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Lincolns Währungspolitik wiederbeleben. Ein offener Brief an Präsident Obama

Ellen Brown

Sehr geehrter Herr Präsident,

gebannt sah die ganze Welt an diesem unvergesslichen Tag im letzten Januar zu, als Sie, begleitet von Poesie, Musik und Tanz, im »Lincoln Memorial« auf Abraham Lincolns Abbild schauten – auf der Suche nach der nötigen Weisheit, unser Land durch diese schwierigen Zeiten zu steuern. In der Tat haben Sie so viel Gemeinsames mit diesem altehrwürdigen Präsidenten, dass man Sie fast für die Reinkarnation dieses Mannes in einem anderen Gewand halten könnte …

Sie sind ebenso schlank und drahtig, wie er war, Sie sind ein ebenso brillanter Redner, und auch Sie haben in einem entscheidenden Moment die nationale Bühne betreten. Mit viel Fantasie könnte man sich durchaus vorstellen, dass Sie jetzt an seiner Statt erscheinen, um das afrikanische Erbe zu befreien – um mitzuhelfen, die große Narbe der Sklaverei zu heilen und ein für allemal die Behauptung wahrzumachen, dass alle Menschen gleich geschaffen sind und große Dinge vollbringen können, wenn sie nur eine echte Chance erhalten.

Doch wie schon Wordsworth sagte, ist unsere Geburt nur ein Schlaf und ein Vergessen. Wenn das wahr ist, dann haben Sie, Herr Präsident, vielleicht eine subtilere Form der Sklaverei vergessen, von der Lincoln damals ohne Erfolg seine Mitbürger zu befreien versuchte. Vielleicht haben Sie diese Form der Sklaverei ja vergessen, weil sie in unseren populären Geschichtsbüchern nicht erwähnt wird, sodass wir Amerikaner nur schlecht in der Lage sind, die Lektionen unserer eigenen Vergangenheit deuten und daraus lernen zu können. Dieser Brief soll dazu dienen, Sie an diese Vergangenheit zu erinnern.

Herr Präsident, wir befinden uns jetzt auf einem anderen Schlachtfeld in dem gleichen Wirtschaftskrieg, der auch schon Lincoln und vor ihm die Gründerväter heimgesucht hat. Wenn Sie das von Lincoln begonnene Werk vollenden könnten, dann wäre das ein poetischer Triumph, den kein Amerikaner missen möchte. Das Schicksal unserer Ökonomie, ja das unserer ganzen Nation, hängt vielleicht davon ab, wie gut Sie Abraham Lincolns währungspolitisch bahnbrechende Leistung verstehen – das größte »wirtschaftliche Stimulierungsprogramm«, das je ein US-Präsident ins Werk gesetzt hat. Sie, Herr Präsident, können unsere Wirtschaftskrise ebenso schnell wie dauerhaft überwinden, indem Sie den gleichen wirtschaftlichen Lösungsansatz benutzen, der es Lincoln damals erlaubte, den Bürgerkrieg zu gewinnen und damit die Union [der Nordstaaten] vor der Beherrschung durch ausländische Gebieter zu bewahren.

 

Lincolns währungspolitischer Durchbruch

Die damaligen Bankiers hatten Lincolns Regierung die Pistole auf die Brust gesetzt und versuchten es genauso mit Erpressung, wie es heute die Wall Street mit unserem Kongress tut. Die Nordstaaten brauchten damals dringend Geld, um einen Krieg führen zu können, und die Bankiers waren auch durchaus gewillt, der Regierung das nötige Geld zu leihen, aber nur unter der Bedingung, die einer räuberischen Erpressung gleichkam – zu wahrhaft atemberaubenden Zinssätzen von 24 bis 36 Prozent. Lincoln begriff, dass das die Nordstaaten in den Bankrott treiben würde und bat daher einen Vertrauten, die Sache zu untersuchen und eine Lösung zu finden. Wie sich hinterher herausstellte, gab dieser Freund, Oberst Dick Taylor aus seinem Heimatstaat Illinois, einen Rat, der wahrscheinlich der beste war, der je einem amtierenden US-Präsidenten erteilt wurde: Die Union habe, so Taylors Ratschlag, das verfassungsmäßige Recht, ihre Finanzprobleme dadurch zu lösen, dass ihre Vertretung – eine souveräne Regierung – ihr eigenes Geld druckte. Taylor wörtlich:

»Veranlassen Sie den Kongress, ein Gesetz zu verabschieden, das die Regierung befugt, Noten des Schatzministeriums zu drucken, die vollgültige gesetzliche Zahlungsmittel sind … und mit diesen Noten bezahlen Sie ihre Soldaten, und mit ihnen führen und gewinnen Sie auch den Krieg. Wenn Sie diesen Noten den kompletten Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels geben …, dann sind sie voll und ganz durch die Regierung gedeckt und sind so gut wie jedes andere Geld auch; schließlich gibt die Verfassung dem Kongress das ausdrückliche Recht dazu.«

Diese Noten, die sogenannten »Greenbacks«, waren tatsächlich so gut wie die damaligen Banknoten der Bankiers. Beide Papiere wurden auf einer Druckerpresse hergestellt, wobei die Banknoten dadurch einen Anstrich von Legitimität erhielten, dass sie von Gold »gestützt« wurden. Der Haken an der Sache war allerdings der, dass diese Deckung auf dem System der »Mindestreserve« basierte, was bedeutete, dass die Bankiers nur einen kleinen Teil des Goldes vorrätig hatten, der zur Deckung aller vergebenen Kredite – d.h. der von ihnen in Umlauf gebrachten Banknoten – nötig gewesen wäre. Dieser Trick namens »Mindestreservesystem« wird heute noch immer benutzt, um den Eindruck zu erwecken, dass Bankiers etwas anderes verleihen als bloße Schulden (Kredite), die sie per Buchungseintrag in ihren Büchern erzeugen. (1)

Lincoln nahm den Ratschlag von Oberst Taylor an und finanzierte den Krieg durch den Druck von Papiergeld, das durch den Kredit der US-Regierung gedeckt war. Diese gesetzlichen Zahlungsmittel, die US-Banknoten oder Greenbacks, repräsentierten Belege für Arbeiten und Güter, die den Vereinigten Staaten geleistet bzw. an sie geliefert wurden. Die Greenbacks wurden an Soldaten und Zulieferer ausgezahlt und konnten gegen Güter und Dienstleistungen eingetauscht werden – entsprechend ihrem Wert für die Gemeinschaft bzw. Gesellschaft. Mithilfe dieser Greenbacks konnte die Union nicht nur den Krieg gewinnen, sondern auch eine ganze Periode wirtschaftlicher Expansion finanzieren. Lincolns Regierung schuf den größten Industriegiganten, den die Welt bis dahin gesehen hatte. In den USA wurde eine Stahlindustrie aufgebaut, ein kontinentales Eisenbahnsystem geschaffen und ein neues Zeitalter eingeleitet. Die Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen und preiswerten Werkzeugen wurde gefördert, ein kostenloses System von Erziehung und höherer Bildung wurde eingeführt. Außerdem unterstützte die US-Regierung alle Zweige der Wissenschaften, errichtete eine Bergbaubehörde und erhöhte die Arbeitsproduktivität um 50 bis 75 Prozent. Der Greenback war zwar nicht die einzige Währung, mit der diese Errungenschaften finanziert wurden, aber alle diese Fortschritte hätten ohne die Einführung dieses gesetzlichen Zahlungsmittels nicht erzielt werden können; und vor allem hätten sie niemals erzielt werden können mit Geldern, die sich die Regierung zu den Wucherzinsen hätte leihen müssen, welche die Bankiers damals von den Nordstaaten erpressen wollten.

Zwar hatte Lincoln Erfolg damit, die Macht der US-Regierung so wiederherzustellen, dass sie eine eigene nationale Währung schöpfen und in Umlauf bringen konnte, doch wurde seine revolutionäre Währungspolitik von mächtigen Kreisen bekämpft. Die Gefahr, die Lincolns Politik für die etablierten Finanzinteressen darstellte, kam 1865 in einem Leitartikel der London Times zum Ausdruck, dessen Autor sich nicht zu erkennen gab, und in dem es hieß:

»Wenn diese bösartige Finanzpolitik, die ihren Ursprung in der Nordamerikanischen Republik im letzten Krieg dieses Landes hatte, zu einer festen Institution werden sollte, dann wird sich diese Regierung mit ihrem eigenen Geld ausstatten, und zwar ohne jede Kosten. Sie wird ihre Schulden bezahlen und dann keine Schulden mehr haben. Sie wird unvergleichlich reich ein, ohne jedes Vorbild unter den zivilisierten Regierungen dieser Welt. Die klugen Köpfe und der Reichtum aller Länder werden nach Nordamerika gehen. Diese Regierung muss zerstört werden, oder sie wird jede Monarchie auf der Erde zerstören.«

Lincoln wurde 1865 ermordet. Der Historiker W. Cleon Skousen schrieb dazu:

»Direkt nach dem Bürgerkrieg gab es eine lebhafte Diskussion darüber, Lincolns kurzes Experiment mit dem verfassungsmäßigen Währungssystem wiederzubeleben. Hätte damals der europäische ›Money Trust‹ nicht interveniert, dann wäre dieses System zweifellos zu einer etablierten Institution geworden.«

Stattdessen wurde eine andere Institution in den USA etabliert: die Federal Reserve, eine Zentralbank in Privatbesitz, die 1913 die Macht erhielt, Federal-Reserve-Banknoten (oder Dollarscheine) zu drucken und diese an die US-Regierung auszuleihen. Die US-Regierung wurde daraufhin von Schulden überschwemmt, die seitdem exponentiell gestiegen sind und inzwischen die astronomische Höhe von elf Billionen Dollar erreicht haben – Schulden, die einfach nicht zurückzuzahlen sind. Fast ein ganzes Jahrhundert hat Lincolns Statue im Washingtoner Lincoln Memorial gedankenvoll über den »Reflecting Pool« auf das Gebäude der Federal Reserve geblickt, so als ob Abraham Lincoln darüber nachdenken würde, was die Bankiers seit seinem Tode alles an sich gerissen haben und wie man das Problem beheben könnte.

 

Auf einer erfolgreichen Tradition aufbauen

Lincoln hat das von der Regierung in Umlauf gebrachte Papiergeld nicht erfunden. Vielmehr führte er eine brillante Innovation der amerikanischen Siedler wieder ein. Wie von Benjamin Franklin verbürgt, war der »Colonial Scrip«, d.h. die von diesen Siedlern bzw. ihrer Provinzregierung herausgegebenen »Berechtigungsscheine«, für den bemerkenswerten Wohlstand in den amerikanischen Kolonien verantwortlich, und das zu einer Zeit, in der England unter den Verwüstungen litt, die mit der Industriellen Revolution einhergingen. Wie später Lincolns Greenbacks war auch dieser erwirtschaftete Wohlstand eine starke Bedrohung für die Kontrolle, welche die Britische Krone und das damals entstehende Netzwerk britischer Privatbanken ausübten, sodass Großbritanniens König das Papiergeld der amerikanischen Siedler verbot und verlangte, die Steuern in Form von Gold zu entrichten. Laut Franklin und anderen damaligen Zeitzeugen wurde der Revolutionskrieg eigentlich erst durch diese drückenden Lasten der britischen Krone und dem anschließenden Zusammenbruch der Papiergeldmenge der amerikanischen Siedler ausgelöst. (2)

Die Siedler gewannen zwar den Revolutionskrieg, mussten aber ihre Macht, Papiergeld zu schöpfen, letztendlich an ein privates Bankenkartell abgeben. Dieses Kartell gab eine andere Form von Papiergeld heraus, die sogenannten »Banknoten«. Inzwischen dominiert das – sich auf einen Haufen Schulden stützende – Geld der Bankiers die meisten Volkswirtschaften der Welt, doch es gibt eine Reihe von historischen Beispielen, die belegen, dass auch in anderen Ländern die wirtschaftliche Entwicklung erfolgreich mit Krediten finanziert wurde, die direkt von der Regierung gewährt wurden. In Australien und Neuseeland konnte die Regierung in den 1930er-Jahren die in anderen Teilen der Welt wütende Depression dadurch verhindern, dass sie mithilfe öffentlicher Zentralbanken, die eine »nationale Kreditkarte« herausgaben, Kredite gewährte. Die Regierungen der Kanalinseln Guernsey und Jersey haben eine blühende Industrie geschaffen, die unter keinerlei Staatsschulden leiden müssen – durch die Herausgabe einer eigenen schuldenfreien Währung. Auch China hat in beeindruckender Weise mithilfe eines Systems von staatlichen Banken die Binnenwirtschaft angekurbelt.

Hier in den USA unterhält der Bundesstaat North Dakota eine vollständig in seinem Besitz befindliche Bank, die in ihren Büchern Kredite schöpft, genau so wie es die Privatbanken tun. Diese Gelder werden ausschließlich zum Nutzen der Gemeinschaft investiert, und der Zinserlös dieser Kredite fließt vollständig an die Regierung dieses Bundesstaates zurück. Es ist kein Zufall, dass North Dakota heute – zu einer Zeit, in der 46 von 50 US-Bundesstaaten bankrott sind – einen Überschuss von 1,2 Milliarden Dollar in seinem Haushalt ausweist. Das ist eine beeindruckende Leistung für einen Bundesstaat, in dem viele vereinzelte Farmer leben, die sich mit harten Wetterbedingungen herumschlagen müssen (3). Das Beispiel von North Dakota könnte nicht nur in jedem US-Bundesstaat kopiert werden, sondern auch auf der Ebene der Bundesregierung.

 

Die ewige Frage nach der Inflation

Die Einwände, die immer wieder gegen eine von der Regierung in Umlauf gebrachte Währung oder einen Regierungskredit ins Feld geführt werden, laufen darauf hinaus, diese Maßnahmen verursachten eine gefährliche Hyperinflation. Doch in keinem der hier angeführten Beispiele ist das eingetroffen. Zu einer Preisinflation kommt es entweder, wenn die Geldmenge zunimmt und die Menge der produzierten Güter aber nicht, oder wenn Spekulanten durch massive Baisse-Spekulationen die Währungen in den Keller treiben. Das Letzere war z.B. in einigen Ländern Lateinamerikas der Fall, als es zu einer Hyperinflation kam, weil die Druckerpressen angeworfen wurden, um mit diesen zusätzlichen Banknoten die Auslandsschulden zu bezahlen. Wenn aber neues Geld dazu benutzt wird, neue Güter und Dienstleistungen zu produzieren, dann kommt es nicht zu einer Preisinflation, da Angebot und Nachfrage gemeinsam steigen. Zwar sind im Laufe des amerikanischen Bürgerkriegs die Preise gestiegen, doch diese Entwicklung hing nicht mit der Einführung des Greenbacks zusammen, sondern damit, dass im Krieg die Güter knapp werden. Im Krieg werden nun mal in erster Linie Waffen produziert und keine Konsumgüter.

Angesichts der vielen Billionen Dollar für Finanzspritzen und Stimulierungsprogrammen, die unsere Regierung heute locker macht, wird wahrscheinlich ein anderer Einwand gegen Lincolns Lösung erhoben: »Die US-Regierung druckt doch schon ihr eigenes Geld – und zwar sehr viel Geld.« Das ist jedoch eine Falschdarstellung. Was die amerikanische Regierung jetzt druckt, sind Anleihen – sogenannte I.O.U.s (Wechsel) oder Schuldtitel. Wenn die US-Regierung tatsächlich Dollarnoten drucken würde, statt sie sich von einer privaten Zentralbank, die diese Dollarscheine druckt, zu leihen, dann hätte Uncle Sam nicht einen elf Billionen Dollar schweren Mühlstein um den Hals hängen. Wie schon der scharfsinnige Thomas Edison bemerkte:

»Wenn unsere Nation eine Dollaranleihe auflegen kann, dann kann sie auch eine Dollarnote in Umlauf bringen. Der wesentliche Bestandteil, der eine Anleihe absichert, tut das auch bei einem Geldschein. Der Unterschied zwischen einer Anleihe und einem Geldschein ist der, dass bei einer Anleihe die Geldmakler den doppelten Betrag der Anleihe kassieren können plus einer zusätzlichen Provision von 20 Prozent, während eine Währung nur diejenigen bezahlt, die direkt einen wie auch immer gearteten nützlichen Betrag leisten. Es ist absurd zu behaupten, unser Land könne 30 Millionen Dollar in Form von Anleihen in Umlauf bringen, nicht aber 30 Millionen Dollar in eigener Währung. Beides sind Zahlungsversprechen, aber eines dieser Versprechen mästet die Wucherer, und das andere hilft dem Volk.«

 

Ein Weckruf

Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt erklärte Henry Ford:

»Es ist sehr gut, dass unsere Bürger unser Bankwesen und Währungssystem nicht verstehen, denn wenn sie es verstünden, dann gäbe es, so denke ich, noch vor Tagesanbruch eine Revolution.«

Heute, da »wir, das Volk« beginnen, den Mechanismus unseres Bankwesens und Währungssystems zu verstehen, sind wir schockiert, bestürzt und wütend über das, was wir entdecken. Der Zauberer hinter dem Vorhang stellt sich als eine kleine Clique von Männern heraus, die Schalthebel bedienen, Strippen ziehen und ein illusionäres Geldsystem erzeugen, das hinter der ganzen Prahlerei und Angeberei nur aus heißer Luft und blauem Dunst besteht. Kontrolliert werden diese Schalthebel und Strippen von einer privaten – und niemandem Rechenschaft schuldigen – Zentralbank namens Federal Reserve, die kürzlich Milliarden, wenn nicht sogar Billionen von Dollars an befreundete Bankiers verteilt hat, ohne mitzuteilen, wohin diese Gelder fließen. Daran haben auch Anhörungen im Kongress oder entsprechende Anfragen gemäß dem US-Gesetz zur Informationsfreiheit (»Freedom of Information Act«, FOIA) nichts ändern können. Im Zusammenhang mit einer von Bloomberg News erwirkten FOIA-Anfrage, die von der Fed einfach ignoriert wurde, wies Chris Powell vor Kurzem darauf hin:

»Jede Regierung, die insgeheim zwei Billionen Dollar ausgeben kann, ohne in irgendeiner Weise dafür Rechenschaft ablegen zu müssen, ist keine demokratische Regierung. Es ist eine Regierung der und für die Bankiers. (4)

Es gab eine Zeit, in der private Zentralbankiers finanzpolitische Schwergewichte waren, die alles kontrollierten und ihre supergeheimen Geschäfte straflos durchziehen konnten; doch diese Zeit neigt sich jetzt dem Ende zu. Die Bankiers kämpfen ums Überleben; verzweifelt versuchen sie, ihre kollabierenden Gebilde mit allen möglichen Intrigen, Finanzspritzen (»bailouts«) und Taschenspielertricks zu retten. Doch letztendlich sind all diese Versuche zum Scheitern verurteilt. Der Investmentberater Rolfe Winkler schrieb kürzlich in einem Artikel:

»Das große Ponzi-Schema, zu dem die Ökonomie der westlichen Welt geworden ist, ist so groß geworden, dass man es einfach nicht mehr ›reparieren‹ kann. Noch mehr Schulden in dies System zu pumpen wäre das Gleiche, wie Madoff noch ein paar Milliarden Dollar zu geben, um ihm über die augenblicklichen Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Oder wie den Turm zu Babel um ein zusätzliches Geschoss aufzustocken. Zu welchem Zweck? Der Kollaps ist bereits passiert. Die Frage lautet: Wie groß darf der Schaden sein, den dieser Kollaps anrichtet? In den öffentlichen Geldbeutel zu greifen, um das ›Vertrauen‹ in ein System zu finanzieren, das bereits kaputt ist, mag vielleicht den Tag der Abrechnung hinausschieben, das stimmt, aber nur auf Kosten der Vervielfachung unserer Verluste. Und die können vielleicht fantastische Dimensionen annehmen.« (5)

Die Bankiers sind in der Defensive und versuchen dabei hektisch, den Kollaps des jetzigen Systems auszunutzen, um uns eine »Amero«-ähnliche Währung Nordamerikas aufzudrücken, oder der ganzen Welt ein einziges privates Bankensystem mit einer von Privatbanken in Umlauf gebrachten globalen Währung aufzuzwingen, das sie – und nur sie allein – kontrollieren. »Wir, das Volk« werden jedoch derartige Lösungen nicht akzeptieren, egal wie schlimm die Lage wird. Wir verlangen wirkliche Lösungen, die uns, dem Volk, die Macht geben, und die uns nicht noch weiter versklaven.

Abraham Lincoln hatte eine solche Lösung. Herr Präsident, Sie können endlich seine Lösung des Währungsproblems realisieren. Setzen Sie die Vision von Lincoln, Jefferson, Madison und Franklin um, und »wir, das Volk« werden dafür sorgen, dass Sie Ihren Platz im Pantheon unserer größten Staatsmänner finden und für alle Zeit verehrt werden. Amerikas größte Tage mögen durchaus noch kommen. Doch damit das geschieht, müssen wir dieses betrügerische Bankensystem aufdecken und mit Stumpf und Stiel ausrotten; denn ansonsten würde dieses System uns zu einer Zukunft mit Schulden und wachsender Obdachlosigkeit verdammen – das große Land, das unserer Gründungsväter geschaffen haben. Jetzt ist die Zeit reif dafür, dass sich die Demokratie über ein privates Bankenkartell erhebt und die Macht der Geldschöpfung wieder übernimmt. Eine solche Transformation wäre die epochalste und machtvollste Veränderung der ganzen Menschheitsgeschichte. Sie selbst haben kürzlich erklärt:

»Niemals hat dieses Land auf eine Krise dadurch reagiert, dass es nur dagestanden, abgewartet und das Beste erhofft hat. In unserer ganzen Geschichte haben wir jede große Prüfung durch kühnes Handeln und große Ideen bestanden.«

Ihre Worte sind eine rechtzeitige Mahnung an unser langes Erbe aktiven Handelns und kühner Lösungen bei großen Herausforderungen. Können wir das schaffen? Yes we can.

 

 

__________

Fußnoten:

(1) Siehe Ellen Brown: »Borrowing from Peter to Pay Paul: The Wall Street Ponzi Scheme Called fractional Reserve Banking«, www.webofdebt.com/articles (29. Dezember 2008). Deutsche Übersetzung: »Von Peter borgen, um Paul zu bezahlen: Das ›Ponzi-Schema‹ der Wall Street namens Mindestreserve-Bankwesen« (Kopp-Online-Informationsdienst, 31. Dezember 2008)

(2) Der US-Kongressabgeordnete Charles Binderup 1941 in seiner Rede »How America Created Its Own Money in 1750: How Benjamin Franklin Made New England Prosperous« (zu Deutsch: »Wie Amerika 1750 sein eigenen Geld schöpfte: Wie Benjamin Franklin die Staaten Neu Englands wohlhabend gemacht hat«). In diesem Zusammenhang zitiert Binderup den Historiker John Twells.

(3) Ellen Brown, »Turning the Tables on Wall Street: North Dakota Shows Cash-Starved States How They Can Create Their Own Credit« (www.webofdebt.com/articles, 11. März 2009). Siehe auch: Ellen Brown (2. März 2009), »Klamme US-Bundesstaaten müssen sich jetzt im Bankgeschäft engagieren: North Dakota zeigt wie es geht«, Kopp-Online-Informationsdienst, 6. März 2009)

(4) Chris Powell, »Fed Refuses to Disclose Recipients of $2 Trillion« (zu Deutsch: »Die Fed weigert sich, die Empfänger von zwei Billionen Dollar bekannt zu geben«), GATA (12. Dezember 2008)

(5) Rolfe Winkler, »More Debt Won’t Rescue the Great American Ponzi« (zu Deutsch: Mehr Schulden werden das große amerikanische Ponzi-Schema nicht retten«), Option Armageddon (9. März 2009).

 

 

Die Erstveröffentlichung dieses Artikels erfolgte im Online-Magazin Yes!

Mein besonderer Dank gilt CC für seine unschätzbare Hilfe beim Verfassen dieses Artikels.

 

Ellen Brown entwickelte ihr Forschertalent als praktizierende Anwältin für Zivilrecht in Los Angeles. In ihrem neuesten Buch Der Dollar-Crash hat sie ihre Fähigkeiten und Erfahrung auf die Untersuchung der US-Zentralbank Federal Reserve und des »Geldkartells« angewandt. Sie zeigt, wie dieses private Kartell dem amerikanischen Volk die Macht der Geldschöpfung aus der Hand gerissen hat und wie »wir, das Volk« sie wieder zurückerobern können. Ellen Brown ist erfolgreiche Autorin von insgesamt elf Büchern. Siehe auch ihre Internetseiten unter www.webofdebt.com und www.ellenbrown.com.

 

Mittwoch, 15.04.2009

Kategorie: Gastbeiträge, Wirtschaft & Finanzen, Politik

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