Informationen, die Ihnen die Augen öffnen!

Bücher, die Ihnen die Augen öffnen!

 

Plutonium in Wien: »A bisserl was kann immer austreten ...«

Udo Ulfkotte

Plutonium ist ein giftiges radioaktives Schwermetall. Man benötigt es für den Betrieb von Atomkraftwerken und auch für den Bau von Atomwaffen. Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) unterhält in Wien-Seibersdorf Forschungslabors. Sie überwacht mithilfe dieser Labors die weltweite friedliche Nutzung der Atomenergie und die Einhaltung der Safeguard-Abkommen. Doch inzwischen sind die Labors der IAEA in Seibersdorf selbst zu einem Sicherheitsrisiko geworden. »A bisserl was kann immer austreten«, sagt uns ein Mitarbeiter. Gemeint ist Plutonium. Und ein Blick in die Labors belegt seine Aussage ...

Seit März 1970 überwacht die IAEO die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages. 30 Kilometer von Wien entfernt unterhält sie in Seibersdorf einen Bürokomplex, Labore und einen Forschungsreaktor. Mehr als 1000 Proben werden dort monatlich untersucht. Sie stammen aus Ländern wie etwa Nordkorea und Iran, die man verdächtigt, geheime Atomwaffenprogramme zu unterhalten – aber auch aus unverdächtigen Ländern wie beispielsweise Deutschland oder Italien.

Seit den 1970er-Jahren überwacht man mithilfe der Seibersdorfer Labors also weltweit die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages. Man stellt extrem hohe Sicherheitsanforderungen an die zu kontrollierenden Einrichtungen jener Länder, die mit spaltbarem Material hantieren. Nur in Seibersdorf selbst gibt es seit den 1970er-Jahren weder Modernisierungsmaßnahmen noch Geld für neueste Sicherheitsvorrichtungen. So gab es etwa am 3. August 2008 in Seibersdorf bei der IAEA einen Unfall mit einem Plutonium-Behälter. Der leckte. Zuletzt im November 2007 hatte die IAEA eingestanden, dass die Seibersdorfer Labors nicht den Sicherheitsbestimmungen der IAEA entsprechen. Mehr noch: Es bestehe die Gefahr, dass wichtige Komponenten wie etwa das Ventilationssystem zur Eindämmung radioaktiver Substanzen und weitere Schlüsselkomponenten ganz ausfallen könnten. Rund 30 Millionen Euro würde die notwendige Anpassung der Labors an die modernen Sicherheitsstandards kosten. Doch wer soll das bezahlen? Die IAEA leidet immer unter chronischer Finanznot.

Im August ist also einer der Plutoniumbehälter geplatzt. Und es wurde Plutonium innerhalb der Labors freigesetzt. Das wurde offiziell bestätigt. Natürlich folgte bald ein offizieller – vorläufiger – Bericht, wonach in der Umgebung keine erhöhte Radioaktivität festgestellt worden sei. Sicher ist nur, dass die Labors technisch veraltet sind.

Der amerikanische Senator Dick Lugar hat Wien-Seibersdorf besucht. Und er äußerte sich entsetzt über die veralteten Labors. Der Mann versteht nicht, warum man jene Behörde, die weltweit die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages kontrollieren soll, mit geringsten Finanzmitteln ausstattet.

Wir haben einen Seibersdorfer Mitarbeiter der IAEA kontaktiert. Und der Mann sagte uns telefonisch im Vertrauen: »A bisserl was kann immer austreten.« Gemeint ist das hochgiftige radioaktive Plutonium. Wieder einmal lautet die Frage: Wer kontrolliert die Kontrolleure? Die Labors in Wien-Seibersdorf spotten jeder Beschreibung. Und die Seibersdorfer Bevölkerung, so berichtet uns der Mann, ist zunehmend beunruhigt. Den beschwichtigenden Worten der offiziellen Untersuchungsberichte schenken viele so lange keinen Glauben, wie nicht in die Modernisierung der Labors investiert wird. Und diese Modernisierung ist auch nach dem jüngsten Zwischenfall immer noch nicht abzusehen.

 

Donnerstag, 25.09.2008

Kategorie: Allgemeines, Enthüllungen, Wissenschaft

© Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg


Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muß nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.


Ergänzende Beiträge zu diesem Thema:

Arabische Öl-Staaten wollen Kohlekraftwerke bauen

Udo Ulfkotte

Die Anrainer des Persischen Golfes verfügen über die größten bekannten Rohölreserven der Welt. Zudem haben sie gewaltige Gasvorkommen. Nun wurde bekannt, dass sie Kohlekraftwerke bauen wollen.
weiterlesen »

Freitag, 01. Februar 2008


»Gazprom« und der Neue Kalte Krieg um die afrikanischen Bodenschätze

F. William Engdahl

Das staatlich kontrollierte Unternehmen »Gazprom«, der größte Erdgaskonzern der Welt, ist der Eckstein für Wladimir Putins geopolitische Strategie, die darin besteht, seine Energiereserven dafür zu nutzen, um sich dem überwältigenden militärischen Druck Washingtons zu widersetzen.
weiterlesen »

Mittwoch, 16. Januar 2008


Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Der Lockruf der Kohle: 500.000 Euro für zwölf Tage Arbeit – das finanzieren ... SIE mit Ihren Steuergelden!

Udo Ulfkotte

Millionen Deutsche leben von kaum mehr als 350 Euro im Monat – benannt nach einem verurteilten Straftäter: Peter Hartz. Es geht allerdings auch anders. Man kann in zwölf Tagen 500.000 Euro verdienen. Und der Steuerzahler bezahlt das ohne Murren ...
weiterlesen »

Dienstag, 20. Oktober 2009


Arabische Öl-Staaten wollen Kohlekraftwerke bauen

Udo Ulfkotte

Die Anrainer des Persischen Golfes verfügen über die größten bekannten Rohölreserven der Welt. Zudem haben sie gewaltige Gasvorkommen. Nun wurde bekannt, dass sie Kohlekraftwerke bauen wollen.
weiterlesen »

Freitag, 01. Februar 2008


Depressionen: Der wütende Robert

Gerhard Wisnewski

Niemand kann den Selbstmord des Torhüters Robert Enke so richtig verstehen. Das liegt an einem falschen Ansatz. Denn alle begreifen das Krankheitsbild Depression nur als tiefe Traurigkeit und sehen den Kranken erstens als schwach und zweitens als Opfer in einer tödlichen Defensive. Nichts könnte ...
weiterlesen »

Donnerstag, 12. November 2009


Pyramide in Nazca entdeckt!

Andreas von Rétyi

In der rätselhaften Nazca-Region von Peru gibt es nicht nur die weltberühmten geometrischen Linienmuster, jene weiten »Landepisten« und gigantischen Tierdarstellungen, die nur aus der Luft wirklich erkennbar sind. Hier finden sich auch die Ruinen großzügig angelegter Tempel und Pyramiden. ...
weiterlesen »

Montag, 13. Oktober 2008