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Über Geldhortung

Jürgen Müller

Immer wieder liest man bei verschiedenen Autoren, dass man – wenn überhaupt – nur Euroscheine mit einem X vor der Seriennummer horten solle (Nationale Zentralbank-Kennung, kurz NZB-Kennung, X steht für Deutschland, weitere Kennungen z.B. unter Ref. [1]). Mit größtem Verlaub, aber selbst ein X-Papier ist und bleibt ein Geld-»Schein«. Warum also nicht in Münzen horten?

Die 10-EUR-Silbergedenkmünzen bekommt man in aller Regel nur in kleinen Mengen, bleiben also nur die Euromünzen [2]. Laut Wikipedia sind die Metallgehalte der Münzen wie folgt:

1, 2 und 5 Cent: 94,35 % Eisen und 5,65 % Kupfer

10, 20 und 50 Cent: 89 % Cu, 5 % Al, 5 % Zn, 1 % Sn (»Nordisches Gold« [3])

1 Euro: 75 % Cu, 20 % Zn, 5% Ni

2 Euro: 75 % Cu, 25 % Ni

 

Ausgehend von den in Ref. [2] genannten Gewichten der Münzen, ergeben sich folgende reine Materialwerte der Münzen. Die preislichen Grundlagen für die Berechnungen wurden rohstoffe.onvista.de am 07.08.2009 entnommen und in EUR je Gramm umgerechnet:

Kupfer: 0,004128 EUR je Gramm

Aluminium: 0,001382 EUR je Gramm

Zink: 0,001276 EUR je Gramm

Nickel: 0,019267 EUR je Gramm

Zinn: 0,013393 EUR je Gramm

Stahl: 0,000350 EUR je Gramm  (Schätzwert)

 

Mit diesen Werten ergeben sich per 07.08.2009 folgende Metallwerte der Euromünzen:

 

            Nennwert [EUR]         Metallwert [EUR]                    Verhältnis [%] 

            0,01                            0,00129595                            12,96

            0,02                            0,00172418                              8,62

            0,05                            0,00220875                            11,04

            0,10                            0,01615708                            16,16

            0,20                            0,02261991                            11,31

            0,50                            0,03073785                              6,15

            1,00                            0,03235913                              3,24

            2,00                            0,06725838                              6,73

 

Mit 16,16 % hat die 10-Cent-Münze das größte Verhältnis »Metallwert zu Nennwert« und wäre demzufolge zu präferieren.

Im Vergleich zu diesen Zahlen seien eine 10-EUR-Gedenkmünze aus Sterlingsilber und ein 10-EUR-Papierschein betrachtet:

 

            Nennwert [EUR]         Metallwert [EUR]                    Verhältnis [%] 

            10 EUR                       5,43 (16,65 gr. Silber)            54,33

            10 EUR                       0,00136 (ca.)                          0,0136

 

Für den Materialwert des Geldscheines mit einer Fläche von 0,0085 m2 wurde hierbei ein Papierwert von 16 Cent je m2 angesetzt (entspricht einem 500-Blatt-Pack DIN-A4-Kopierpapier für 5,- EUR).

Die Top-3 der Hortung sind demnach:

Platz 1: 10-EUR-Silbergedenkmünze

Platz 2: 10-Cent-Stück

Platz 3: 1-Cent-Stück

Abgeschlagen auf dem letzten Platz findet sich der Papierschein wieder, egal ob mit X oder mit U vor der Seriennummer. So weit die Berechnungen, bei denen mir hoffentlich kein Fehler unterlaufen ist. Vielleicht können Sie sich noch erinnern, dass im Dezember 2006 die amerikanische Münzerei ein Gesetz durchsetzen musste, nachdem es verboten wurde, amerikanische 1- und 5-Cent-Münzen einzuschmelzen, da ihr Metallwert den Nennwert überschritten hatte [4]. Die Sinnhaftigkeit der Hortung von Münzen (so lange diese noch aus Kupfer und Co. bestehen) ist also durchaus nicht aus der Welt. Abgesehen davon wäre es interessant zu sehen, wie Öffentlichkeit und Medien damit umgehen würden, wenn es keine 10-Eurocent Münzen mehr im Umlauf gäbe.

Wie auch immer dem sei, ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, nordisches Gold (d.h. 10-, 20- und 50-Cent Münzen), welches ich als Rausgeld bei Käufen erhalte, nicht weiter in den Kreislauf zu geben, sondern zu horten. Auch wenn kein X darauf steht.

Noch eine Anmerkung zu meinem letzten Artikel »Rohstoffe für Zukunftstechnologien«. Einige Leser haben mich dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass ich den Faktor 2006 -> 2030 falsch aus der Erinnerung heraus interpretiert habe. Die Fragestellung, wie die Silbernachfrage im Jahr 2030 um 22% gegenüber der aus dem Jahr 2006 sinken könne, war also nicht korrekt. Die Faktoren beziehen sich lediglich auf die in der Studie betrachteten Technologien. Für Silber z.B. kommen die Autoren der Studie zu dem Schluss, dass sich der Verbrauch dieses Metalls bis 2030 für die untersuchten Schlüsseltechnologien

– Bleifreie Weichlote

– Solarthermische Kraftwerke

– Displays

– Mikroelektronik

– RFID

– Nanosilber

– Farbstoffsolarzellen

verdreifachen wird und zwar von 0,26 % der 2006er-Förderung auf 0,78 % der 2030er-Förderung. Die Autoren gehen also von einer Silberförderung im Jahr 2030 von 20.285 Tonnen aus. Da die Förderung im Jahr 2008 20.900 Tonnen betrug, wird also von einer konstanten Förderung über die kommenden Jahrzehnte ausgegangen. Wie zuvor wiederholt erwähnt, gehe ich jedoch davon aus, dass Peak-Oil-Effekte den Bergbau insgesamt stark verteuern werden und dadurch die aktuellen Förderniveaus jedweder Mineralien generell nicht zu halten sein werden.

 

 

Referenzen:

[1] de.wikipedia.org/wiki/Eurobanknoten

[2] de.wikipedia.org/wiki/Eurom%C3%Bcnzen

[3] de.wikipedia.org/wiki/Nordisches_Gold

[4] www.usmint.gov/pressroom/index.cfm

 

Dienstag, 11.08.2009

Kategorie: Gastbeiträge, Wirtschaft & Finanzen

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