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Zwischenbilanz der Jahrhundertkrise

Michael Grandt

Hoffnung zu verbreiten ist gut, das Volk anzulügen aber nicht. Trotz aller Beteuerungen gilt: Die Krise ist noch lange nicht vorbei.

Kurz vor dem G20-Gipfel steht fest: Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist längst zu einer »Jahrhundertkrise« mutiert: weltweit gab es Hunderttausende von Stellenstreichungen, hunderte Milliarden Dollar an Konjunkturhilfen, Billionen an Verlusten und anhaltende Unsicherheit der Regierungen. Keiner weiß so recht, wie es weitergehen wird.

Trotz »beruhigender« Mitteilungen an die deutschen Wähler ist die Krise in Wahrheit noch lange nicht vorüber, ja, sie könnte sich sogar noch verschärfen. Aber das sagt man Ihnen natürlich erst nach der Wahl, dann nämlich, wenn es noch mehr Arbeitslose geben wird, wenn das Kurzarbeitergeld ausläuft, wenn die Automobilindustrie und deren Zulieferer keine Aufträge mehr erhalten und wenn es Steuererhöhungen gibt. 

Hier die verheerende Zwischenbilanz nach einem Jahr »Finanz- und Wirtschaftsausnahmezustand«:

– Schätzungen zufolge könnte die Finanzkrise die Weltwirtschaft bis zu 10,5 Billionen Dollar kosten. 1,6 Billionen Dollar Verlust davon entstehen allein durch Abschreibungen und Pleiten von Banken.

– 4,2 Billionen Dollar kostete der Einbruch der Weltwirtschaft durch die Finanzkrise bisher.

– Auf die gigantische Summe von neun Billionen Dollar werden sich die US-Haushaltsdefizite in den nächsten zehn Jahren in den USA summieren.

– Bis zum 30. September 2009 werden die USA einen Fehlbetrag von 1,58 Billionen Dollar verzeichnen, das entspricht 11,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – Rekord seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

– Ganze 733 Milliarden Dollar hat die US-Regierung an Konjunkturhilfen aufgelegt, China hingegen 420,5 Milliarden, Japan 221,7 und Deutschland 82 Milliarden Dollar.

– Die Wertverluste bei Wohnimmobilien in den USA und Großbritannien, Länder also, die am stärksten von der Immobilienkrise betroffen sind, betragen 4,65 Billionen Dollar.

– 63.000 Firmen werden bis Ende 2009 in den USA pleite gehen, 2008 waren es 43.546 Unternehmen, ein Anstieg um gut 50 Prozent gegenüber 2007 (28.322).

– 35.000 Unternehmen werden in Deutschland im laufenden Jahr Insolvenz anmelden; knapp 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr (29.291).

– Die US-Einlagensicherungsbehörde FDIC hat bisher 87 Regionalbanken geschlossen.

– 260.110 Stellen haben amerikanische Banken 2008 abgebaut, fünf Mal so viel wie 2006.

– Die Banken haben weltweit 1,3 Billionen Dollar an frischem Kapital aufgenommen.

– Dagegen haben im Jahr 2008 die neun größten US-Banken vom Steuerzahler 175 Milliarden Dollar erhalten, die Banken haben in der gleichen Zeit 32,6 Milliarden Dollar an Boni an ihre Mitarbeiter verteilt.

– 50.000 Stellen haben die 30 Dax-Konzerne bisher gestrichen – 30.000 davon allein in Deutschland.

– 180 Milliarden. Dollar hat die US-Regierung zur Stützung des Versicherungs-Giganten AIG aufgewendet.

– Die Citigroup hat einen Jahresverlust von 27,7 Milliarden Dollar eingefahren, 45 Milliarden Dollar Finanzhilfe von den amerikanischen Steuerzahlern erhalten und 5,3 Milliarden Dollar an Boni ausbezahlt.

Egal, was man Ihnen also sagt: Freuen Sie sich (leider) nicht zu früh. Es ist noch nicht vorbei.

 

__________

Quellen: 

Euler Hermes; FDIC; Challenger, Grey & Christmas; Commerzbank Research; Bloomberg; Generalstaatsanwaltschaft New York City; US-Regierung; Handelsblatt; Michael Grandt: Der Crash der Lebensversicherungen, Rottenburg 2009

 

Dienstag, 22.09.2009

Kategorie: Wirtschaft & Finanzen, Politik

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