Friday, 10. February 2012
21.04.2010
 

Ungewöhnliches am Himmel – und der Appell eines Professors

Andreas von Rétyi

In den vergangenen Tagen spielten sich einige eher seltene Erscheinungen am Himmel ab, die nicht gleich für jeden klar zu deuten waren. Manches davon ließ auch an die berühmt-berüchtigten UFOs denken, die immer noch für heftige Kontroversen sorgen. Ein amerikanischer Professor plädiert jetzt dafür, das bislang ungeklärte Phänomen doch endlich zum Gegenstand einer vorurteilsfreien, ernsthaften Erforschung zu machen. Keine Frage: Vieles, was am Firmament gesehen wird, kann einwandfrei eingeordnet werden. Aber eben nicht alles. In diesen Tagen verblüffte allerdings allein schon die skurrile Tatsache wunderbar klarer Sternennächte. Denn eigentlich sollte angesichts des isländischen Vulkanausbruchs eher mit einer, wenn auch nur leicht getrübten Sicht ins All gerechnet werden. Aber nichts dergleichen.

Am Himmel schwirrt immer mehr undefinierbares Gerät herum. Unser Erdorbit gleicht einer schwebenden Schrotthalde mit Tausenden von Satellitentrümmern, von denen ein guter Teil überhaupt nicht mehr funktioniert. Immer wieder stürzen auch ausgediente Exemplare auf die Erde herab und verglühen dabei meist in der Atmosphäre. Und da rührt sich noch mehr. Strahlend helle Sternschnuppen, blitzende Sonnenpaddel, glühende Polarlichter, zerberstende Stratosphärenballone und was nicht alles mehr können im blauen Meer der Luft sowie in noch größeren Höhen für einige Verwirrung sorgen. Und, und, und … Auch Seltenes und Unerklärliches spielt sich hier ab.

Aufmerksame Beobachter konnten in den vergangenen Tagen wieder Merkwürdiges über den Wolken sehen. Vor allem ein Phänomen dürfte Frühaufsteher in seinen Bann gezogen haben: Zwei helle Sterne, die – mal was ganz anderes! – im Westen aufgingen, um dann in majestätischer Ruhe gemeinsam über das verblassende Firmament der Morgendämmerung zu wandern. Die beiden Objekte, das eine heller als das andere, bewegten sich zügig und sehr gleichförmig, ohne zunächst ihren Abstand zu ändern. Dann, während sie sich dem Horizont näherten, rückten die Lichter immer näher zusammen. Eine UFO-Formation? Mancher sah sich zu dieser Annahme verleitet. Hier aber handelte es um bekannte – und dazu sogar auch bemannte – Raumschiffe: Das hellere der beiden sternartigen »Lichter« war die Internationale Raumstation ISS, das schwächere die amerikanische Raumfähre Discovery, Flug STS-131, die der Station einen Besuch abgestattet hatte.

Am frühen Morgen des 18. April gaben die beiden Objekte ein fantastisches Bild am Himmel über Deutschland ab. Ich hatte mich gerade kurz ans Teleskop begeben, um eine automatisierte Aufnahmeserie abzuschließen, die über die gesamte Nacht lief, als ISS und STS-131 über den Himmel zogen. Während das letzte Galaxienbild auf dem Monitor erschien, gewannen ISS und Raumfähre sehr schnell an Höhe über dem Horizont. Später erhielt ich auch Anrufe von erklärten Frühaufstehern, die ebenfalls Zeugen der Erscheinung geworden waren und wissen wollten, was sie da für ein ungewöhnliches Doppellicht gesehen hatten. Auch am 19. April tauchte das kosmische Zwillingslicht noch einmal auf.

Die Discovery war am 5. April gestartet, um Nutzlast zur Raumstation zu bringen. Die Mission wurde nun abgeschlossen, nachdem die Landung von STS-131 wegen Nebel und allgemein schlechten Wetters bereits wiederholt verschoben werden musste. Genau diese Verschiebung ließ aber dann die spektakulären Beobachtungen zu.

Nicht alle bewegten Lichter, die sich über uns zeigen, können allerdings so schnell und deutlich erklärt werden. Was bleibt, sind die echten »UFOs«, wie sie weltweit immer wieder gesehen werden. Oft folgen dann so typische wie stereotype Standarderklärungen, die aber dem Phänomen schlichtweg nicht gerecht werden. Wer sich offen und ehrlich mit der Materie auseinandersetzt, wird dies unumwunden zugeben. Denn niemand kann wirklich sagen, was sich hinter einigen dieser Erscheinungen verbirgt. Interpretationen hierzu gibt es genügend, wenn auch längst nicht alle davon besonders sinnvoll klingen. Von vornherein aber ein Konzept auszuschließen, nur weil es nicht ins gegenwärtig etablierte Weltbild zu passen scheint, dürfte kaum befriedigend oder zielführend sein.

So meint auch der amerikanische Anthropologie-Professor Dr. Philip Haseley vom Niagara County Community College, New York, dass es einfach an der Zeit für gründliches Umdenken sei. Prof. Haseley fordert aufgrund der hohen Zahl an ungeklärten Beobachtungen eine vorurteilsfreie, wissenschaftliche Untersuchung. Dazu müssen zunächst Berührungsängste abgebaut werden. »Es ist wichtig«, so der Professor, »dass das ganze Thema offengelegt und untersucht wird … Zu sagen, wir seien UFO-Gläubige, suggeriert grundsätzlich, dass wir hier einer Religion folgen, doch das ist nicht der Fall. Es gibt zahlreiche Belege.« Haseley leitet das Western New York Mutual UFO Network, wobei er die Einhaltung wissenschaftlicher Prinzipien betont und Methoden verschiedener Disziplinen zur Anwendung bringt. Ihm ist klar, dass noch eine Menge Aufarbeitung und Aufklärung nötig ist, bevor dieses so heiß umstrittene Thema in irgendeiner Weise »salonfähig« werden kann: »Wir haben wie jede andere UFO-Organisation mit den Skeptikern zu tun und wir sind absolut offen für Kritik. Wir kennen Leute, die das Ganze für ein unsinniges Thema halten.« Leider ist es immer noch beinahe unmöglich, ausgewogen und unaufgeregt über unerklärliche Himmelserscheinungen zu diskutieren, vielleicht, weil allein der Begriff UFO schon vielfach negativ belegt ist. Ein Wissenschaftler, der zu seinen Forschungsgebieten »UFOs« zählt, wird kaum irgendwo Lorbeeren ernten, ungeachtet dessen, ob er bei seiner Arbeit wissenschaftlich vorgeht oder nicht – mit einer Ausnahme: Wenn er sich mittels seiner Tätigkeit ausdrücklich darum bemüht, das gesamte Thema ins Reich der Fantasie zu verbannen. Allerdings galt vor etlichen Jahrzehnten auch die SETI-Forschung als blanke Spinnerei. Das hat sich zwischenzeitlich doch ein wenig geändert. Doch Haseley wird wohl noch einige Hürden überwinden müssen, bis sein Forschungsgegenstand weitere Akzeptanz finden wird. Auch die Welt der Forschung ist letztlich von Menschen gemacht und folgt dabei eben auch von Menschen gemachten Regeln. Denn so ist nun einmal der Mensch gemacht.

 

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