Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt: Wie man einen massiven Wirtschaftskollaps verschleiert
Vor zwei Wochen haben die US-Immobilienriesen »Fannie Mae« und »Freddie Mac« Rekordverluste vermeldet; genauso übrigens auch die meisten US-Unternehmen. Die Arbeitslosenzahlen sind gestiegen, die Krise bei den Zwangsvollstreckungen hat sich verschärft, der Bundeshaushalt ist eine einzige Katastrophe, überall musste der Staat mit finanziellen Rettungsoperationen einspringen. Die Investoren hatten allen Grund, einen Kollaps des US-Dollars und des amerikanischen Aktienmarktes sowie einen massiven Anstieg der Preise von Gold und Öl zu erwarten. Doch merkwürdigerweise stieg der Dow-Jones-Industrial-Average-Index um 300 Punkte, der Dollar erholte sich und der Gold- und Ölpreis stürzte ab. Was war passiert?
»Ich bin im Show-Business. Warum kommst Du zu mir?«
»Krieg ist Show-Business, deshalb sind wir hier.«
Aus dem Film: Wag the Dog (zu deutsch: Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt, 1997)
Man braucht nicht über die Fähigkeiten eines ausgebildeten Psychologen zu verfügen, um zu erkennen, dass das Plunge Protection Team der US-Regierung, d.h. Washingtons »Absturzverhinderungsteam« als Retter in der Not eingegriffen hatte. Der offizielle Name dieses PPT lautet »Arbeitsgruppe des Präsidenten für Finanzmärkte«. Das Team war früher geheim tätig, man leugnete selbst seine Existenz, als handele es sich bei dem PPT um eine Frage der nationalen Sicherheit. Doch jetzt ist das PPT auch offiziell an die Öffentlichkeit getreten. Einst ein legal fragwürdiger »Manipulator« der Märkte, ist es jetzt zum anerkannten Stabilisator und Beschützer der Märkte geworden. Diese neue Sprachregelung wurde im Januar 2008 eingeführt, als die globalen Märkte ihren schlimmsten Absturz seit dem 11. September 2001 erlebten. Die Demokratische Senatorin Hillary Clinton hatte eine vom State News Service verbreitete Erklärung herausgegeben, in der es hieß:
»Ich halte die folgende Maßnahme für zwingend erforderlich. Der Präsident sollte bereits die Arbeitsgruppe des Präsidenten über Finanzmärkte einberufen haben – und wenn nicht, dann sollte er es sofort tun. Der Finanzminister könnte das in seinem Auftrag erledigen …. Es muss über alle Märkte hinweg mit den hiesigen Regulierungsbehörden und selbstverständlich auch mit den Regulierungsbehörden und Zentralbanken auf der ganzen Welt koordiniert werden.«1
James Turk, der Begründer des Newsletters GoldMoney, hat uns über die mysteriösen Entwicklungen mit dem US-Dollar in der ersten Augustwoche aufgeklärt; er schrieb am 7. August:
»[D]ie Bankenprobleme in den USA werden immer größer, während das Haushaltsdefizit der Bundesregierung immer weiter außer Kontrolle gerät …. Warum ist dann aber der Dollar in den letzten drei Wochen so stark gestiegen? Die Antwort lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Intervention. Zentralbanken haben den Dollar gestützt, und hier ist der Beweis.
Wenn Zentralbanken in die Währungsmärkte intervenieren, dann tauschen sie ihre jeweiligen Landeswährungen in US-Dollars um. Die so erworbenen Dollars benutzen die Zentralbanken dann, um Schuldtitel [Schatzpapiere] der US-Regierung zu kaufen, damit sie für ihr Geld Zinsen bekommen können. Die von [ausländischen] Zentralbanken erworbenen Schuldtitel nimmt die US-Federal Reserve in Verwahrung und berichtet über diese Bestände wöchentlich.
Am 16. Juli 2008 … gab die US-Federal Reserve bekannt, dass sie für [ausländische] Zentralbanken US-Regierungspapiere in Höhe von 2349 Mrd. Dollar in Verwahrung hält. In ihrem heute veröffentlichten Bericht war diese Summe in den letzten drei Wochen auf 2401 Mrd. Dollar gestiegen, d.h. mit einer jährlichen Steigerungsrate von 38,4% …. Zentralbanken haben also in den letzten drei Wochen Dollarbestände mit einer Steigerungsrate akkumuliert, die weit über der Rate liegt, die man angesichts des US-Handelsdefizits erwarten konnte. Die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass die Zentralbanken in die Währungsmärkte interveniert haben. Sie haben US-Dollars aufgekauft, um den Dollar zu stützen, und um zu verhindern, dass der Dollar tief abstürzt. Damit haben sie eine kurz anhaltende Hausse ausgelöst, was angesichts der heutzutage von Hedge-Fonds und anderen Finanzinstituten benutzten finanziellen Hebelwirkungen nicht schwer zu bewerkstelligen ist.«2
So wie Zentralbanken Währungen durch konzertierte Aktionen manipulieren können, so können die Zentralbanken auch den Goldpreis durch massive Verkäufe ihrer Goldreserven manipulieren. Genauso manipuliert werden können aber auch die Märkte für Öl und andere Rohstoffe. Allerdings können die Märkte nur in einem bestimmten Ausmaß und nur eine bestimmte Zeit lang manipuliert werden, wenn das eigentlich zugrundeliegende Problem nicht gelöst wird. Aber die Welt hat noch mehr schlechte Nachrichten auf Lager, und zwar Nachrichten von einer derartigen Tragweite, dass sie mit den normalen Manipulationstricks nicht mehr verdeckt werden können.
So müssen irgendwann zwischen März und Oktober in diesem Jahr Hypotheken mit flexibler Verzinsung (ARMs) in Höhe von ungefähr 400 Mrd. Dollar neu festgesetzt werden. Rechnet man etwa 3 bis 6 Monate, in denen hoffnungslos verschuldete Hausbesitzer mit ihren Zahlungen in Verzug geraten und tatsächlich am Ende sind, dann wird bis März 2009 eine riesige Welle von Bankrotten über die USA hereinbrechen – gerade rechtzeitig für die nächste Riesenwelle an Neufestsetzungen, diesmal bei den Options-ARMs.3 Diese »Options-ARMs« sind Hypotheken bzw. Kredite mit der Option, monatlich weniger als nur die Zinsen auf den Kredit zu bezahlen, was die Gesamtkreditsumme natürlich erhöht, bis sie eine bestimmte Höhe (typischerweise 110% bis 125% der ursprünglichen Kreditsumme) erreicht; dann werden die Zinsen neu festgesetzt. Die kürzlich Fannie Mae und Freddie Mac gewährte Kreditlinie in Höhe von 800 Mrd. Dollar wird damit möglicherweise nicht nur voll ausgeschöpft, sondern sogar überschritten – auf Kosten der Steuerzahler. Das eigentliche, zugrundeliegende Problem wird kaum diskutiert, aber es kann unmöglich »repariert«, geschweige denn gelöst werden – eine Pyramide an Finanzderivaten in Höhe von einer Trillion Dollar, die jetzt implodiert. Überall müssen Banken massive Abschreibungen vornehmen, wodurch das gesamte Bankensystem an den Rand des Kollapses gebracht wird. Nur riesige Finanzspritzen der Öffentlichen Hand können das System noch retten, aber diese Rettungsoperationen könnten die ganze Nation in den Bankrott treiben.
Was ist zu tun? In der Geschichte wurden oft Kriege und Kriegsdrohungen benutzt, um die Bevölkerung abzulenken und dafür zu sorgen, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit nicht mit der wirtschaftlichen Katastrophe beschäftigt. In dem Film Wag the Dog (Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt) aus dem Jahre 1997 wurde das in dem Satz zusammengefasst:
»Es gibt eine Krise im Weißen Haus, und um die Wahlen zu gewinnen, mussten sie schon einen falschen Krieg vom Zaun brechen.«
Vielleicht erklärt das den plötzlichen Kriegsausbruch in dem eurasischen Land Georgien am 8. August, genau drei Monate vor den US-Wahlen im November. An diesem 8. August begannen die Olympischen Spiele in Peking, und die Ablenkung genau zu diesem Zeitpunkt hat China möglicherweise davon abgehalten, Russland in diesem Krieg aktiv zu unterstützen. Die US-Massenmedien verbreiten die Version, Russland, der starke Mann in der Gegend, habe seinen winzigen Nachbarn Georgien überfallen; doch dem stimmen nicht alle Kommentatoren zu. Am 12. August schrieb Michail Gorbatschow in der Washington Post:
»Was in der Nacht vom 7. August geschah, ist unbegreiflich. Die georgischen Streitkräfte haben die südossetische Hauptstadt Zchinwali mit Raketenwerfern attackiert, die riesige Gebiete zerstören können. Russland musste darauf antworten. Russland zu beschuldigen, das ›kleine, verteidigungslose Georgien‹ attackiert zu haben, ist nicht nur Heuchelei, es zeugt auch von einem Mangel an Humanität … Die georgische Führung konnte diesen Angriff nur mit der angenommenen Unterstützung und der Ermunterung durch eine viel größere Macht unternehmen.«4
Bruce Gagnon, der Koordinator von Global Network against Weapons and Nuclear Power (Globales Netzwerk gegen Waffen und Atomkraft), schrieb am 11. August in OpEdNews:
»Die USA sind schon lange in dieser Region in die Aktivitäten von ›Freiheitsbewegungen‹ verwickelt, mit denen versucht wird, den russischen Einfluss durch die Kontrolle von US-Unternehmen zu ersetzen. Die CIA, die Stiftung National Endowment for Democracy…, und Freedom House (zu dem Zbigniew Brzezinski, der ehemalige CIA-Chef James Woolsey und Obamas außenpolitischer Berater Anthony Lake gehören) sind wichtige Geldgeber und Unterstützer bei Operationen, mit denen in Zentralasien Politiker an die Macht gebracht wurden, die ›unserer Seite‹ die Bälle zuspielen … Bei dieser Sache geht es absolut nicht um das Spiel der ›guten Jungs‹ gegen die ›schlechten Jungs‹. Das ist reine Machtblock-Politik … Außerdem geht es um viel Geld … [B]eide Seiten (Republikaner und Demokraten) haben in diesem Teil der Welt eine gemeinsame Zweiparteien-Geschichte und wollen dort die Förderung wirtschaftlicher Interessen auf die Tagesordnung setzen. Obamas Berater stecken in dieser Sache genauso dick drin, wie die Berater von McCain (einer seiner Chefberater war noch kürzlich Lobbyist für die jetzige Regierung Georgiens).«5
Brzezinski, der jetzt als Obamas Berater auftritt, war in den 1970er-Jahren Jimmy Carters außenpolitischer Berater. Damals war er außerdem Direktor der Trilateralen Kommission, die er zusammen mit David Rockefeller sen. gegründet hatte. Dieser David Rockefeller wird von vielen als die »Meisterspinne« des Bankennetzwerks der Wall Street angesehen.6 Brzezinski hat sich später damit gebrüstet, Russland 1979 in den Krieg mit Afghanistan hineingezogen und »der Sowjetunion ihren Vietnamkrieg beschert« zu haben.7 Wird mit der Geschichte in Georgien jetzt versucht, diesen Putsch zu wiederholen? Mike Whitney, ein bekannter Internet-Kommentator, schrieb am 11. August:
»Washingtons blutige Fingerabdrücke befinden sich überall bei der Invasion Südossetiens. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hätte niemals auch nur von einem massiven militärischen Angriff geträumt, wenn er nicht die ausdrücklichen Befehle dazu von seinen Bossen [im Weißen Haus] in 1600 Pennsylvania Ave[nue] bekommen hätte. Schließlich verdankt Saakaschwili seine ganze politische Karriere amerikanischen Machthabern und US-Nachrichtendiensten. Wenn er ihnen den Gehorsam verweigert hätte, wäre er 14 Tage später nicht mehr an der Macht gewesen. Außerdem muss eine solche Militäroperation monatelang geplant und logistisch vorbereitet werden; vor allem dann, wenn sie zeitlich perfekt mit dem Beginn der Olympischen Spiele zusammenfällt – ein weiterer kleiner neokonservativer Zug an der Sache. Das heißt, dass Planungsexperten im US-Pentagon schon Monate vorher Hand in Hand mit georgischen Generälen an der Operation gearbeitet haben müssen. Nichts ist dabei dem Zufall überlassen worden.«8
Ein Teil dieser sorgfältigen Planung war vielleicht die noch nie dagewesene Stützung des US-Dollars und der gezielte Absturz des Öl- und Goldpreises in der Woche, bevor sich der Vorhang auf der politischen Bühne öffnete. Die Preise von Gold und Öl mussten stark nach unten gedrückt werden, um ihnen den nötigen Spielraum für Steigerungen nach oben zu geben, bevor auch nur irgendjemand schreien konnte: »Hyperinflation!« Während wir zusehen, wie sich der Vorhang zum Kriegsschauspiel in Eurasien hebt, sollten wir uns daran erinnern, dass nicht alle Dinge immer so sind, wie sie aussehen. Von »Großen Schachspielern« hinter den Kulissen werden Märkte manipuliert und Kriege ausgelöst.
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Fußnoten:
[1] »Erklärung von Hillary Clinton über die Globale Wirtschaftskrise«, CNN (22. Januar, 2008; Video unter allamericanpatriots.com)
[2] James Turk, »Mystery Solved«, GoldMoney.com (7. August 2008)
[3] Bill Murphy, »Wipeout Nightmare«, LeMetropoleCafe.com (11. August 2008); Ruth Simon, »FirstFed Grapples With Payment-Option Mortgages«, Wall Street Journal (6. August 2008); Ruth Simon, »Mortgages Made in 2007 Go Bad at Rapid Clip«, ebenda (7. August 2008).
[4] Michail Gorbatschow, »A Path to Peace in the Caucasus«, Washington Post (12. August 2008)
[5] Bruce Gagnon, »What Do We Know About Georgia-Russia Conflict?« (zu deutsch: »Was wissen wir über den georgisch-russischen Konflikt?«), OpEdNews (11. August 2008)
[6] Hans Schicht, »Financial Spider Webbing«, Gold-eagle.com (27. Februar 2004)
[7] »Soviet War in Afghanistan«, Wikipedia
[8] Mike Whitney, »Bush’s War in Georgia«, Global Research (11. August 2008)
Mittwoch, 20.08.2008
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