Mehr Informationen zu kommenden »Schocks« und über die Warnungen von Powell und Biden
US-Verteidigungsminister Robert Gates und Amerikas oberster Geheimdienstchef, Michael McConnell, haben jetzt zusammen mit dem Chef der Heimatschutzbehörde, Michael Chertoff, erklärt, dass auch der neu gewählte US-Präsident, der am 20. Januar 2009 sein Amt antritt, gemäß der in den letzten acht Jahren angewandten Militärstrategie der »allumfassenden Dominanz« (Full Spectrum Dominance) regieren wird. Die Details ihrer Angaben haben erhebliche Bedeutung, da die Welt daran erkennen kann, was in nächster Zeit höchstwahrscheinlich auf sie zukommt. Jetzt hat der Leiter des Defense Business Board und langjährige Berater des Pentagon, Michael Bayer, als (vorläufig) letzter Experte die kürzlichen Äußerungen wiederholt, demzufolge der neue US-Präsident schon bald in einer schweren internationalen Krise »getestet« werden wird.
Der amerikanische »Geheimdienst-Zar« Michael McConnell hat auf das kürzlich herausgegebene Pentagon-Dokument 2008 Army Modernization Strategy (zu deutsch: Strategiepapier zur Modernisierung der Streitkräfte 2008), demzufolge die Strategie der US-Streitkräfte darin besteht, dass die Vereinigten Staaten mindestens in den nächsten »30 bis 40 Jahren« in ständige Rohstoffkriege verwickelt sein werden, mit der Erklärung reagiert, er gehe davon aus, dass das Konfliktpotenzial in der Welt in den nächsten 20 bis 30 Jahren aufgrund einer beispiellosen Wohlstands- und Machtverschiebung von West nach Ost zunehmen werde. McConnell prognostizierte eine zunehmende Nachfrage nach immer knapper werdenden Nahrungsmitteln und Brennstoffen sowie einen härter werdenden strategischen Wettbewerb um neue Technologien und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
»Was ich vermute – es gibt ein zunehmendes Konfliktpotenzial«, erklärte McConnell letzte Woche vor Geheimdienstexperten in Nashville, im US-Bundesstaat Tennessee. »Im Beurteilungszeitraum bis 2025 wird die Wahrscheinlichkeit von Konflikten zwischen Nationen und auch innerhalb der Nationalstaaten zunehmen«, fügte er hinzu.
US-Geheimdienstzar Michael McConnell warnt vor Chinas Rohstoffkriegen
Auch die Bedingungen für »viele Opfer fordernde Terroranschläge unter Einsatz chemischer, biologischer oder – auch wenn das weniger wahrscheinlich ist – sogar atomarer Kampfmittel« werde sich in dieser Zeitspanne verbessern, so McConnell.
Der Koloss eines aufstrebenden China ist der entscheidende Faktor
Außerdem warnte McConnell vor einer multipolaren Welt im Jahre 2025, die vom Aufstieg der drei Riesen China, Indien und Brasilien geprägt werde, deren Volkswirtschaften dann mit denen der westlichen Industriestaaten gleichgezogen hätten.
»In Hinsicht auf Größe, Geschwindigkeit und Richtung ist der Transfer von globalem Wohlstand und wirtschaftlicher Macht, den wir augenblicklich von West nach Ost erleben, in der modernen Geschichte ohne Beispiel«, erklärte McConnell. Territoriale Expansionsbestrebungen und militärische Rivalitäten seien nicht wahrscheinlich, könnten aber auch nicht ausgeschlossen werden, fügte er hinzu.
»Wir denken, dass diese bahnbrechenden Veränderungen nicht zu einem völligen Zusammenbruch des derzeitigen internationalen Systems führen werden, aber die nächsten 20 Jahre des Übergangs zu einem neuen System sind voller Risiken und außerordentlich vieler Herausforderungen«, so McConnell.
Im Jahre 2025 sei China wahrscheinlich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und in militärischer Hinsicht eine Großmacht, aber auch der größte Importeur von Rohstoffen und der größte Umweltverschmutzer weltweit. »China ist darauf vorbereitet, in den nächsten 20 Jahren die Entwicklung der Welt stärker zu beeinflussen, als jede andere Nation«, sagte McConnell.
Indien werde dann entweder zur zweit- oder drittgrößten Industrienation aufgestiegen sein und darauf dringen, »einer der bedeutenden Pole dieser neuen Welt« zu werden, erklärte McConnell und fügte hinzu, auch Russland werde zu dieser Gruppe von Staaten gehören; das gelte aber nur dann, wenn es seine Wirtschaft expandiere, diversifiziere und in die globale Weltwirtschaft integriere.
»Strategische Rivalitäten werden sich höchstwahrscheinlich in Bezug auf den Handel, demographische Faktoren, Zugang zu Rohstoffen, Investitionen und technologische Innovationen entwickeln. Es wird eine Auseinandersetzung um technologische Vorteile geben, denn diese sind die eigentliche Voraussetzung für Dominanz«, behauptete McConnell.
Pentagon-Berater äußert sich wie Powell und Biden
Michael Bayer, der Vorsitzende des einflussreichen verteidigungspolitischen US-Gremiums Defense Business Board und ein langjähriger Berater des Pentagon, erklärte bei einer öffentlichen Veranstaltung Ende letzter Woche, der neue Präsident solle sich »auf eine Krise einstellen, die wahrscheinlich in den ersten 270 Tagen« seiner Amtszeit eintreten werde. Damit wiederholte Bayer merkwürdigerweise die vor Kurzem gemachten Äußerungen von Obamas Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden und die des ehemaligen Außenministers Colin Powell, über die ich bereits in meinem Artikel Joe Bidens aufschlussreiche Warnung vor der Zukunft berichtet habe, der am 24. Oktober an dieser Stelle veröffentlicht wurde.
Im Defense Business Board ist man der Meinung, dass die neue US-Administration darauf dringen sollte, die Schlüsselposten im Pentagon bereits in den ersten 30 Tagen der Amtszeit vom Senat bestätigen zu lassen, damit im Fall der Fälle ein komplettes Team zum Krisenmanagement zur Verfügung steht; das geht aus Bayers Inside Defense Report hervor. Die neue Administration »darf nicht bis zum Juni« warten, bis der Senat die Staatssekretäre bestätigt, und nicht bis zum Oktober mit der Bestätigung der Abteilungsleiter, heißt es u.a. in Bayers Bericht.
Wie ich in meinem Buch Apokalypse jetzt! im Einzelnen darlege, ist der Militärapparat der USA heute die letzte noch verbliebene und verfügbare Waffe zur Absicherung des globalen Supermächtestatus. Die US-Militärstrategie »Full Spectrum Dominance« ist seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Ende der Sowjetunion 1990 systematisch weiterentwickelt worden. Diese Strategie ist ein integraler und dauerhafter Bestandteil der US-Politik, egal ob der Präsident ein Republikaner oder ein Demokrat ist, egal ob er Bush senior, Bill Clinton oder Bush junior heißt, oder ob es der am Dienstag neu gewählte Präsident ist. Diese Strategie ist ein Faktor, der das ungeheuer gefährliche Potenzial einer nuklearen Katastrophe aufgrund einer Fehlkalkulation in sich birgt.
Dienstag, 04.11.2008
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