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Maulkorb für britische Polizisten

Michael Grandt

In Großbritannien sollen sich Polizisten öffentlich nicht mehr zu schweren Verbrechen und sozialen Problemen äußern dürfen, um die Bürger nicht zu verängstigen.

Polizisten sollen der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. So war das bisher auch in Großbritannien. Doch jetzt scheinen die Beamten eine ganz andere Wirkung auf die Bürger zu haben. Sie wurden deshalb von ihren Dienststellen angewiesen, in der Öffentlichkeit nicht mehr über Verbrechen zu reden, um die Menschen nicht zu erschrecken. Die Anweisung kommt von ganz oben.

Ganz offiziell hieß es aus dem Innenministerium: »Wenn die Beamten öffentlich über die steigende Kriminalitätsrate sprechen, können die Menschen den Eindruck gewinnen, die Polizei macht keinen guten Job.«

Dabei kämpft das Ministerium seit Jahren darum, das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheitskräfte zu erhöhen. Derzeit liegt es nur bei 49 Prozent und soll bis im Jahr 2012 auf 60 Prozent gesteigert werden. Zu gesprächige Polizisten passen da nicht ins Bild. Im Bericht des Innenministeriums heißt es: »Gespräche über soziale Probleme und schwere Verbrechen können Ängste erzeugen, aber auch die Arbeit der Polizei diskreditieren. Zudem gibt es Hinweise, dass Menschen, die sich nicht mehr sicher fühlen, die Polizei dafür verantwortlich machen.«

Das Innenministerium forderte die Beamten auf, sich in der Öffentlichkeit ruhig zu verhalten. Viele Polizisten sehen diese Anweisung einfach nur als »lächerlich« an. So auch Detective Constable Alex Challenor von der Lancashire-Polizeidienststelle: »Ich kann zwar verstehen, dass uns gesagt wird, wir sollen auf Facebook und dergleichen vorsichtig mit unseren Äußerungen sein, aber zu versuchen, auch noch das zu kontrollieren, was wir den Menschen in der Kneipe sagen, ist einfach nur lächerlich.« Chris Herbert, der Herausgeber des Police Review, sieht das ähnlich: »Es ist schwer zu sagen, ob das deprimierend oder lustig sein soll.«

Das Innenministerium ruderte aufgrund der anhaltenden massiven Kritik etwas zurück. Ein Sprecher sagte: »Es ist eine Kernaufgabe der Polizei, die Kriminalität mit der örtlichen Bevölkerung zu diskutieren. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Regierung dies ändern will. Wir wollten mit dieser Anweisung lediglich ergründen, wie die örtliche Polizei mit ihren Gemeinden kommuniziert. Es handelt sich hierbei also nicht um einen Befehl, sondern um eine Methode, um mehr Vertrauen zu schaffen.«     

Vertrauen schaffen dadurch, dass den Menschen nicht mehr die volle Wahrheit gesagt werden darf?

 

Sonntag, 07.02.2010

Kategorie: Enthüllungen, Politik

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