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Obama-Regierung frisiert Wohnungsbau-Daten, um »Green-Shoots«-Mythos zu schüren

F. William Engdahl

Dieser Tage meldet die US-Regierung beim Neubauverkauf den stärksten Zuwachs seit neun Jahren, angeblich ein weiterer Beweis dafür, dass sich in der am Boden liegenden US-Wirtschaft »Green Shoots« – grüne Sprösslinge – zeigen. Mit diesem vielbeschworenen Bild soll ein »Wirtschaftsfrühling« suggeriert werden, in dem neue grüne Grashalme aus dem Boden sprießen. Wie die meisten offiziellen Daten werden auch die über den Wohnungsbau massiv frisiert und schöngeredet, um den Eindruck von einer Erholung in den USA zu schüren. Dieses falsche Bild dient allerdings auch maßgeblich dazu, einen völligen Absturz des Dollars zu verhindern – das Finanzministerium ist inzwischen gezwungen, weiteres Geld aufzunehmen, und zwar durch den Verkauf von Anleihen und Staatspapieren in nie dagewesener Höhe.

Wall Street, Regierung und Medien berichten mit großem Tamtam über angeblich in die Höhe schnellende Neubauverkäufe. Im Juni-Bericht über Neubauverkäufe heißt es, der Verkauf sei gegenüber dem Vormonat um elf Prozent gestiegen. Das ist statistisch bedeutungslos, denn Zahlen, die nicht im Vergleich zum Vorjahr, sondern zum Vormonat ermittelt werden, unterliegen starken Schwankungen. Wenn nämlich im Mai ein Haus verkauft wird, kann es sein, dass der Vertrag erst im Juni unter Dach und Fach ist und umgekehrt. Die Regierung selbst veröffentlicht diese Daten mit einer Genauigkeit von plus/minus 14 Prozent, das heißt, die reale Zahl könnte drei Prozent geringer oder (unwahrscheinlich) 25 Prozent höher liegen. Deshalb nehmen die Wirtschaftswissenschaftler normalerweise die Vergleiche zum Vormonat nicht besonders ernst.

Selbst in der offiziellen Presseerklärung der Regierung heißt es: »Das Statistische Bundesamt [der USA] kann statistisch nicht eindeutig belegen, dass die Veränderung höher ist als Null.« Die Regierung Obama und die Wall Street nehmen dies jedoch überhaupt nicht zur Kenntnis und verkünden das Ende der »Rezession«. Das heizt wiederum die weltweite Nachfrage nach US-Aktien und Anleihepapieren an, getreu dem Motto: »Kaufen, wenn die Preise im Keller sind«. Dieser Rückhalt verhindert im Moment einen Absturz des Dollars.

 

Die US-Banken müssen eine Rekordzahl an Häusern zwangsversteigern, weil die Besitzer nicht mehr zahlen können.

 

Man kann die neuen Zahlen für Neubauverkäufe besser einordnen, wenn man sie im Zusammenhang mit den Zahlen von 2004 und 2005 betrachtet: damals wurden pro Jahr über 1,2 Millionen neu erbaute Eigenheime verkauft. Demgegenüber sind die Verkäufe in den vergangenen acht Monaten um 70 Prozent gesunken, auf ein Depressionsniveau von 365.000 pro Jahr; da kann man beim besten Willen nicht von »grünen Sprösslingen« sprechen. In einem Land mit 300 Millionen Einwohnern kann man wohl kaum von Aufschwung reden, wenn jedes Jahr 365.000 Familien oder Personen umziehen müssen. Viele müssen ihre Häuser verkaufen und sich eine billigere Bleibe suchen.

In einem realistischeren Zusammenhang betrachtet, lagen die Neubauverkäufe 21 Prozent unter denen vom Juni des Vorjahres. Im Monat Mai waren es 32 Prozent weniger als im Mai 2008. Da die Neubauverkäufe im vergangenen Jahr sehr stark zurückgegangen waren, sind die heutigen Werte im Vergleich zum Vorjahr nur ein Anzeichen dafür, dass sie sich auf einem historisch niedrigen Niveau eingependelt haben, sie sind ganz bestimmt kein Zeichen für einen Aufschwung oder eine Wende in der Wirtschaft.

 

Samstag, 08.08.2009

Kategorie: Wirtschaft & Finanzen, Politik

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