Wirtschaftskrise: Renten werden drastisch sinken
Ein »Standard-Rentner« könnte künftig bis zu acht Prozent weniger Rente bekommen, als bisher prognostiziert.
Die Wirtschaftskrise könnte die zu erwartende gesetzliche Rente von Millionen Arbeitnehmern drücken. Dies hat das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) errechnet. Zugrunde gelegt wurde der Bezieher einer Standardrente (»Eckrentner«).
Der sogenannte »Eckrentner« ist ein Phantom
Pikant dabei: Den sogenannten »Eckrentner« gibt es nur noch in der Theorie. Für die Berechnung seiner Rente wird nämlich eine fiktive Person herangezogen, die das 65. Lebensjahr vollendet und 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Der Verdienst entsprach dabei jeweils dem Durchschnittseinkommen (Bezugsgröße im Jahre 2009: 30.240 Euro Jahreseinkommen).
So ist der »Eckrentner« nur ein theoretisches Phantom, das immer dann herhalten muss, wenn die Renten schöngerechnet werden. Geht man einmal davon aus, dass es immer weniger Menschen geben wird, die 45 Jahre lang in die Rentenversicherung einzahlen und dabei ein Durchschnittseinkommen verdienen, dürften die prognostizierten Rentenabzüge sogar noch dramatisch höher ausfallen.
Künftig bis zu acht Prozent Lohneinbußen hinnehmen
MEA-Rentenexperte Martin Gasche begründet die Berechnungen seines Instituts folgendermaßen: »Die Arbeitnehmer und Beitragszahler werden wegen der Wirtschaftskrise Lohneinbußen hinnehmen müssen. Langfristig können die Einkommen bis zu acht Prozent niedriger liegen als vor der Krise erwartet«. Da die Rentenentwicklung an die Lohnentwicklung gekoppelt sei, »werden sich auch die Renten entsprechend schlechter entwickeln«.
Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lagen die Reallöhne aufgrund der Wirtschaftskrise bisher um durchschnittlich 1,2 Prozent niedriger als im Vorjahres, was vor allem auch mit der großen Zahl von Kurzarbeitern zu tun hat. Ein deutlicher Einbruch also.
Sinkende Renten trotz Rentengarantie
Die Bundesregierung hat eine sogenannte »Rentengarantie« verabschiedet, die bei sinkenden Löhnen eine Nullrunde vor bei der staatlichen Altersversorgung vorsieht, also keine Kürzung.
Bis jetzt ist noch nicht ganz klar, wie dies in jährlicher Milliardenhöhe finanziert werden soll.
Trotz dieser Garantie könnten die Renten jedoch sinken, so das MEA, denn vor dem Beginn der Krise wurde eine weitaus optimistischere Prognose abgeben. Im Falle von Nullrunden in den nächsten zwei Jahren sinkt die tatsächlich ausgezahlte Rente. Für die im Jahr 1964 Geborenen, die 2031 im Alter von 67 Jahren in Rente gehen, wird der Rentenzahlbetrag, je nach Verschärfung und Dauer der Krise, um 5,7 bis 9,4 Prozent niedriger liegen. So werden Renten der gesetzlichen Rentenversicherung, wie die privaten Renten, einen permanenten Vermögensverlust erleiden.
Keine Kürzungen, sondern Abweichungen
Das Bundesarbeitsministerium hat die MEA-Berechnungen natürlich zurückgewiesen. Vermutlich will man die Menschen nicht noch mehr verunsichern.
Zu den MEA-Berechnungen sagte der Rentenexperte Bert Rürup, es handle sich dabei nicht um tatsächliche Kürzungen, sondern um Abweichungen von der bislang erwarteten Entwicklung. Das ist meiner Meinung nach nur Schönrederei, denn in der Passauer Neuen Presse macht Rürup klar: wegen der Folgen der Wirtschaftskrise könne »nicht ausgeschlossen werden, dass der für die Rentenanpassung im nächsten Jahr maßgebliche Durchschnittslohn sinken wird«.
Prognostizierter Einbruch nach Jahrgängen
Den Berechnungen des MEA zufolge, könnten bei einem Arbeitnehmer, der 2015 in Rente geht, 92 Euro, im Jahr 2020 110 Euro, im Jahr 2030 147 Euro und im Jahr 2040 sogar 194 Euro im Monat fehlen. Aber wohlgemerkt, für einen Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre lang einbezahlt hat.
Über diesen Link gelangen Sie zu einer Website, auf der Sie die Rentenentwicklung aufgrund der Krise nach den Berechnungen des MEA ersehen können. Gegliedert ist sie nach Renteneintrittsjahr, Alter und neuer Prognose sowie den Abzügen, die drohen (in Prozent und in Euro).
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Quellen:
Donnerstag, 19.11.2009
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