»Lehman Brothers II«?
Die Insolvenz des Mittelstandsfinanzierers CIT ist die größte Katastrophe für das US-Finanzsystem seit der Bankenpleite von »Lehman Brothers«.
Rettung in letzter Sekunde! Nach zähem Ringen meldete der 100 Jahre alte Mittelstandsfinanzierer CIT nun Gläubigerschutz an, was bedeutet, der Restrukturierungsplan erfolgt nun in einer sogenannten »geordneten Insolvenz«. Das heißt im Klartext: Die Gläubiger sind sich bereits über weite Teile der Sanierung einig.
Genau das ist auch der Grund, warum »Branchenkenner« beschwichtigen und nicht davon ausgehen, dass die CIT-Pleite das US-Finanzsystem in eine tiefe Krise stürzen wird. Andere Analysten hingegen stufen das Risiko eines Scheiterns der Insolvenz und die nachfolgenden Auswirkungen höher ein, denn es sei »alles andere als sicher«, dass CIT den Sprung aus der Insolvenz überhaupt schaffe, so Donald Workman, Insolvenzexperte der Anwaltsfirma Baker Hosteler.
Da CIT Kredite an Unternehmen im Wert von 52 Milliarden Dollar vergeben hatte, warnten schon vor drei Monaten insgesamt 32 US-Handelsverbände, darunter Vertreter aus der Textil-, Mode-, Sportartikel- und Möbelindustrie, dass eine mögliche Pleite eine unmessbare Zahl an Jobverlusten nach sich ziehen würde.
CIT hatte Ende 2008 zwar bereits 2,3 Milliarden Dollar an staatlicher Finanzspritze erhalten, aber weitere Hilfen wurden verweigert. Eine Gläubigergruppe um die Allianz-Tochter Pimco sprang mit einem Notkredit von drei Milliarden Dollar ein, damit das Unternehmen Zeit gewinnen konnte.
Dabei ist das Unternehmen selbst Schuld an der Misere, denn er hatte sich auf dem Höhepunkt des Kreditbooms stark auf Hypothekendarlehen an nicht kreditwürdige Kunden (Subprime) ausgerichtet. Der Zusammenbruch dieses Marktes ließ CIT dann in eine bedrohliche Schieflage kommen: Alleine die Verluste aus den letzten drei Jahren belaufen sich auf fünf Milliarden Dollar, die Schulden sind um ein Vielfaches höher.
CIT will sich nun, eigenen Angaben zufolge, bis zum Jahresende erholen und seinen rund 950.000 Kunden, die vorwiegend aus dem Mittelstand kommen, weitere Finanzierungen anbieten. Allerdings wird die Restrukturierung nicht einfach werden.
Das Handelsblatt vermeldet dazu: »Den Plänen zufolge sollen die Anleihegläubiger neue Schuldtitel mit einer längeren Laufzeit bekommen, die im Konkursverfahren auf 70 Prozent ihres Nennwertes gekappt werden. Als Ausgleich würde ein Großteil der neu auszugebenden Aktien an die Gläubiger gehen. Die gegenwärtigen Aktionäre würden in dem neuorganisierten Unternehmen nur noch rund 2,5 Prozent der Anteile halten. Auch die 2,3 Mrd. Dollar schwere Nothilfe, die die US-Regierung dem Mittelstandsfinanzierer zuletzt gewährte, dürfte durch die Insolvenz weitgehend verloren sein«.
Die CIT-Pleite ist also ein deutliches Zeichen dafür, dass die Probleme im US-Bankenmarkt noch lange nicht ausgestanden sind, egal wie viele Nebelkerzen die Herren aus Washington noch anzünden werden.
Freitag, 06.11.2009
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