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Neuer saudischer Exportschlager: Religionspolizisten …

Udo Ulfkotte

Religionspolizisten gibt es – so unsere Vorstellung – nur im streng islamischen Saudi-Arabien. Und der einzige Exportschlagen Saudi Arabiens – so glauben wir – ist Öl. Das ist eine ziemlich altertümliche Vorstellung, die längst von der Realität überholt wurde. Denn Saudi-Arabien exportiert mit großem Erfolg auch Religionspolizisten. Die gibt es nun schon in vielen Staaten. Und niemand berichtet darüber.

Wer am 17. Juni 2008 die Washington Post gelesen hat, der fand dort einen Artikel, der über merkwürdige Vorgänge im Jemen berichtete: Selbsternannte Sittenwächter patrouillieren seit einigen Wochen durch die Städte und sorgen für die Einhaltung der islamischen Sitten. Wer sich nicht an die Vorgaben des islamischen Rechts (Scharia) hält, der wird bestraft. An der Universität Aden im Südjemen wurden etwa Studenten und Studentinnen angegriffen, die nach einer Vorlesung gemeinsam auf die Straße gingen. Die Scharia gebietet es, dass Männer und Frauen getrennt unterrichtet werden. Auch dürfen Frauen nicht mit fremden Männern gemeinsam auf die Straße gehen (wenn nicht ein männlicher Verwandter sie begleitet). All das widerspricht westlichen Vorstellungen, ist aber in islamischen Ländern akzeptiert. Nun sorgt die »Verwestlichung« in vielen islamischen Staaten für einen »Sittenverfall«. Um diesen aufzuhalten, gibt es Religionspolizisten. Diese sind berechtigt, Produkte, die als unislamisch gelten, zu verbannen und zu konfiszieren. Dazu gehören etwa Barbiepuppen, CDs/DVDs von westlichen Musikgruppen, westliche Fernsehsendungen und Filme.

Die Religionspolizei achtet auf die Einhaltung islamischer Essensgebote. Sie kontrolliert, ob Menschen den vom Koran verbotenen Alkohol trinken. Sie verhindert, dass andere Religionsgemeinschaften (etwa Christen) für ihren Glauben werben und Muslime konvertieren. Die Konvertierung vom Islam zu einem anderen Glauben wird nach der Scharia mit dem Tode bestraft. Die Religionspolizei verfolgt auch Homosexualle, verhindert Prostitution und kontrolliert die Ladenschließungen während der Gebetszeiten.

Jemenitische Zeitungen haben in den vergangenen Tagen erstaunt zur Kenntnis genommen, dass es nun auch im Jemen Religionspolizisten gibt. Vielleicht wäre das Erstaunen geringer ausgefallen, wenn sie parallel einen Blick in saudische Zeitungen geworfen hätten.

Dort prahlte Ibrahim Al Gaith, der Chef der saudischen Religionspolizei (Mutawwa) damit, dass Riad sein puritanisches Konzept der Religionspolizei inzwischen schon in viele Länder erfolgreich exportiere und diese beim Aufbau einer Religionspolizei unterstütze. Eines der Länder, die er namentlich erwähnte, ist der Jemen.  Viele islamische Staaten bauen derzeit mit saudischer Hilfe eine Religionspolizei auf: Ägypten, Indonesien, Niger, Libyen, Malaysia, Sudan, Algerien, Pakistan, Afghanistan und jene palästinensischen Gebiete, in denen die Hamas das Sagen hat. Nur die Islamische Republik Iran lässt sich nicht von Riad helfen – dort hat man eine eigenes Konzept für die Religionspolizisten. Saudi-Arabien exportiert mit großzügiger finanzieller Förderung somit nicht nur den puritanischen saudischen Islam, sondern zugleich auch noch jene Sittenwächter, die über die Einhaltung der Vorschriften wachen.

In Saudi-Arabien selbst zieht man unterdessen die Zügel an: Ibrahim Al Gaith  kündigte an, die bislang unbewaffneten 10.000 saudischen Religionswächter in den kommenden Wochen auch mit Waffen auszurüsten. Denn der Sittenverfall sei unter dem Druck des Vordringens westlicher Lebensweisen einfach zu groß …

 

Mittwoch, 18.06.2008

Kategorie: Allgemeines, Enthüllungen, Akte Islam

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