Schon die dritte Sparkasse in Not!
Wer sich gedacht hat, die Finanzkrise gehe an den Sparkassen vorbei, hat sich getäuscht. Schleswig-Holsteins größte Sparkasse muss nun mit einer Nothilfe aufgefangen werden.
Sparkassen sind öffentlich-rechtliche Kreditinstitute mit der Aufgabe, der Bevölkerung Möglichkeiten zur sicheren und verzinslichen Geldanlage zu bieten und die örtlichen Kreditbedürfnisse zu befriedigen. Gewinnerzielung ist dabei nicht der Hauptzweck.
Sparkassen agieren auf der Basis des Kreditwesengesetzes (KWG), des Sparkassengesetzes ihres Bundeslandes und ihrer Satzung. Diese wiederum basiert je nach Rechtsform entweder auf öffentlichem oder auf Privatrecht.
Unterlagen die Sparkassen früher sehr strengen Geschäftsbeschränkungen, werden sie heute als Universalbanken betrieben, bei denen alle Bankgeschäfte erlaubt sind. Es gibt insgesamt 430 Sparkassen in Deutschland.
Privatbanken sind im Laufe der Finanzkrise stark unter Druck geraten und in der Öffentlichkeit heftig kritisiert worden. Dieses »Schicksal« blieb Sparkassen bis jetzt weitgehend erspart.
Doch im Norden unserer Republik braut sich ein Gewitter zusammen. Im vergangenen Jahr war bereits die zweitgrößte Sparkasse Schleswig-Holsteins, die Sparkasse Südholstein, in Schieflage geraten und musste durch einen Stützungsfonds über 50 Millionen Euro aufgefangen werden. Davon entfielen 30 Millionen Euro auf eine Bürgschaft und 20 Millionen auf eine stille Einlage. Zudem musste die Hamburger Sparkasse mit einem Nachrangdarlehen in Höhe von 50 Millionen Euro aushelfen.
Nach Meldungen des Handelsblattes muss nun auch die größte Sparkasse Schleswig-Holsteins aufgefangen werden: Abschreibungen in Höhe von 120 Millionen Euro auf Unternehmenskredite machen der Nord-Ostsee-Sparkasse schwer zu schaffen. Vor allem untypische Beteiligungsfinanzierungen sollen die Ursache für die Finanzprobleme sein, aber die Sparkasse musste zusätzlich auch Abschreibungen auf ihre indirekte Beteiligung an der HSH-Nordbank vornehmen.
Das Sicherungssystem der Sparkassenorganisation sei jedoch in der Lage, die Risiken aufzufangen, hieß es vonseiten des Sparkassen- und Giroverbandes. Auch die Hamburger Sparkasse stehe wieder zur Verfügung.
Aber warum kann ein Kreditinstitut mit einer Bilanzsumme von 6,4 Milliarden Euro Abschreibungen in Höhe von 120 Millionen nicht alleine schultern und was genau sind in diesem Zusammenhang »untypische Beteiligungsfinanzierungen«? Diese Fragen müssen in den nächsten Wochen geklärt werden.
Wir sehen an diesem Beispiel, wie instabil der Bankensektor in Deutschland nach wie vor ist und wie schnell die Finanzkrise auch auf die als »sicher« eingestuften Sparkassen übergehen kann.
Mittwoch, 03.02.2010
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