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Totale Überwachung: Warum Menschen zukünftig vor der Reise nach Großbritannien Sekundenkleber und Schmirgelpapier kaufen werden

Udo Ulfkotte

Großbritannien ist das Mutterland der westlichen Demokratie. Doch das Land verwandelt sich Schritt für Schritt in einen Überwachungsstaat. Vielleicht schon bei Ihrer nächsten Reise auf die Insel werden Sie vor den Grenzen Menschen sehen, die Sekundenkleber und Schmirgelpapier aus dem Gepäck ziehen – um so einer neuen Überwachungsmethode zu entkommen ...

Selbstdisziplinierung soll an die Stelle physischer Kontrolle durch staatliche Sicherheitsorgane treten. So will es die britische Regierung. Das ganze Land ist mit Millionen Überwachungskameras überzogen und jeder, der an einem gewöhnlichen Werktag durch die Straßen Londons geht, wird durchschnittlich von 300 Überwachungskameras aufgenommen. Die ersten 145 Überwachungskameras wurden 1984 montiert – heute sind es landesweit etwa 4,5 Millionen. Seit wenigen Wochen werden die Briten sogar von Kameras beobachtet, wenn sie sich in einem öffentlichen Kino einen Film anschauen. Die allgegenwärtige Videoüberwachung soll dabei helfen, Verbrechen zu bekämpfen. Normal ist es inzwischen auch, dass 85 Prozent aller britischen Unternehmen die Onlineaktivitäten ihrer Mitarbeiter überwachen. In Deutschland würde das zu einem öffentlichen Aufschrei führen – in Großbritannien ist es »normal«.

Nun führt man in Großbritannien eine neue Kontrollmethode ein – tragbare Fingerabdruck-Scanner. Die Geräte sind nicht größer als ein Mobiltelefon. Sie werden in diesen Tagen an alle Polizeiwachen ausgeliefert. Die Polizisten können damit auf den Straßen verdachtsunabhängige Kontrollen durchführen und jeden Bürger beim Einkaufen um einen Fingerabdruck bitten. Mehrere zehntausend Geräte sollen innerhalb der nächsten 18 Monate ausgeliefert werden. Das Projekt trägt den Namen Midas – und ist in Deutschland in der Öffentlichkeit völlig unbekannt. Großbritannien-Reisende werden also demnächst wahrscheinlich staunen, wenn ein Bobby sie auf der Straße um einen Fingerabdruck bittet und die Daten mit den gespeicherten Daten mutmaßlicher Krimineller abgleicht. Vor allem vor Fußballstadien, politischen Demonstrationen, an den Grenzen und bei öffentlichen Veranstaltungen sollen die mobilen Fingerabdruck-Scanner im Rahmen des Projekts Midas wertvolle Dienste leisten und mutmaßliche Kriminelle identifizieren. Angeblich werden die Daten und Fingerabdrücke Unverdächtiger nicht gespeichert.

Im Internet kursieren schon jetzt Anleitungen, wie man als Tourist diesem theoretisch möglichen biometrischen Datenmissbrauch entgehen kann: Da heißt es auf der Seite einer Bürgerrechtsbewegung, man müsse alle Fingerspitzen kurz mit Sekundenkleber benetzen und diesen dann nach dem Trocknen mit feinstem Schleifpapier (Schmirgelpapier) glatt schleifen. Der Scanner erkenne dann nur eine glatte Fläche, aber keinen Fingerabdruck. Wir wissen nicht, ob das funktionieren wird. Aber wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass all jene, die sich einer solchen Kontrolle widersetzen, mutmaßlich inhaftiert werden können, bis die Fingerabdrücke wieder sichtbar sind und abgenommen werden können. Und das kann bei Sekundenkleber – je nach Dicke der aufgetragenen Schicht – ganz schön lange dauern ... 

 

Dienstag, 28.10.2008

Kategorie: Allgemeines, Enthüllungen, Geheimdienste

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