen über solche Beträge. Wie es in dem zynischen Sprichwort in der US-Politik heißt: »Wer das Orchester zahlt, bestimmt die Musik.«

 

Wer bezahlt John McCain?

Ein Hinweis findet sich in der Herkunft des Senators von Arizona. McCain war einer der »Keating Five«-Kongressabgeordneten, die angeklagt wurden, dass sie den verurteilten Gangster Charles Keating unterstützten, nachdem er ihnen riesige Wahlkampfgelder und kostenlose Urlaubsreisen spendierte.

Nach dem Zusammenbruch seiner Lincoln Savings & Loan, der die Steuerzahler 3,4 Milliarden Dollar kostete, wurde Keating von Staats- und Bundesgerichten wegen organisiertem Verbrechen und Betrug angeklagt. Seine Verurteilung wurde durch einen Formfehler verhindert. Die Anklage vor dem Bundesgericht wurde zum Beispiel fallen gelassen, weil Geschworene von seiner Verurteilung durch ein Staatsgericht gehört hatten, und die Anklage vor dem Staatsgericht, weil Richter Lance Ito Fehler bei den Anweisungen an die Geschworenen machte.

Obwohl er für nichts verurteilt wurde, setzte sich McCain für Charles Keating ein, nachdem dieser McCain eine Spende von 112.000 Dollar zukommen ließ. Das war zu jener Zeit eine Menge Geld. Mitte der 1980er-Jahre unternahm McCain mindestens neun Reisen in Flugzeugen von Keating, drei davon zu Keatings luxuriösem Haus auf den Bahamas. McCains Ehefrau und Schwiegervater waren die größten Investoren (350.000 Dollar) in ein Einkaufszentrum von Keating. Die Phoenix New Times bezeichnete dies als einen »Sweetheart Deal«.

Aber McCain unterhält noch schlimmere Verbindungen. 1995 schickte er Geburtstagsgrüße an Joseph »Joe Bananas« Bonano, das Oberhaupt der kriminellen New Yorker Familie Bonano, der sich nach Arizona zurückgezogen hatte. Er drückte ebenfalls sein Bedauern aus, dass er nicht an der Party teilnehmen konnte.

 

McCains Berater

Ebenso wie die teuren Rockgruppen heutzutage wird auch ein Präsident von seinen Beratern in allen Einzelheiten geformt und gemanagt. Es ist klar, dass McCain als Präsident kaum einen Unterschied zur Politik von George W. Bush darstellen würde, der Rekorddefizite aufbaute und die staatliche Unterstützung für Schulen und Krankenhäuser drastisch beschnitt, während er die Steuern für Reiche reduzierte und das Pentagon zu einer globalen Kriegsmaschine machte.

McCains wichtigster Wirtschaftsberater ist ein einflussreicher Makler und Finanzier namens Gerald Parsky. Parsky, ehemaliger Stellvertretender Minister für Internationale Angelegenheiten beim Schatzamt, ist einer der engsten Berater und finanziellen Förderer von George W. Bush und Cheney. Parsky ist eine außerordentlich einflussreiche Persönlichkeit im Beraterkreis von Bush. Parsky, der in Washington praktisch unbekannt ist, unterhielt sich früher mehrmals pro Woche mit Karl Rove, einem wichtigen Mitarbeiter von Bush. Er war eng an Bushs gescheitertem Versuch beteiligt, die Sozialversicherung zu privatisieren, eine wichtige Forderung der Wall Street. Parsky spielte eine Schlüsselrolle in der ziemlich seltsamen Entscheidung für Arnold Schwartzenegger als Gouverneur von Kalifornien. 

 

John Mc Cain machte den Ex-Außenminister Henry Kissinger zum Co-Vorsitzenden seiner New Yorker Wahlkampagne.

 

 

Kevin Hassett, ein weiterer wirtschaftspolitischer Berater, leitet entsprechende Studien am American Enterprise Institute (AEI), der führenden neokonservativen Denkfabrik, in der Richard Perle und andere residieren. Hassett war wirtschaftspolitischer Berater beim Wahlkampf von George Bush im Jahre 2004. Und John Taylor fungierte als ehemaliger Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten beim Schatzamt in der Regierung von George W. Bush. Keiner dieser Männer hat sich ernsthaft mit der katastrophalen Wirtschaftskrise beschäftigt, die durch den Zusammenbruch der Spekulationsblase des Immobilienmarktes verursacht wurde, oder mit der zunehmenden Rezession, Arbeitslosigkeit und der Sub-Prime-Hypothekenkrise. Sie konzentrieren sich ganz auf die Wall Street. McCain plappert ihre Ideologie vom »freien Markt« kritiklos nach: »Die amerikanische Wirtschaft muss ihre Integrität bewahren, indem sie die Prinzipien des freien Marktes und des Wettbewerbs einhält, die uns einzigartig in der Welt gemacht haben.« Vielleicht ist es an der Zeit, ihn ein wenig mit der harten Realität vertraut zu machen.

Was das wichtige Thema der Außenpolitik betrifft, erklärte McCain vor kurzem der Detroit News: »Das erste, was ich tun würde, wäre Zbigniew Brzezinski, Henry Kissinger und andere herbeizurufen und zu sagen: ›Wir müssen die Außenpolitik und die nationale Sicherheit wieder in den Griff bekommen.‹« Das bedeutet, dass sowohl der Demokrat Obama und der Republikaner McCain die Außenpolitik von Brzezinski übernehmen würden, der seine wichtigste These 1997 in seinem Buch The Grand Chessboard (zu deutsch: Das große Schachbrett) darlegte. Er behauptete dort, dass Amerikas »große Aufgaben der imperialen Geostrategie darin bestünden, geheime Absprachen (d.h. Zusammenarbeit) zu verhindern und unter ihren Vasallen (sic!) für eine Abhängigkeit in Bezug auf ihre Sicherheit zu sorgen, und die Barbaren daran zu hindern, sich zu vereinigen.« Mit den Vasallen meint er ausdrücklich auch Deutschland und Japan, auf deren Niederlage die USA ihre geopolitische Kontrolle der Weltpolitik nach 1948 aufbauten. Zu seinen »Barbaren« gehören selbstverständlich auch Russland und China. Das einzige, was Brzezinskis an Cheneys neokonservativer Außenpolitik im Irak störte, war, dass sie zu einseitig war, und nicht, dass die Besetzung des Irak an sich falsch war. Brzezinski ist ebenso wie Kissinger ein erklärter Anhänger des britischen Geopolitikers Sir Halford Mackinder. Für mehr Informationen sehen Sie mein Buch Mit der Ölwaffe zur Weltmacht.

Zu den offiziellen außenpolitischen Beratern McCains gehören Richard Armitage, Präsident George W. Bushs Stellvertretender Außenminister, der Neokonservative Max Boot, Mitglied beim Council on Foreign Relations und ehemaliger Chefredakteur beim Wall Street Journal, sowie Lawrence S. Eagleburger, Präsident George H. W. Bushs Außenminister und ehemaliger Chef bei der Kissinger Associates Consultancy. Eagleburger spielte die Schlüsselrolle hinter den Kulissen beim Ausbruch des ethnischen Bürgerkriegs Ende der 1980er im damaligen Jugoslawien, indem er Milosevic förderte und Washington vorschlug, ein »Groß-Serbien« zu tolerieren. Auch Henry Kissinger ist ein informeller Berater, ebenso wie der Guru der Neokonservativen, William Kristol, Herausgeber des Weekly Standard und als Mitglied des »Projekts für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert« bereits 1997 Befürworter eines Krieges gegen Saddam Hussein, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Zu den anderen gehören General Colin L. Powell, Bushs Außenminister, und der ehemalige Verteidigungsminister unter Nixon, James R. Schlesinger.

 

 

Sonntag, 10.02.2008

Kategorie: Allgemeines, Geostrategie, Enthüllungen

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