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Zusatzbeiträge der Krankenkassen: Außer Spesen nichts gewesen?

Michael Grandt

Trotz vollmundiger Ankündigungen, künftig »mehr Netto vom Brutto« zu haben, werden Sie jetzt erst einmal mit einem Zusatzbeitrag für die Krankenkasse abgezockt. Wirtschaftlich lohnt sich das kaum, deshalb ist zu erwarten, dass es nicht bei den acht Euro bleiben wird.

Es ist wieder einmal so weit: Trotz vollmundiger Wahlverspechen, dass künftig »mehr Netto vom Brutto« übrig bleiben soll, werden Sie erneut zur Kasse gebeten. Dieses Mal sind es Zusatzbeiträge, die die gesetzlichen Krankenkassen künftig erheben wollen. Acht Euro pro Beitragszahler sind angedacht. Manche Kassen sind so gierig, dass sie das Ganze bereits in wenigen Tagen, ab dem 1. Februar, einführen wollen.

Die Große Koalition von CDU/CSU und SPD hat es noch in der letzten Legislaturperiode möglich gemacht – und noch mehr: Der Zusatzbeitrag kann bis auf ein Prozent des Einkommens auf maximal 37,50 Euro erhöht werden, dann allerdings nach jeweiliger Einkommensprüfung. Die jetzt vorgesehenen acht Euro hingegen betreffen jedes Mitglied der entsprechenden Krankenkasse, egal, wie viel es verdient (mitversicherte Familienangehörige sind frei). Nur das Mitglied muss bezahlen, nicht aber der Arbeitgeber. So haben das CDU/CSU und die sich so »sozial« gebende SPD damals beschlossen.  

Doch selbst die Krankenkassen, die den Zusatzbeitrag erheben, haben Zweifel, ob sich damit ihre Finanzprobleme überhaupt lösen lassen. Der Grund: Der Inkassoaufwand dürfte oft teurer sein als der Ertrag.

Zwar gaben CDU und SPD-Politiker noch gestern Abend in der Sendung hart aber fair (ARD) an, dass sie den Verwaltungsaufwand auf zwei bis drei Euro schätzen, aber das macht wieder einmal deutlich, dass die Herren erschreckenderweise keine kaufmännische Grundkenntnisse besitzen. Die Kassen müssen nämlich für die acht Euro den Kunden anschreiben und ein Zusatzkonto anlegen, was bisher nicht nötig war, weil der Beitrag direkt vom Arbeitgeber abgezogen wurde. Jeder nur halbwegs kaufmännisch geschulte Mensch weiß, dass ein Anschreiben und die Einrichtung eines Zusatzkontos samt entsprechender Datenvernetzung pro Mitglied niemals nur zwei bis drei Euro kosten kann. Einrechnen muss man nicht nur die Arbeitszeit des Sachbearbeiters, die Kosten für Formulare und Porto, die Überwachung sowie eventuelle Mahnschreiben, sondern auch die Schulung von Mitarbeitern, die Entwicklung und Einführung eines neuen EDV-Programms usw. usf.

Richtig zur Nullnummer wird das Ganze dann, wenn der Versicherte nicht zahlt. Dann müssen die Krankenkassen ein Inkassoverfahren einleiten, das schnell teurer werden kann als der Ertrag von acht Euro. Deshalb wollen viele Kassen dieses erst dann einleiten, wenn sich die Außenstände für einen Versicherten auf 50 Euro oder mehr belaufen. Nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen haben die Kassen jetzt schon insgesamt Außenstände von säumigen Beitragszahlern in Höhe von 631 Millionen Euro. Deshalb gilt zu befürchten, dass die Kassen ihre Zusatzbeiträge bis auf die Obergrenze von maximal 37,50 Euro pro Monat ausschöpfen werden.

Sollten Sie den Zusatzbeitrag nicht bezahlen, verlieren Sie Ihren Versicherungsschutz nicht. Das ist so im Sozialgesetzbuch Paragraf 16 geregelt. Es kann Ihnen allenfalls drohen, nur noch im Notfall behandelt zu werden. Aber auch das ist rechtlich höchst umstritten. Die Ersatzkassen haben deshalb bereits vereinbart, aus Kulanzgründen vorerst keine Leistungseinschränkungen bei säumigen Beitragszahlern durchzuführen.   

Auch ein Krankenkassenwechsel wird auf die Dauer nichts bringen, denn der Verdacht liegt nahe, dass künftig alle Kassen den Zusatzbeitrag einführen. Manche werden sicherlich erst einmal abwarten, wie und was bei der Konkurrenz geschieht. Läuft alles glatt, werden auch sie nicht zögern, das Geld von Ihnen einzufordern.

Der Zusatzbeitrag ärgert sehr viele Menschen. Das Spiel »linke Tasche – rechte Tasche« geht also weiter. Es wird noch lange nicht zu Ende sein. Neue Einschnitte sind geplant: Erhöhung der Arbeitslosenversicherung, Erhöhung von Gebühren und vieles andere mehr. Das alles wird uns aber erst Ende Mai, nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen, offenbart werden.

 

Donnerstag, 28.01.2010

Kategorie: Allgemeines, Wirtschaft & Finanzen, Politik

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