Dienstag, 6. Dezember 2016
13.04.2010
 
 

Unzumutbarer Kinderlärm? Krippenkinder schreien lauter und aggressiver!

Eva Herman

Die aktuelle Meldung aus dem Bundestag heute klingt auf den ersten Blick zwar gut, doch reden die Politiker in Berlin über Kinderthemen inzwischen wie die Blinden von der Farbe. Denn: Über 50 Prozent der Volksvertreter haben gar keine Kinder. Und deswegen haben sie meist auch keine Ahnung von Kindern, ebenso wenig sind sie wirklich interessiert an den wahren Bedürfnissen von Kindern und Familien. Außerdem kippt die Generationenpyramide: Zunehmend wird unsere Gesellschaft von den Alten beherrscht, sie sind als Wählergruppe schon in der Überzahl, und sie werden in erster Linie hofiert.

Also: Die Kinderkommission des Bundestags fordert jetzt mehr Toleranz gegenüber Kinderlärm. Bundesrat und Bundestag haben sich dieses »wichtige Thema« auf die Agenda geschrieben, um die Rechtslage zu klären. »Kinderlärm ist Ausdruck von Lebensfreude, die sich artikulieren muss«, meint der Kommissionsvorsitzende Eckhard Pols (CDU). Der Vater von vier Kindern mag mit dieser Aussage vielleicht grundsätzlich Recht haben. Doch liegt eine andere Vermutung viel näher, die in der Vergangenheit Anlass für sichtbar sich häufende Kinderlärmklagen gab: Kinderlärm ist nämlich nicht gleich Kinderlärm. Während Kindergartenkinder ab drei, vier Jahren in der Tat häufig miteinander spielen und toben, geht es den Krippenkindern von null bis drei Jahren nicht selten ganz anders, nämlich richtig schlecht: Aufgrund ihrer noch nicht ausreichenden Entwicklung sind sie meist überhaupt nicht in der Lage, miteinander zu spielen. Eher spielen sie nebeneinander, beschäftigen sich in erster Linie mit sich selbst, und sie leiden täglich aufs Neue unter der Trennung von ihren Eltern, bzw. den Müttern: Sie weinen und schreien häufiger, und sie entwickeln ein grundsätzlich aggressiveres Verhalten, welches sich nicht selten in vernehmlichen Schreiattacken ausdrückt.

Die Hansestadt Hamburg ist derzeit wohl traurigstes Beispiel für eine lange Liste von Klagen gegen Kindertagesstätten. Es sind inzwischen Dutzende. Einige Kitas mussten schließen, andere noch nicht. Und täglich tobt der Kampf um den Kinderlärm aufs Neue los. Von einer »kinderfeindlichen« Gesellschaft sprechen viele Eltern und Vertreter in Politik und Gesellschaft. Doch der  langjährige Hamburger Projektentwickler und Gutachter von Lärmschutzwänden, A. Röhr, sieht das ganz anders: »Kinder, die jeden Tag in die Krippe müssen, schreien lauter, aggressiver und verzweifelter. Das hat nichts mehr mit fröhlichem Kinderlachen zu tun, sondern geht dauerhaft gehörig an die Nerven. Die Lärmschutzwände müssten schon extrem hoch und stabil sein, um dem zu trotzen.« Diese Aussage bestätigen Entwicklungsforscher und Kinderpsychologen.

Kinderlärm ist also Ausdruck von Lebensfreude, die sich artikulieren muss? In diesem Fall wohl eher nicht. Denn Lebensfreude findet sich bei sicher gebundenen, glücklichen Kindern sicher häufiger als bei vielen abgeschobenen Krippenkindern. Deren verzweifelte Sehnsucht nach Mama und Papa hat eher eine Menge mit einem täglich aufs Neue beginnenden Überlebenskampf zu tun. Doch dieser Umstand wird bei Entscheidungen und Bewertungen bisher niemals ins Kalkül gezogen, müssten damit doch ganze Strukturen neu überdacht werden.

Von einer »Kultur fehlender Bindungen« spricht der prominente kanadische Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld. Das Hauptproblem bei der Fremdbetreuung sei, dass die kindlichen Bindungsbedürfnisse nach individueller Nähe und Liebe nicht berücksichtigt würden. Da ein kollektives Bewusstsein dafür fehle, dass Kleinkinder entscheidend mehr persönliche Ansprache benötigten, als dies bei den häufig völlig überlasteten Krippen möglich sei, veränderten die Kinder ihr Verhalten.

Was tun sie? Sie schreien! Wie sonst sollen sie auch auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam machen? Sie können noch nicht wissen, dass die moderne Gesellschaft ihre Ohren längst taub gemacht hat für die Kinderseelenschmerzen, weil diese in die politischen Einrichtungen von Feminismus und Gender Mainstreaming nun mal nicht mehr passen!

Die Bindungslosigkeit, die Erwachsene den Kindern durch tägliche Fremdbetreuung aufzwingen, verändert die Kleinen und »entbindet« sie ebenso von eigentlich selbstverständlichen Verhaltensmustern des Miteinanders, zu denen auch Rücksichtnahme und Verständnis, zu denen die Integrität und das sich Einfügen-können gehören. Solange sie klein sind, die Kinder in Deutschland, werden sie weiter schreien und lamentieren, so laut, dass man auch weiterhin Lärmschutzwände bauen und im Bundestag über Maßnahmen diskutieren muss. Man sollte vor lauter globalisiertem Wettbewerb jedoch den Blick für das Wesentliche, die Menschen, nicht verlieren. Werden sie dann übrigens größer, diese verzweifelten, früheren Krippenkinder, dann folgen ganz andere Probleme. Welche? Ein täglicher Blick in das immer erschreckendere Geschehen dieser Gesellschaft genügt inzwischen!

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