Pentagon beeinflusst Berichterstattung aus Afghanistan
Das vom Pentagon mitfinanzierte Magazin »Stars and Stripes« berichtete kürzlich, dass das US-Militär eine Profilerstellung der Journalisten in Afghanistan in Auftrag gegeben hatte. Die damit betraute Werbeagentur »Rendon Group« unterteilte Berichterstatter und ihre Arbeiten in »positiv«, »neutral« und «negativ«. Für zu negativ eingestufte Artikel erarbeitet die Agentur dann »Vorschläge» zur »Neutralisierung«.
Ob eine kriegerische Auseinandersetzung bei der Öffentlichkeit gut ankommt oder nicht, hängt stark von der Presse ab. Wie der jeweilige Autor einen Konflikt einschätzt und welchen Ausschnitt der Vorkommnisse und Zusammenhänge er benennt, hat großen Einfluss auf die Meinung und somit auf die Unterstützung der Bevölkerung. Und die hat die USA dringend nötig. Laut der neuesten Umfrage der Washington Post sind 42 Prozent der Amerikaner für eine Reduzierung der Militärtruppen in Afghanistan.
Die PR-Firma Rendon Group hatte bereits im ersten Golfkrieg und beim Kosovo-Einsatz in den USA Stimmung für den Krieg gemacht. Nun ließ es sich Washington 1,5 Millionen Dollar kosten, eine Einschätzung von den Kriegsberichterstattern zu erhalten. Der Pentagon-Sprecher Bryan Whitman sagte, dass diese Bewertungen ausschließlich Aufschluss über die Exaktheit der Berichte gebe. Es ginge keineswegs darum, negative Berichterstattung zu vermeiden.
Der Fall des freiberuflichen Fotografen Zoriah beweist jedoch das Gegenteil: Nachdem er lange als sogenannter »embedded Journalist« (dauerhaft eingesetzter Journalist) mit den amerikanischen Truppen im Irak und in Afghanistan unterwegs war, wurde er plötzlich »disembedded« (ausgeschlossen). Er hatte auf seinem Blog Fotos von toten US-Soldaten veröffentlicht. Zunächst wurde behauptet, er habe Bilder von Toten veröffentlicht, bevor die Angehörigen davon wussten. Nachdem sich diese Meldung als falsch herausstellte, wurde ihm vorgeworfen, er habe den Feind mit Informationen über die Wirksamkeit seines Angriffes versorgt. Obwohl Zoriah bewies, dass bereits andere Medien wie die New York Times über den Angriff berichtet hatten, wurde er von allen zukünftigen Militäraktionen ausgeschlossen.
»Es ist in Ordnung, wenn man die tolle medizinische Versorgung fotografiert, oder Soldaten, wie sie Kindern Bonbons schenken. Aber wenn man den tatsächlichen Krieg aufnimmt, ist das nicht akzeptabel«, äußerte sich der preisgekrönte Kriegsfotograf selbst dazu.
Nach den neuesten Aussagen der Militärsprecherin Sidenstricker will das Pentagon nun die Zusammenarbeit mit der Rendon Group beenden. Allerdings bleibt diese Firma natürlich nur eine von vielen PR-Agenturen, die von Regierungen dafür bezahlt werden, etwas zu beschönigen, das in seiner Wurzel immer unschön bleiben wird: die Wahrheit über den Krieg.
Quelle: www.therawstory.com
Donnerstag, 03.09.2009
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