Riester-(R)Ente?
Geringverdiener, die nur eine minimale Rente zu erwarten haben, müssen dringend vorsorgen. Aber gerade für diese Gruppe lohnt sich die Riester-Rente nicht, weil sie später angerechnet wird. Ist die Riester-Rente also eine Riester-»Ente« oder gar staatlich organisierter Betrug an den Bürgern?
Die staatliche Propaganda wirkt: Rund zwölf Millionen Deutsche haben bereits einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Die geförderten Sparpläne versprechen im Alter eine »Zusatzrente«, weil die gesetzliche Rente nicht mehr ausreicht.
Die Banken und Versicherungen buhlen gerade bei den »Geringverdiener-Gruppen« um den Abschluss einer Riester-Rente.
Wieso wird die Riester-Rente angerechnet?
Was viele jedoch nicht wissen: In Deutschland gibt es, nach dem Sozialgesetzbuch (SGB), eine durchschnittliche Altersgrundsicherung von 701 Euro im Monat, auf die jeder Anspruch hat. Geht jemand in Rente und seine Rente liegt darunter, kann diese – auf Antrag – bis zur Grundsicherung aufgefüllt werden, wenn sein eigenes Vermögen verbraucht ist.
Wer allerdings einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, dem wird diese mühsam angesparte Zusatzrente angerechnet. So kann es passieren, dass man jahrelang in die Riester-Rente einzahlt und trotzdem nicht mehr als die Grundsicherung bekommt. Das gilt gerade für Geringverdiener, um die die Versicherungsbranche so kämpft. Darunter fallen durchschnittliche Einkommen bis 1.900 Euro, also auch niedrig bezahle Sozialjobs, Teilzeit-Kräfte usw. Zudem müssen die Auszahlungen »nachgelagert« versteuert werden, d.h. es erfolgt eine Besteuerung der Riester-Rente in voller Höhe. In früheren Zeiten hätte man dazu wohl »Straßenraub« gesagt, heute ist das schon nahe an einem organisierten Betrug an den Bürgern.
In Zukunft werden noch mehr Rentner »Sozialfälle« sein
Die Prognosen für die nächsten Jahre zeigen, dass immer mehr Rentner in der Nähe der Grundsicherung kommen, auch wenn sie 35 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt haben, de facto dann also ein Sozialfall sind. In meinem Buch Der Crash der Lebensversicherungen habe ich außer den Lebensversicherungen auch die anderen »Stützen« unserer Altersvorsorge unter die Lupe genommen und komme zu erschreckenden Ergebnissen.
Selbst die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist nichts anderes als eine Rentenkürzung, denn wer früher aufhört zu arbeiten, muss Abzüge von 3,6 Prozent pro Jahr in Kauf nehmen.
Menschen mit geringen Rentenerwartungen gibt es jetzt schon immer mehr. Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband: »Wenn nicht politisch ganz deutlich gegengesteuert wird, müssen wir davon ausgehen, dass die Quote derer, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein wird, von jetzt gerade mal 2,7 Prozent in den nächsten zehn Jahren hochschnellen wird auf über zehn Prozent.«
Nach 44 Beitragsjahren trotzdem arm
Wer 1.900 Euro brutto verdient, landet trotz 35 Beitragsjahren in der Grundsicherung. Wer nur 1.500 Euro verdient, nach 44 Jahren. Und bei 1.100 Euro würde dies sogar nach 60 Beitragsjahren geschehen.
Beispiel: Sie erhalten laut Bescheid eine monatliche Rente von 640 Euro. Das liegt unter der durchschnittlichen Grundsicherung im Alter von 701 Euro. Eigentlich müssen Sie bei diesem niedrigen Betrag vorsorgen. Also sparen Sie jetzt einen Riester-Vertrag pro Monat an, der später eine Zusatzrente sein soll. Aber diese Zusatzeinnahmen werden später auf die Grundsicherung angerechnet. Je nachdem, wie hoch die monatliche Zusatzrente also ausfällt, hat man nur zum Teil oder gar nichts davon. Warum sollte man dann in eine Riester-Rente einzahlen, wenn man vermutlich nichts mehr davon hat? Das kann bedeuteten, dass derjenige, der jetzt vorsorgt, am Ende genauso wenig hat, wie der, der nichts tut.
Politiker schweigen vor der Wahl zum Rentenproblem
Wenn man den Menschen Anreize geben will, um privat vorzusorgen, dann müssen die späteren Einkünfte zu einem großen Teil anrechnungsfrei werden, sonst wird man immer weniger Vorsorge betrieben.
Die Sendung Plusminus hat die Wahlprogramme der verschiedenen Partien zu dem Thema unter die Lupe genommen: »Die SPD verlangt zwar Schonvermögen für Hartz-IV-Empfänger. Zum Rentenproblem – kein Wort. Ähnlich das Wahlprogramm der Union. Hier finden wir genauso wenig, wie in den Programmen der Grünen und der Linken. Bleibt nur noch eine Partei aus dem Bundestag, die FDP. Und tatsächlich steht hier: ›Damit sich private und betriebliche Altersvorsorge auch für Geringverdiener lohnen, soll bei der Grundsicherung im Alter die eigene Altersvorsorge nur zum Teil angerechnet werden.‹«
Alle reden über Hartz-IV-Bezieher, aber keiner über die Rentner
Aber, so Plusminus weiter: »Warum wird das Rentenproblem so wenig angepackt und alle Reden nur über Hartz-IV-Bezieher?«
Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtbund kennt die Antwort: »Das Schonvermögen von Hartz IV ist ein aktuell brennendes Problem und betrifft Millionen von Menschen. Deswegen ist es offensichtlich im Wahlkampf tauglich, ausgeschlachtet zu werden. Das Problem der Altersarmut ist ein Problem, auf das wir uns gerade erst zubewegen.«
Warum die Riester-Rente auch für Normal- und Besserverdiener nicht ideal ist, habe ich in meinem Artikel »Enthüllt: Riester-Rente lohnt sich erst vom 90. Lebensjahr an« in KOPP-Exklusiv 32/09 beschrieben.
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Quellen:
Plusminus, ARD, 11. August 2009
Michael Grandt: Der Crash der Lebensversicherungen, Kopp Verlag, Rottenburg 2009
Donnerstag, 13.08.2009
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