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Präsidenten südamerikanischer Länder bilden neuen Wirtschaftsblock

F. William Engdahl

Ein kürzliches Treffen der Präsidenten von zwölf südamerikanischen Staaten in Brasilia war ein weiteres klares Anzeichen dafür, dass der Einfluss Washingtons als alleiniger Hegemon der Welt schwindet. Gegen den Willen der USA wurde bei dem Treffen vereinbart, auf dem lateinamerikanischen Kontinent einen Wirtschaftsverband zu errichten, der sich in etwa am Modell der Europäischen Union orientiert. Zusammen mit der Entscheidung von 13 asiatischen Zentralbanken, die Bindung ihrer Währungen an den US-Dollar aufzugeben und der zunehmenden Stärkung der wirtschaftlichen und politischen Verbindungen zwischen Russland und China ist dies ein weiterer Hinweis auf den katastrophalen Rückgang des amerikanischen Einflusses seit Beginn des Jahrzehnts.

Die zwölf lateinamerikanischen Staatschefs verständigten sich darauf, eine Union Südamerikanischer Länder zu bilden, die Unasur. Die wirtschaftlichen Bedingungen für diese Gründung sind extrem günstig in der Region.

Bereits 2004 hatte Brasiliens Präsident Lula da Silva den Anstoß zur Vereinigung der beiden Hauptwirtschaftsverbände Lateinamerikas – Mercosur und Andengemeinschaft – zu einem einzigen Block gegeben.

Zusammengenommen verfügte diese Wirtschaftsgemeinschaft über ein Bruttoinlandsprodukt von über zwei Billionen Dollar.

Auch der Präsident Venezuelas, Hugo Chavez, hatte sich darum bemüht, die wirtschaftlichen Verbindungen in Lateinamerika zu stärken und den Einfluss der USA zurückzudrängen. Zu diesen Plänen gehört auch die Alternative zum Internationalen Währungsfonds (IWF), die sogenannte Bank des Südens.

 

Energiezusammenarbeit

Der Unasur-Vertrag setzt Ziele für die Integration der Energie- und Transportnetze sowie für die Einwanderungspolitik. Er sieht auch die Einrichtung eines Südamerikanischen Parlaments in der bolivianischen Stadt Cochabamba vor.

Chavez’ Bundesgenossen Ekuador, Bolivien und Argentinien folgen der Politik Venezuelas und erhöhen das staatliche Eingreifen in ihre jeweilige Wirtschaft durch Preis- und Exportkontrollen und nehmen – in Einzelfällen – auch Verstaatlichungen vor. Kolumbien, Chile, Peru und Brasilien verfolgen dagegen einen eher marktwirtschaftlich orientierten Kurs.

Der Vertrag sollte ursprünglich bereits im März unterzeichnet werden. Dazu kam es aber nicht, weil die kolumbianischen Streitkräfte ein Guerillacamp der »Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens« (FARC) in Ekuador attackierten. Bei diesem Angriff wurde ein führender Kommandeur der Rebellen getötet. Dieser Übergriff Kolumbiens führte zu scharfen Protesten der Regierungen in Venezuela und Ekuador, die beide Truppenverbände an ihre Grenzen entsandten.

Da Präsident Chavez an der venezolanischen Unterstützung für die Guerillas festhält, hat Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe die Pläne für eine regionale Zusammenarbeit gedämpft. So hat Kolumbien das Angebot, als erstes Land die rotierende Präsidentschaft von Unasur zu übernehmen, abgelehnt. Uribe schlug vor, dass der Präsident Chiles diese Rolle übernehmen sollte. Außerdem lehnte Uribe eine separate Initiative Brasiliens ab, ein südamerikanisches Sicherheitsabkommen zu vereinbaren.

 

Brasilien und Venezuela wenden sich von Washington ab und beteiligen sich an der entstehenden neuen südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft.

 

Uribe steht im Zentrum der US-amerikanischen Militärhilfe in Lateinamerika und ist der am engsten mit Washington alliierte Präsident in der Region. In einem Radiointerview, das ebenso gut von George W. Bush hätte stammen können, erklärte Uribe vor Kurzem: »Einige (lateinamerikanische) Regierungen sind der Meinung, der einzige Weg zum Wohlstand läge darin, gegenüber Investoren feindlich gesinnt zu sein und staatliche Monopole wieder einzuführen.«

Chavez schlägt zwar neue Abkommen vor, hat sich jedoch aus den Initiativen zu einer längerfristigen Kooperation zurückgezogen und 2006 sogar die aus fünf Mitgliedstaaten gebildete Andengemeinschaft verlassen, nachdem Kolumbien für ein Freihandelsabkommen mit den USA votiert hatte.

Seitdem hat sich Chavez dem Wirtschaftsverband Mercosur angeschlossen, zu dem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gehören.

 

Sonntag, 01.06.2008

Kategorie: Allgemeines, Geostrategie, Wirtschaft & Finanzen, Politik

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