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USA: eine »gedopte« und »bekiffte« Nation

Michael Grandt

Millionenfach konsumieren Manager, Wissenschaftler, Militärs, Teenies und auch schon Kleinkinder Psychopharmaka und Antidepressiva. Das »mächtigste« Volk der Welt ist »dauergedopt« und »dauerbekifft«.

Jeder zweite Amerikaner bald psychisch gestört

Berichten zufolge bereitet der »wachsende nationale Trend« zur Medikamentenabhängigkeit der US-Bürger zunehmend ethische Probleme: »Pillen, die für Schlaflosigkeit und Gemütsschwankungen gedacht sind, werden von gesunden Menschen genutzt, um geistig fit zu sein und ihre Produktivität zu erhöhen.« Der Neurologe Prof. Anjan Chatterjee von der  Universität Pennsylvania meinte, es gebe »eine Anbetung von Fortschritt und Produktivität, die mich beunruhigt«.

Die Zukunftsaussichten sind wahrlich nicht rosig: Eine Studie der Havard-Universität bescheinigt, dass etwa die Hälfte der Amerikaner irgendwann im Leben einmal an einer psychischen Störung leiden wird.

Millionenfach bekiffte und gedopte Amerikaner mit dem mächtigsten Präsidenten und dem schlagkräftigsten Militär: Schöne Neue Welt!

 

Psychopharmaka über alles

Nirgendwo auf der Welt werden mehr Psychopharmaka konsumiert als in den USA: Ob Stimmungsaufheller, Schlaftabletten, Schmerzmittel, Anti-Depressiva, Aufputsch- oder Beruhigungstabletten, immer mehr Amerikaner sind auf Drogen.

Neben illegalen Substanzen wie Marihuana, Kokain oder Ecstasy und gängigen Suchtmitteln wie Alkohol oder Zigaretten, gebrauchen Millionen »normale« US-Bürger Produkte aus der Pharmaindustrie, die häufig auch als »Lifestyle-Droge« dienen. 

Der Umsatz mit Psychopharmaka stieg von 7,9 Milliarden im Jahre 1997 auf 25 Milliarden Dollar im Jahre 2006. Rund 33 Millionen Amerikaner konsumieren Pillen und die Zahl der Rezepte, alleine für Antidepressiva, stieg auf 227 Millionen.

 

Gedopte Teenies, Manager, Forscher und Soldaten

Nicht nur Privatleute »dopen«, auch im Sport steigt die Zahl derjenigen, die sich auf illegaler Weise verbessern wollen; in Hollywood nutzen Stars Pillen gegen das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) wegen ihrer appetithemmenden Wirkung und immer mehr »gestresste« Manager werfen sich die eine oder andere Pille ein.

Nach Analysen der Gesundheitsbehörden gehören Frauen der Mittelschicht zu den häufigsten Konsumenten von Antidepressiva, aber auch jeder sechste US-Soldat in Afghanistan und jeder achte im Irak nimmt täglich stimmungsaufhellende oder stabilisierende Medikamente, so das Pentagon. Das Magazin Time schrieb: »Erstmals in der Geschichte nimmt eine bemerkenswerte Zahl von kämpfenden Soldaten eine tägliche Dosis von Antidepressiva.«    

Damit nicht genug: US-Regierungsangaben zufolge betreiben 7,5 Prozent der Schüler und 9,2 Prozent der Schülerinnen Medikamentenmissbrauch, um mit den Anforderungen der amerikanischen Leistungsgesellschaft fertig zu werden.

Aber auch seriöse Wissenschaftler sind nicht abgeneigt: In einer Umfrage des angesehenen Magazins Nature gaben 20 Prozent der Forscher an, schon einmal leistungssteigernde Mittel für das Gehirn eingesetzt zu haben und zwölf Prozent greifen sogar regelmäßig zu sogenannten »Neuro-Pushern«.  

 

Amerikanische Kinder nehmen drei Mal so viele Psychopharmaka

Der Medikamentenmissbrauch beginnt häufig schon im Kindesalter. Die Zahl der Kinder, die mit Psychopharmaka medikamentiert werden, hat sich in den letzten zehn Jahren versechsfacht.

Kinder in den USA werden bis zu drei Mal häufiger mit Psychopharmaka behandelt als ihre europäischen Altersgenossen. Vor allem mir Antidepressiva, Antipsychotika und Stimulanzien – das veröffentlichte das Fachblatt Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health nach einer Untersuchung von 600.000 Kindern im Alter zwischen null bis 19 Jahren in den USA, den Niederlanden und Deutschland.

 

Medikamente an Kinder außerhalb der in der Zulassung festgelegten Bedingungen

Die Psychopharmaka sind aber häufig nicht auf eine spezielle Anwendung bei Kindern ausgerichtet, sondern meist in klinischen Studien an Erwachsenen ausgetestet worden. Die Problematik bei der Einnahme durch Kinder liegt damit auf der Hand: Eventuelle Nebenwirkungen und Risiken sind schwer abzuschätzen.

US-Ärzte verschreiben die Medikamente dennoch und zwar außerhalb der in der Zulassung festgelegten Bedingungen (»Off-Label-Use«). In der Kinder-Kardiologie ist dies gängige Praxis, hier werden 50 bis 75 Prozent der Medikamente im »Off-Label-Use« angewendet. Manche Forscher, wie Joseph Coyle von der Havard Medical School, kritisieren das: »Eine psychische Erkrankung bei Kindern im Vorschulalter zu diagnostizieren ist äußerst schwierig, da bis zum vierten Lebensjahr gewaltige Veränderungen im Gehirn stattfinden.«

Dessen ungeachtet werden bereits zwei- bis vierjährige Kinder mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Vor allem Ritalin, eine Art Amphetamin, wird eingesetzt, um das »Zappel-Philipp-Syndrom« zu verhindern und genervten Eltern endlich »Ruhe« zu verschaffen.  

 

Immer mehr Tote wegen Medikamentenmissbrauch

Autopsieberichten zufolge starben in Florida im Jahre 2007 über 2300 Menschen wegen Medikamentenmissbrauchs, dagegen »nur« knapp 1000 an Drogen. Demzufolge titelte die New York Times jüngst: »Legale Drogen töten mehr Menschen als verbotene Drogen.«  

Die Zahl der US-Bürger, die Medikamente missbrauchten, wurden in einem Regierungsbericht aus dem Jahre 2003 mit über 15 Millionen angegeben, neuere Zahlen gibt es noch nicht.

 

Freitag, 19.12.2008

Kategorie: Allgemeines, Gastbeiträge, Enthüllungen

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