Neue Billionen-Katastrophe? – Niemand will mehr US-Staatsanleihen
Die Flucht aus US-Staatsanleihen nimmt rasant zu. Anleger fürchten, dass die US-Papiere nicht mehr so »bombensicher« sind, wie bisher behauptet. Eine Finanzkatastrophe nie dagewesenen Ausmaßes bahnt sich an.
Die Vereinigten Staaten weisen die höchste Verschuldung ihrer gesamten Staatsgeschichte auf: 11,5 Billionen Dollar. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind so groß, wie seit 80 Jahren nicht mehr. Niemand in Washington weiß zur Zeit, wie die Schulden zurückbezahlt werden sollen, die man bei den Anlegern macht. Schon fürchten manche Investoren, der Staat könnte durch eine Inflation die Schulden verringern oder gar eine Währungsreform durchführen, was einen großen Teil der Gläubiger um ihre Anlagen bringen würde.
Dieses Szenario ist nicht einmal abwegig, denn offensichtlich herrscht bereits ein Überangebot an US-Staatsanleihen, weil sich nicht mehr genügend Käufer finden. Ein klares Anzeichen dafür: Die amerikanische Notenbank Fed kauft inzwischen selbst US-Anleihen auf. Im Klartext: Weil die US-Bonds nicht mehr so viele Abnehmer finden, kauft die Notenbank sie mit Geld auf, das sie selbst druckt und dadurch die Inflationsgefahr immer weiter steigert.
Schon drohen Rating-Agenturen, die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit herunterzustufen. Das wäre eine Katastrophe mit fatalen Auswirkungen: Der amerikanische Staat muss dann höhere Zinsen für seine Anleihen zahlen, seine Schulden dadurch massiv erhöhen und sicher würden weitere Anleger ihre US-Bonds verkaufen.
China, Japan und die Ölstaaten, also die größten Kreditgeber der USA, sind hingegen schon länger dabei, ihre amerikanischen Staatsanleihen abzustoßen, weil sie zu unsicher geworden sind. Allein China hält US-Bonds für zwei Billionen Dollar. Damit ist der ehemalige »Klassenfeind« der größte Gläubiger der Amerikaner.
China wählt eine kluge Strategie und ist den westlichen Industriestaaten mindestens um zehn Jahre voraus: In den letzten Monaten hat die Volksrepublik viele Rohstoffe auf fast allen Kontinenten aufgekauft, etwa Erz in Australien, Gold in Afrika oder Öl in Südamerika. Aber wieso braucht das Land so viele Rohstoffe, wenn die eigene Produktion durch die Weltwirtschaftskrise massiv eingebrochen ist? Nun, offenbar findet hier eine Flucht aus den Staatsanleihen in reale Werte statt. Wir reiben uns noch verwundert die Augen, was aus dem einst »finanzsichersten« Land der Welt, nämlich den USA, geworden ist, während die Chinesen schon handeln …
Aber auch andere Anleger wachen langsam auf, schichten ihr Geld um und reduzieren ihren Anteil an US-Staatsanleihen. Sie investieren derzeit lieber in die Rohstoffmärkte, was manche bereits als sicherere Investition als in US-Bonds ansehen. So weit ist es schon gekommen.
Viele Finanzexperten sind davon überzeugt: Sollte die Billionen-Blase der US-Staatsanleihen platzen (das bedeutet de facto den Bankrott der USA), würde das ein Erdbeben auf den internationalen Finanzmärkten auslösen, das schlimmer wäre, als alles bisher dagewesene.
Donnerstag, 23.07.2009
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