Krippenausbau: Deutsche Politiker verantwortungslos?
Unsere Politiker haben es nicht leicht. Derzeit wird zwischen den Parteien gestritten wie selten zuvor: über Hartz IV, über Gesundheitsthemen, über die wachsende Kontrolle des über seine Bürger, über Steuer-CDs, über Afghanistan usw. Doch bei all dem Ärger gibt es doch einen Punkt, in welchem sich alle einig zu sein scheinen, nämlich in dem Vorsatz, Deutschland flächendeckend mit mindestens 750.000 Krippenplätzen zu überziehen! Bis 2013 soll das Ziel erreicht werden, koste es, was es wolle. Und es kostet richtig! Mindestens zwölf Milliarden, sagt das Bundesfamilienministerium, mindestens 20 Milliarden, meinen Kritiker, denn am Qualitätsniveau bundesdeutscher Krippen müsse dringend zusätzlich gearbeitet und weiterentwickelt werden. Dieses Geld hat allerdings niemand, weder der Bund, noch die Länder, und schon gar nicht die Städte und Kommunen, denen ein Löwenanteil der Kosten ungefragt aufgebrummt wurde, ob sie wollten oder nicht. Und sie wollten nicht!
Während man in den 1980ern vom Westen aus noch mitleidig über die Mauer gen Osten schaute und die vielen armen, innerlich isolierten Kleinkrippenkinder bedauerte, die dort wie selbstverständlich mit wenigen Wochen schon fremdbetreut wurden, und die in manchen Einrichtungen gar im Kollektiv Pipi machen, also »topfen« sollten, gehört es heute in Ost wie West zum modernen und fortschrittlichen Zeitgeist, dass Mama Geld verdienen geht und die Kleinen so schnell als möglich in fremde Hände gibt.
Gegen den Krippenausbau wagt auch in der Politik längst niemand mehr etwas zu sagen, aus Angst, Wählerstimmen zu verlieren. Denn die seit Jahren öffentlich vorgenommene Gehirnwäsche vonseiten der Politik und der Medien funktioniert inzwischen bestens auf die Agierenden selbst: Aus ehemaligen Begriffen wie »frühkindlicher Bindung« wurde durch das Auswechseln eines einzigen Buchstabens die »frühkindliche Bildung«, womit tatsächlich Krippenplätze gemeint sind, die zwar irrsinnig viel Geld kosten, die jedoch in der Regel alles andere als Bildungseinrichtungen sind. Denn hier gibt es nahezu durchweg alarmierend wenig Personal für viel zu viele Kinder! Und: Verheerend schlecht ausgebildetes Personal für viel zu kleine Kinder! Das, was Kleinkindern in deutschen Krippen vermittelt wird, ist in aller Regel Stress und persönlicher Überlebenskampf, doch mitnichten Zuwendung und Liebe, und schon gar nicht Bildung! Mit wenigen Ausnahmen, versteht sich.
In der öffentlichen Gender-Debatte geht es heutzutage doch ohnehin nur noch um die mannigfaltigen Vorteile der weiblichen Selbstverwirklichungsmöglichkeiten, während das Wohl des Kindes dabei jedoch allermeist unbeachtet bleibt, der warnende Ruf der weltweiten Bindungs-Säuglings- und Hirnforscher verhallt ungehört in den öffentlichen Entscheidungseinrichtungen. Dabei sind die zum Teil verheerenden Trennungsfolgen zwischen einer Mutter und ihrem Säugling durch internationale Studien und Untersuchungen wissenschaftlich längst eindeutig erkannt und belegt:
Kinder, die in den ersten drei, vier Lebensjahren genügend Zuwendung von ihren Müttern bekommen und deren Bedürfnisse erfüllt werden, entwickeln für den Rest ihres Lebens ein stabileres Selbstbewusstsein und Urvertrauen als diejenigen, die fremdbetreut wurden. Diese ersten Jahre werden in der Psychologie die »prägenden Jahre« genannt, denn hier wird angelegt, was für den Rest des Lebens gilt, wohlgemerkt, für den Rest des Lebens.
Jenen Kindern, deren Urbedürfnisse nach Nähe, Liebe, Zeit und Zuwendung durch die eigene Mutter nicht erfüllt werden können, wird das ganze Leben mehr oder weniger schwerer fallen. Wenn sie zusätzliche Risikofaktoren mitbringen, wie eine Existenz als Scheidungskind, oder wenn Alkohol- oder Suchtprobleme eines der Elternteile oder psychische Schwierigkeiten vorhanden sind, werden die Hindernisse, glücklich zu werden, wachsen.
Dabei gilt: Je mehr Risikofaktoren bestehen, desto größer ist die Gefahr der Unfähigkeit, sein Leben gut zu bewältigen. Die Kleinen sind oft nur wenige Monate alt, wenn sie frühmorgens aus dem Bettchen gerissen und in die Fremdbetreuung gebracht werden. Eine ungewisse Zukunft, weil man nicht weiß, was in dieser Kinderkrippe alles geschieht. Selbstverständlich gibt es auch einige gute Einrichtungen, in denen man bemüht ist, das Beste für die Kleinen zu tun. Doch immer ist es eine ungewohnte Umgebung mit fremden Menschen, in der es keine individuellen Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder gibt. Immer sind sie in der Gruppe und dem damit verbundenen Gruppenzwang verhaftet und in alltäglichen Konfliktsituationen können die Betreuerinnen nicht immer im Sinne und zum Wohl des einzelnen Kindes entscheiden. Auch hier fehlt es an Zeit, Raum und Geld. Und natürlich an der individuellen Liebe.
Warum wohl würden 95 Prozent der Erzieherinnen ihre eigenen Kinder NIEMALS in Krippen abgeben?
Deutschland schneidet bei den internationalen Vergleichsstudien, bei der OECD-Studie beispielsweise, was die Ausbildungsqualität der Betreuungsangestellten angeht, seit Jahren mit verhängnisvollen Beurteilungen wie »mangelhaft« und »ungenügend« ab! Monatelang gingen vergangenes Jahr in Deutschland die Erzieherinnen zu Zehntausenden auf die Straßen – ausgebrannt, völlig überarbeitet und unterbezahlt. Die Erläuterungen der Erzieherinnen: Sie halten es nicht mehr aus! Sie können das Elend der Kleinen, die nach ihren Müttern rufen, nicht mehr ertragen! Es sind zu viele – und sie, die Betreuerinnen, sind zu wenige, um sich der Nöte annehmen zu können. Und ihre Bezahlung? Kann man vergessen, ist ja kein Geld da!
Doch das deutsche Familienministerium bezeichnet den Aufenthalt in einer Krippe weiterhin gebetsmühlenartig und ohne Probleme als »frühkindliche Bildung«. Abgesehen davon, dass kleine Kinder Bindung, aber nicht Bildung brauchen, außer es handelt sich um Herzensbildung, sind deutsche Kinderkrippen Lichtjahre entfernt von dieser wohlgepriesenen Bildung. Im besten Fall kann es sich meist um Aufbewahrung handeln, in nicht seltenen Fällen besteht die akute Gefahr der Vernachlässigung! Das ist die Wahrheit, die keiner hören will, und noch weniger aussprechen möchte! Neben den genannten Gründen kann man inzwischen außerdem von einer völlig unzulässigen, unhinterfragten und in unserer Gesellschaft weit verbreiteten Glorifizierung der Krippen sprechen, die seit Jahren durch die Politik und viele Öffentlichkeitsvertreter vorgenommen wird.
Doch selbst ein gesetzlich geregelter Betreuungsschlüssel fehlt! Dieser würde bedeuten, dass klar vorgegeben wird, wie viele Kinder maximal von einer Betreuerin versorgt werden dürfen. Die fachärztliche Empfehlung hierzu lautet: drei bis fünf Kinder unter drei Jahre.
Es kann jedoch hierzulande durchaus passieren, dass eine nicht ausreichend ausgebildete Erziehungsperson zwischen 15 und 20 kleine Kinder, manchmal noch mehr, gemeinsam mit einer Praktikantin, manchmal auch ohne sie, betreuen muss. Wenn man sich vorstellt, dass es sich zum Teil um Kinder handelt, die nicht einmal ein Jahr alt sind, die gewickelt, getragen, geschaukelt werden müssen, die dringend angewiesen sind auf die Förderung ihrer Anlagen und vor allem auf die Liebe der Erwachsenen, ahnt man das Drama. Die oft mangelhafte Ausbildung des Erziehungspersonals, chronische Zeitnot und die massive Überlastung erforderten dringenden Handlungsbedarf: Denn es geht hier um das Wertvollste, was ein Land zu bieten hat: die Kinder.
Wer heute darüber spricht, dass Deutschland belastungsfähige, junge Menschen für das künftige Berufsleben brauchen, die die Qualität deutscher Erzeugnisse und innovativen Handelns und Entscheidens gewährleisten und die dem Facharbeitermangel entgegenwirken sollen, der muss wissen, dass man die dafür nötigen Menschen nicht in Kinderkrippen heranzieht! Sondern einzig und allein in natürlichen, stabilen Familien, in denen Liebe, Zuwendung, auch Disziplin und Zuverlässigkeit, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsgefühl erlernt und für das ganze Leben vermittelt werden.
Das wusste übrigens auch schon der 1820 geborene Politiker Friedrich Engels, der gemeinsam mit Karl Marx den berühmten »Marxismus« und die »Grundsätze des Kommunismus« entwickelte und der u.a. mit wissender Perfidie die Grundlagen dafür legte, dass das Dasein der Frau als Mutter seine ersten, tiefen Reputationsrisse erhielt. Er sagte:
»Die Beschäftigung der Frau in der Fabrik löst die Familie notwendig gänzlich auf, und diese Auflösung hat in dem heutigen Zustande der Gesellschaft, der auf der Familie beruht, die demoralisierendsten Folgen, sowohl für die Eheleute wie für die Kinder. Eine Mutter, die nicht Zeit hat, sich um ihr Kind zu bekümmern, ihm während der ersten Jahre die gewöhnlichsten Liebesdienste zu erweisen, eine Mutter, die ihr Kind kaum zu sehen bekommt, kann diesem Kinde keine Mutter sein, sie muss notwendig gleichgültig dagegen werden, es ohne Liebe, ohne Fürsorge behandeln wie ein ganz fremdes Kind, und Kinder, die in solchen Verhältnissen aufgewachsen, sind später für die Familie gänzlich verdorben, können nie in der Familie, die sie selber stiften, sich heimisch fühlen, weil sie nur ein isoliertes Leben kennengelernt haben, und müssen deshalb zur ohnehin schon allgemeinen Untergrabung der Familie bei den Arbeitern beitragen. Eine ähnliche Auflösung der Familie wird durch die Arbeit der Kinder herbeigeführt.«
Und der einstige, sozialistisch-kommunistischen Kommissar für Erziehung in der damaligen Sowjetunion, Anatoli Lunatscharski (1875–1933), ging in diesem Zusammenhang vor fast hundert Jahren ebenso vorsätzlich mit folgendem, grausamen Vorhaben und Plan vor:
»Unsere jetzige Aufgabe ist die Zerstörung der Familie und die Ablösung der Frau von der Erziehung ihrer Kinder. Wenn wir in unseren Gemeinschaftshäusern gut vorbereitete Abteilungen für Kinder organisiert haben, ergibt es sich zweifellos, dass die Eltern ihre Kinder von allein dorthin senden werden, wo sie durch medizinisch und pädagogisch qualifiziertes Personal überwacht sind. Dadurch werden zweifellos Ausdrücke wie meine Eltern oder unsere Kinder immer weniger gebraucht werden und durch Begriffe wie die Alten, die Kinder, die Säuglinge ersetzt werden.«
Michael Gorbatschow nahm etwa 80 Jahre später in seinem Buch Perestroika zu jenen sowjetischen Familienmaßnahmen, die den Staat jahrzehntelang nachhaltig veränderten und die Bindungsmechanismen dieser Gesellschaft nahezu zerstört hatten, klar und deutlich Stellung.
Angesichts von etwa 40 Millionen Alkoholikern, von einem durch Gewalt, Terror und Kriminalität heimgesuchten und zerfallenen Land, schrieb Gorbatschow:
»Wir haben erkannt, dass viele unserer Probleme im Verhalten vieler Kinder und Jugendlicher – in unserer Moral, der Kultur und der Produktion – zum großen Teil durch die Lockerung familiärer Bindungen und die Vernachlässigung der familiären Verantwortung verursacht werden. Dies ist ein paradoxes Ergebnis unseres ernsthaften und politisch gerechtfertigten Wunsches, die Frau dem Mann in allen Bereichen gleichzustellen.«
In Russland gibt es aufgrund dieser Einsichten, welche die heutigen Politiker Putin und Medwedjew teilen, heute so gut wie keine Krippen mehr, das Land zahlt großzügige Familienleistungen und ermuntert durch regelmäßige Geldzuwendungen die Frauen, zuhause bei ihrem Nachwuchs zu bleiben.
Aktuelle Studien der Cambridge University weisen auf eine wachsende Anzahl von Leuten in England hin, die ebenso tief besorgt sind über die Auswirkungen der »working moms«, der arbeitenden Mütter, auf das Familienleben.
Die Zustimmung für die althergebrachte Sichtweise nimmt zu, eine Frau gehöre eher nach Hause als ins Büro.
Übrigens fallen die Ergebnisse in den USA, wo ja auch bereits seit Jahrzehnten die Gleichstellung der Frau gefördert wurde, noch drastischer aus als in England.
Man kann also deutlich beobachten, dass diejenigen Länder, die die Gleichstellung der Frau jahrzehntelang mit aller Kraft vorantrieben, angesichts der zum Teil dramatischen gesellschaftlichen Folgen auf dem Rückzug sind, bzw. sie haben erkannt, dass der einzig mögliche Weg, um eine gesunde und stabile Gesellschaft zu formen, jener des Familienzusammenhaltes, der Kultur, der Tradition und der Liebe ist.
Und was macht man hier im schönen Europa? Man hängt sich weiterhin beharrlich an die Gender-Mainstreaming-Rockzipfel von Brüssel, will nicht auf die Veränderungen der anderen sehen, sondern singt tapfer das Lied der Marktwirtschaft und des Kapitalismus, während man dabei mit sozialistischen Instrumentarien die Gesellschaft umbaut. In Richtung Vollerwerbstätigkeit der Frau.
Es ist bekannt, dass diejenigen Menschen, die einst in Krippen groß wurden, auch ihre eigenen Kinder in aller Regel viel leichter und unbesorgter ebenso früh fremdbetreuen lassen, denn ihre persönlichen Erfahrungen prägten und veränderten sie nachhaltig. Während ihre eigenen Mütter noch lange innere Kämpfe ausfechten mussten, bis sie die Entscheidung trafen, ihre Kinder aus dem Haus zu geben, fällt dies der nachfolgenden Generation erfahrungsgemäß bereits entschieden leichter, denn ihre Bindungsmechanismen sind bereits lädiert.
Wer in Deutschland für eine Dreiviertelmillion Kleinkinder Krippenplätze baut, der muss wissen, welche Verantwortung er trägt: Er verändert damit nämlich langfristig die Mentalität einer ganzen Gesellschaft, unserer Gesellschaft!
Montag, 08.02.2010
© Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muß nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.
Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:
Offizielle Anfrage der französischen Regierung an die USA über geheime LSD-Experimente in den 1950er-Jahren
F. William Engdahl
weiterlesen »
Montag, 08. Februar 2010
Alle Menschen sind Außerirdische!
Andreas von Rétyi
weiterlesen »
Dienstag, 09. Februar 2010
Raketenstationierung in Polen und Rumänien: USA setzen provokative Einkreisungsstrategie gegenüber Russland fort
F. William Engdahl
weiterlesen »
Dienstag, 09. Februar 2010
Wahrheit: Wie man aus Negativen Positive macht (Teil 1)
Gerhard Wisnewski
weiterlesen »
Freitag, 08. Januar 2010














