Freitag, 9. Dezember 2016
08.04.2010
 
 

Machenschaften von Babynahrungsindustrie, Politik und Medien: 1,5 Millionen Babys sterben jährlich weltweit! (Teil 1)

Eva Herman

Es war wie immer: »Spiegel Online« brachte nach Ostern eine Meldung, die wie eine Neuigkeit klang – und zahlreiche Medien wiederholten sie eifrig, ohne nennenswerte zusätzliche Eigenrecherche, als Riesensensation: Stillen könnte vielen Säuglingen das Leben retten, lautete die grammatikalisch etwas verschwurbelte Titelzeile des Artikels. Man beruft sich auf eine Harvard-Studie, die aktuell feststellt, dass in den USA etwa 900 Kinderleben jährlich durch das Stillen gerettet werden, und dass die Kosten des Gesundheitssystems gar im Billionen-Dollar-Bereich jährlich gesenkt werden könnten.

Diese Meldung jedoch ist nicht neu! Als ich vor etwa zehn Jahren mein Buch Vom Glück des Stillens zu recherchieren begann, standen diese Informationen längst alle fest. Fest stand auch, dass es nicht um 900 Säuglinge, sondern um eine weitaus höhere Zahl von toten Babys jährlich geht, die nur deswegen sterben müssen, weil sie nicht gestillt werden: 1,5 Millionen Säuglinge sind es, deren Leben laut WHO-UNICEF jedes Jahr aufs Neue weltweit kurz nach der Geburt schon wieder zu Ende ist, weil ihre Mütter ihnen nicht die von der Natur vorgesehene Ernährung zugestehen. Von den Medien indes erfährt man darüber so gut wie nie etwas! Durch eine seit etwa 50 Jahren gebetsmühlenartige Gehirnwäsche vonseiten der Babynahrungsindustrie, durch ihre zahllosen Werbekampagnen in den Medien, haben sich deren Lügen in den Köpfen der Menschen eingegraben: Flaschenmilch sei genauso gesund wie natürliche Muttermilch. Und: Stillen sei rückständig! Seitdem sinkt die Stillrate weltweit kontinuierlich, die Stillkultur in Deutschland und Europa wurde zerstört!

Mit aggressivsten Werbemethoden wird das Babypulver inzwischen in die hintersten Ecken der Erde gebracht, wo das selbstverständliche und jahrelange Stillen  einstmals zur Kultur der einzelnen Völker gehörte, wie es auch hierzulande früher üblich war. Berichtet wird über die zum Teil kriminellen Machenschaften nicht! Und auch in der westlichen, zivilisierten Welt ist die Nuckelflasche heute selbstverständlich geworden, während das natürliche Stillen als »altmodisch« abgewertet worden ist. Dank der Industrie, dank der Politik, die heute immer noch nicht einschreitet, dank der willigen Medien, die die Industrie-Parolen meist ungefragt veröffentlichen!

Das Ergebnis ist auch, dass viele Frauen deswegen heute glauben, dass sie nicht stillen könnten, sie glauben, zu wenig Milch zu haben oder unter anderen Stillhindernissen zu leiden. Fakt ist: Fast alle könnten es in Wirklichkeit! Lediglich knapp fünf Prozent haben körperbedingte Probleme. Beim Rest heißt es: Umdenken! Denn nach fünf Jahrzehnten ideologischer Manipulation ist der Zeitpunkt gekommen, um sich von den übergestülpten Irrtümern zu lösen und zu befreien. Stillen ist eng mit der Psyche verbunden, Stress und Druck sorgen häufig für Komplikationen. Tatsache ist auch, dass das Stillen sowohl für die Mütter wie auch für ihre Kinder gleichermaßen entschieden gesünder ist etwa als Flaschenmilch. Außerdem ist das Stillen bedeutend billiger: Etwa 100 Euro monatlich kann eine Familie in Deutschland pro gestilltem Baby einsparen. Und der der deutsche Gesundheitsstaat würde jährlich eine zweistellige Milliardensumme einsparen, würden die Kinder nur sechs Monate lang voll gestillt werden! Bei der derzeitigen gesundheitspolitischen Diskussion wahrlich kein Pappenstiel! Ein weiterer Punkt: Viele Frauen glauben, sich mit dem Stillen die Figur zu ruinieren. Kein Wunder, wurde dieses Gerücht doch lange genug beharrlich in den Medien verbreitet. Fakt ist: Das Gegenteil ist der Fall! Wer lange stillt, erhält schneller seine ursprüngliche Figur zurück, denn Stillen zehrt enorm am Körper. Es ist gesünder, natürlicher, sorgt für eine optimale Rückbildung der Organe etc. Und? Wie häufig lesen und sehen wir etwas darüber in den Medien?

Während es in der westlichen Welt vorwiegend um wichtige Gesundheitsaspekte und Kosteneinsparungen geht, dreht sich das Karussell in den Nationen der Dritten Welt und in den Schwellenländern erheblich schneller: Hier geht es ums nackte Überleben! Vorsätzlich werden die Müttern vom Stillen abgehalten, in manchen südostasiatischen Kliniken werden Kopfgeldprämien pro nicht gestilltem Säugling bezahlt – von der Babynahrungsindustrie! Die Geschäftsführerin der WHO/UNICEF-Initiative »Babyfreundliches Krankenhaus«, Gisela Meese, sagte in einem Interview für das o.g. Buch: »In den Entwicklungsländern führt die Zubereitung von Säuglingsnahrung häufig zum Tode der Babys. Die Gründe liegen zum einen in einer grenzenlosen Armut: Aus Unwissenheit und Geldmangel strecken die Mütter das Pulver mit mehr Wasser, als es empfohlen wird. Was Unterernährung und den Tod in vielen Fällen zur Folge hat. Außerdem werden in den allerseltensten Fällen die Babyflaschen sterilisiert, und tödliche Infektionen sind die Konsequenz. Die Auswirkungen sind dramatisch: WHO und UNICEF schätzen, dass auch heutzutage noch jährlich 1,5 Millionen Kinder auf der Welt sterben, weil sie nicht gestillt werden.« Armut, Unkenntnis und mangelnde Hygiene also bedeuten hohe Risiken bei der Flaschenernährung: Häufig sind Durchfallerkrankungen, Austrocknung und Infektionskrankheiten die tödliche Folge für 1,5 Millionen Babys! Jährlich!

Warum greifen Mütter in den Entwicklungsländern trotz dieser Risiken zum Milchpulver? Weil die Aufklärung in den Slums in Indien, Afrika oder in Brasilien eine noch schlechtere ist als hier in den westlichen Ländern. Viele Menschen haben keine Ahnung von den tödlichen Folgen, ein großer Teil kann nicht lesen und schreiben und versteht nicht, was in der Zubereitungsanleitung steht. Meese wörtlich: »Die Werbebotschaften der Konsumgesellschaften dringen heute bis in den letzten Winkel der Erde. Man kann verstehen, dass die Mütter und Väter in den armen Regionen für ihre Kinder das Beste wollen. Ein besseres Leben bedeutet dort jedoch meist, nicht am Rande der Gesellschaft zu existieren, sondern dazuzugehören. Erfolgreich und stark zu erscheinen wie die Leute, die auf den riesigen Plakatwänden abgebildet sind. Oder im Werbefernsehen auftreten. Sympathische Mütter füttern ihre fröhlichen, gesund aussehenden Babys mit künstlicher Nahrung! ›Für den Nachwuchs nur das Beste!‹ Genau hier setzt die Werbung an!«

Das wird von vielen Seiten bestätigt. In einer Dokumentation der Arbeitsgruppe Dritte Welt Bern, die von dem Politiker Freimut Duve herausgegeben wurde und die bereits im Jahr 1976 erschien, hieß es: »Da die Konsumideale für die Slumbewohner unerreichbar sind, wird die symbolhafte Teilnahme an der Konsumwelt umso wichtiger. Coca-Cola, die Saugflasche oder Zigaretten dienen weniger der Befriedigung unmittelbarer Bedürfnisse, sondern symbolisieren die erhoffte Teilhabe an einer unerreichbaren Welt.« Es handelt sich bei der Zielgruppe der Industrieunternehmen in der Regel um Menschen, denen es aufgrund ihrer Herkunft meist an Bildung, Selbstbewusstsein und Geld mangelt. Sie sind willige Opfer, und ernähren ihre Babys mit kindlichem Vertrauen und tödlichem Unwissen falsch.

Einträgliches Ziel der Milchersatznahrungsindustrie ist es, so viele Mütter wie möglich an das Milchpulver zu bringen und zu binden. Die Weichenstellung findet meist auf der Entbindungsstation statt, sodass möglichst zahlreiche Krankenhäuser in die Marketingstrategien eingebunden werden müssen. Man scheut nicht davor zurück, in- und ausländische Gesundheitseinrichtungen und das ärztliche Personal zu »schmieren«, indem die Industrieunternehmen im Gegenzug aufwändige Renovierungskosten der Kliniken übernehmen, ihnen Neugeräte zur Verfügung stellen oder die Ärzte samt ihren Familien großzügig in die Ferien nach Europa einladen. Wer sich die Broschüre Breaking the Rules-Stretching the Rules näher ansieht, die von der mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichneten IBFAN (International Babyfood Action Network) herausgegeben wird, erkennt massive Verstöße gegen den WHO-Kodex, gegen Ethik und Moralmaßstäbe: Nahezu alle Hersteller von Babynahrung nutzen nach wie vor die effizienteste Einfallstraße, um ihre Produkte an die Frau zu bringen: die Gesundheitseinrichtungen. Nahezu alle Firmen, die in den Berichten vorkommen, versorgen die Kliniken mit Gratis-Lieferungen, die manchmal angefordert, in den allermeisten Fällen jedoch unaufgefordert zur Verfügung gestellt werden. Die Gepflogenheit, den gestellten Rechnungsbetrag nicht einzutreiben, wird von verschiedenen Firmen angewandt.

In Taiwan bestehen laut IBFAN Verträge mit Krankenhäusern, denen von Babynahrungsherstellern 25 bis 30 US-Dollar für jeden gefütterten Säugling gezahlt werden. So sichern sich die Firmen ihre Neukunden bereits im Krankenhaus. Denn es gilt als sicher, dass die Mütter nur selten die Säuglingsnahrung wechseln, wenn ihr Kind das bisherige Produkt gut verträgt. Für diese frühzeitige Festlegung auf einen Hersteller investieren die Unternehmen viel Geld in Direktmarketing, Gratislieferungen von Anfangs- und Folgenahrungen an Krankenhäuser, Geschenke mit Firmenlogo an Krankenhauspersonal, die Finanzierung von Reisen und Forschungsprojekten seien »vorherrschende Praxis«.

Vielen Müttern wird indes in den Kliniken eingeredet, dass sie nicht stillen könnten und dass dies eben auch nicht notwendig sei. Durch die Gratis-Milchprobepackungen, die vom Krankenhauspersonal vergeben werden und die dadurch beinahe wie eine ärztliche Empfehlung wirken, werden die Mütter, die dem Rat des Personals vertrauen, bereits auf den Entbindungsstationen »angefüttert«. Dies geschieht nicht nur in der Dritten Welt, sondern auch hier, im Herzen Europas, weiterhin und trotz massiven Protestes, jeden Tag und regelmäßig. Von Rechts wegen müssten diese perfiden Strategien längst untersagt worden sein, zahlreiche Interessensgruppen- und verbände kämpfen seit Jahren für ein Verbot. Doch nichts außer einigen halbherzigen Empfehlungen geschieht, hier in Deutschland wie auch auf dem übrigen Globus! Die Politik scheint nicht sonderlich an gesunden, selbstbewussten und stabilen Kindern und späteren Erwachsenen interessiert zu sein. Zwar wurde – angesichts der verantwortungslosen Marketingstrategien der multinationalen Babynahrungshersteller – der »Internationale Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatznahrung« vonseiten der Weltgesundheitsversammlung 1981 verabschiedet, doch ist dies nicht mehr als Augenwischerei. Selbst die WHO spricht lediglich von einem »empfehlenden Charakter«.

Laut diesem Kodex ist es verboten, Werbung für Säuglingsnahrung zu betreiben, die keinen deutlich sichtbaren und als »wichtig« bezeichneten Hinweis auf die Überlegenheit des Stillens enthält, mit der gleichzeitigen Empfehlung, die Nahrung nur auf den Rat von Fachleuten zu verwenden. Ebenso ist es verboten, die Mütter durch Verteilung von Proben, durch die Abgabe kostenloser oder verbilligter Erzeugnisse oder durch andere zusätzliche Anreize zum Kauf anzuregen. Auch darf nur Infomaterial verteilt werden, wenn es klare Auskünfte gibt über mögliche negative Auswirkungen der zusätzlichen Flaschennahrung auf das Stillen und die Schwierigkeiten, den Entschluss, nicht zu stillen, rückgängig zu machen. Doch trotz dieser Verbote und des Umstands, dass die Vorgaben des WHO-Kodex zum Teil in das deutsche Säuglingsnahrungswerbegesetz eingegangen sind, werben die Babynahrungshersteller mit an Ignoranz grenzender Selbstverständlichkeit weiterhin in Drogeriemärkten, Elternzeitschriften, Arztpraxen usw. für ihre im Verhältnis teuren Produkte. Und eingeschritten wird nur selten.

In der westlichen Welt fragt inzwischen kaum noch jemand nach, welche Folgen das Nichtgestilltwerden für den weiteren Verlauf eines Menschen  hat, denn das Diktat der Moderne heißt künstliche Babymilch! In den Schwellenländern und der Dritten Welt hat das Nichtwissen weitaus dramatischere Folgen: Nämlich jedes Jahr aufs Neue 1,5 Millionen tote Babys. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn dieser traurige Umstand Beachtung und Eingang in die aktuelle bundesdeutsche Berichterstattung gefunden hätte!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Barack Obama für freie Abtreibung und Kindestötungen?

Michael Grandt

Unterstützer der freien Abtreibung erhalten in Obamas Administration hochrangige Positionen, was von Lebensrechtlern mit großer Sorge verfolgt wird. Sogar Abtreibungen bis zum 6. Monat könnten wieder legalisiert werden. Obama selbst gilt als Gegner des Verbotes einer besonders grausamen Abtreibungsmethode.  mehr …

Sollen schon Säuglinge gegen Gebärmutterhalskrebs geimpft werden?

F. William Engdahl

Eine australische Ärztin schlägt vor, schon Babys im Rahmen der allgemeinen »Immunisierung im Säuglingsalter« routinemäßig gegen Gebärmutterhalskrebs zu impfen. Die beiden Pharmariesen »GlaxoSmithKline« aus England, der Hersteller von Cervarix, und Merck, der Hersteller von Gardasil, haben die australische Ärztin Suzanne Garland vom »Royal Women’s  mehr …

Nahrungsmittelallergien bei Kleinkindern drastisch gestiegen

Andreas von Rétyi

In den vergangenen zehn Jahren haben Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel bei Kindern sehr deutlich zugenommen.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Euro-Crash-Ticker März 2010 (IV)

Michael Grandt

Europas Staaten geraten immer mehr unter Druck. Dennoch werden die Politiker nicht müde, die Bürger mit scheinheiligen Argumenten zu beruhigen. Wie sich die Lage in Wirklichkeit darstellt, wird dieser Euro-Crash-Ticker in regelmäßigen Abständen veröffentlichen. Hier der siebte Teil.  mehr …

Barack Obama für freie Abtreibung und Kindestötungen?

Michael Grandt

Unterstützer der freien Abtreibung erhalten in Obamas Administration hochrangige Positionen, was von Lebensrechtlern mit großer Sorge verfolgt wird. Sogar Abtreibungen bis zum 6. Monat könnten wieder legalisiert werden. Obama selbst gilt als Gegner des Verbotes einer besonders grausamen Abtreibungsmethode.  mehr …

Schockierend: Beweise für Verbindung zwischen zunehmendem Autismus bei Kindern und Impfungen

F. William Engdahl

Die Weltgesundheitsorganisation und die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC verstärken die psychologische Manipulation der Öffentlichkeit und schüren Hysterie und Panik über ein angebliches »Virus« H1N1 Influenza-A alias Schweinegrippe, deren Symptome bislang denen einer einfachen Erkältung ähneln. Viele Wissenschaftler warnen schon heute, dass  mehr …

Nahrungsmittelallergien bei Kleinkindern drastisch gestiegen

Andreas von Rétyi

In den vergangenen zehn Jahren haben Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel bei Kindern sehr deutlich zugenommen.  mehr …

Weg mit der Schweigespirale! Über die Mechanismen der Medienmanipulation

Eva Herman

Wie ehrlich kann man heute noch sein? Was darf man noch ungestraft sagen? Kann jeder gefahrlos seine eigene Meinung, abseits des Mainstream, äußern? Werden wir immer sachlich von den Medien unterrichtet und informiert? Nein! Ganz sicher nicht!  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.