Wednesday, 29. June 2016
21.11.2011
 
 

Provokation: US-Atom-U-Boot in venezolanischen Hoheitsgewässern

Nil Nikandrov

Am 10. November rief der Präsident Venezuelas, Hugo Chavez, mitten in der Sendung die Moderatorin des venezolanischen Fernsehsenders Contragolpe TV Vanessa Davies an, um die Sondermeldung bekanntzugeben, dass ein amerikanisches Atom-U-Boot in den Gewässern des Landes entdeckt worden sei. Chavez berichtete live, ein noch nicht identifiziertes großes U-Boot sei auf den Radarschirmen der venezolanischen U-Boot-Flotte, die in dem Gebiet regelmäßige Manöver abhält, aufgetaucht. Da es sich aber um ein sehr schnelles U-Boot gehandelt habe, sei es den venezolanischen U-Booten, die die Verfolgung aufgenommen hätten, entkommen. Chavez betonte, die venezolanische Marine habe auf die Provokation mit angemessener Zurückhaltung  reagiert und  nicht das Feuer eröffnet.

Es handelt sich nicht um das erste Mal, dass über das Eindringen amerikanischer U-Boote in die Hoheitsgewässer Venezuelas berichtet wird. Im Vorfeld eines gegen Chavez gerichteten Putschversuchs im April 2002 sollen Angehörige des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA zu einem Koordinationsgespräch mit den Putschisten an Bord eines amerikanischen U-Boots zusammengetroffen sein. Und im September 2005 brach das amerikanische Jagd-U-Boot USS Virginia vom U-Boot-Stützpunkt Groton im US-Bundesstaat Connecticut zu einer auf 70 Tage

angelegten Erkundungsfahrt in der Karibik auf. Es ist bekannt, dass die Virginia und andere amerikanische U-Boote seither verschiedentlich ungebeten in venezolanische Hoheitsgewässer eingedrungen sind.

Mit diesen »Besuchen« der amerikanischen Kriegsmarine soll das Gebiet offensichtlich für ein mögliches militärisches Vorgehen ausgekundschaftet und an den Plänen für eine Niederschlagung des Widerstandes des venezolanischen Militärs letzte Feinarbeit geleistet werden. Dabei geht es um Landungsoperationen, das Absetzen von Sabotagetrupps und die Versorgung von Chavez-Gegnern und Aufständischen mit Waffen. Möglicherweise will die amerikanische Marine vor Ort daran arbeiten, ihre Methoden zur Unterbrechung der venezolanischen Erdöllieferungen an Kuba und andere Länder weiterzuentwickeln. Venezolanische Sicherheitsexperten vermuten, dass zu diesen amerikanischen Unterwasseroperationen auch gehört, das Glasfaserkabel abzuhören, das seit Februar dieses Jahres Venezuela und Kuba miteinander verbindet. Washington ist darüber verärgert, dass Kuba dadurch an weltweite Kommunikationsnetzwerke angeschlossen ist. Bereits früher hatte Washington die Verlegung eines Glasfaserkabels zwischen Florida und Kuba mit der Begründung untersagt, dies verstoße gegen das gegen Castro und Kuba verhängte amerikanische Embargo.

Das als provokativ zu bezeichnende Eindringen in venezolanische Hoheitsgewässer durch »nicht identifizierte« U-Boote spiegelt die amerikanische  Strategie wider, Chavez' Regime zu schwächen. Vor dem Hintergrund der deutlichen Massierung amerikanischer Luftwaffen- und Marinestützpunkte in der Region kommt diesen Planungen eine hohe militärische Bedeutung zu. Unter dem Vorwand der Bekämpfung des Drogenhandels hat Washington praktisch die vollständige Kontrolle der Streitkräfte seiner Verbündeten – Kolumbien, Guatemala und Honduras – an sich gerissen und auf den Karibikinseln Curaçao, Aruba und Bonaire Luftwaffenstützpunkte errichtet, die eine unverkennbare Bedrohung Venezuelas darstellen. Diese Stützpunkte werden auch dazu genutzt, den Gütertransit, der über venezolanische Seehäfen und den Orinoco abgewickelt wird, zu beobachten.

Die Hoffnung Washingtons, Chavez mit friedlichen Mitteln absetzen zu können, ist vielleicht noch lebendig, aber reine Illusion. Im Moment liegt der venezolanische Präsident in den Meinungsumfragen zu den Präsidentschaftswahlen, die am 7. Oktober 2012 stattfinden sollen, mit 62 Prozent unangefochten an der Spitze, zumal auch kein ernstzunehmender Herausforderer in Sicht ist. Der frühere amerikanische Gesandte bei der Organisation amerikanischer Staaten OAS, Roger Noriega, der zu den vehementesten Gegnern der venezolanischen Regierung gehört, behauptete deswegen schon einmal vorsorglich, Chavez habe aufgrund seines Gesundheitszustandes nur noch höchstens sechs Monate zu leben. Noriega forderte die USA auf, ernsthafte Vorbereitungen und Absprachen für die »turbulenten Zeiten« zu treffen, die nach seiner Einschätzung in absehbarer Zukunft in dem Land, das immerhin zehn Prozent der amerikanischen Erdölbedarfs liefert, zu erwarten seien. Auf den Internetseiten der Organisation InterAmerican Security Watch [, die sich selbst als eine »Gruppe besorgter politischer Experten« bezeichnet,] forderte er das amerikanische Außenministerium auf, eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Westens einzurichten, um zu verhindern, dass eine Konfrontation zwischen Chavez-Anhängern und -Gegnern in Venezuela chaotische Zustände hervorrufe. Noriega und seine Gesinnungsgenossen begrüßen eine amerikanische Intervention in Venezuela als Mittel zur Förderung der Demokratie, mit der auch ein erneuter Sieg von Chavez und damit sein Verbleiben an der Macht verhindert werden könnten.

Eine Fraktion der »Venezuela-Beobachter« warnt, Washington könne, durch das Fehlen jeglicher Einschränkungen in der internationalen Politik in den Jahren des »Krieges gegen den Terror« sozusagen »enthemmt«, bereits Anfang des kommenden Jahres radikale Schritte zur Destabilisierung Venezuelas à la Bengasi unternehmen… Wie vor kurzem Bengasi in Libyen könnte [die nach der Hauptstadt Caracas zweitgrößte Stadt] Maracaibo [deutsch: Neu-Nürnberg], Hauptstadt des venezolanischen Bundesstaats Zulia, durchaus der wahrscheinlichste Kandidat eines Epizentrums von Unruhen werden. In der ganzen Regierungszeit der Populisten bildete und bildet Zulia das politische Zentrum der radikalen Opposition, wobei die amerikanische Botschaft in Caracas die Aktivitäten der regionalen Führer koordinierte und ungefragt materiell unterstützte. Der frühere Gouverneur von Zulia, Manuel Rosales, trat bei der Präsidentschaftswahl 2006 gegen Chavez an, verließ Venezuela dann aber aufgrund von Korruptionsvorwürfen fluchtartig. Der amtierende Gouverneur des Bundesstaates, Pablo Pérez, ist ein ehrgeiziger Politiker der venezolanischen Opposition und gilt insofern als möglicher Gegenkandidat von Chavez bei den Wahlen im kommenden Jahr. Aber es fehlen ihm das Charisma und das Ansehen, die ihm eine Chance bei den Wahlen geben könnten. Einen ersten Eindruck über den Charakter von Pérez kann man sich auf der Internetseite YouTube verschaffen. Dass die Wahl der amerikanischen Geheimdienstwelt überhaupt auf ihn fiel, hängt damit zusammen, dass er sich niemals der Kontrolle seiner »Bosse« widersetzen würde. Pérez wird ohne Zweifel sein Bestes tun, um in den weltweiten Fernsehsendern über die angeblichen Gräueltaten der Anhänger von Chavez zu lamentieren oder eine Mischung aus gewaltbereiten Angehörigen der städtischen Unterschicht, korrupten Polizisten und Mitgliedern kolumbianischer paramilitärischer Gruppen in Marsch zu setzen. Diese »Aufständischen« würden sich dann, wie vorherzusehen war, »selbstständig« organisieren,  eine Übergangsregierung bilden und Chavez ein Ultimatum stellen – und dann die USA um Hilfe bitten.

Dadurch, dass die Weltöffentlichkeit die amerikanische Aggression gegen Libyen hingenommen hat, ist eine Situation entstanden, in der praktisch jedes Land, das über erhebliche Energierohstoffe verfügt – Syrien, der Iran oder eben Venezuela – zu einem potenziellen Ziel werden kann. Die Anzeichen für amerikanische Vorbereitungen für ein militärisches Eingreifen in Venezuela mehren sich. Das amerikanische militärische Regionalkommando SouthCom drängt massenweise Studenten zur Teilnahme an spanischen Sprachkursen, die sich besonders mit der venezolanischen Variante des Spanischen beschäftigen. Diejenigen, die einen solchen Sprachkurs abgeschlossen hätten, könnten dann möglicherweise in venezolanische Uniformen gesteckt und beauftragt werden, Provokationen loszutreten, wenn das Chavez-Regime unter Druck geriete. Über derartige Manipulationen wurde bereits früher berichtet: Im Jahr 2004 zog eine Gruppe von etwa 100 Kolumbianern auf dem Landgut Daktari in der Nähe von Caracas ein [, das dem erklärten Chavez-Gegner Robert Alonso gehörte]. Sie sollten, als Angehörige einer venezolanischen Rebellenarmee verkleidet, den Palacio de Miraflores, die offizielle Residenz des Präsidenten, angreifen.

In einer Analyse der Provokationen, einschließlich des Einsatzes amerikanischer Atom-U-Boote, listet die Frente Internacionalista Bolivariano hypothetische weitere Schritte Washingtons in der nächsten Zeit auf. Als möglich werden unter anderem eine gegen Chavez gerichtete Propagandakampagne  im Zusammenhang mit Menschenrechten und anderen Aspekten von Freiheit oder Medienbehauptungen eines vor dem Ausbruch stehenden Konflikts in der Region mit ominösen, aber schwerwiegenden Gefahren genannt, für den Venezuela verantwortlich gemacht würde und der den USA als Vorwand für ein militärisches Eingreifen dienen könnte. Im Vorfeld dieser Ereignisse würden Ausbilder amerikanischer Sondereinheiten und Geheimdienstmitarbeiter in Venezuela aktiv werden, um die paramilitärischen Gruppen der Opposition zu stärken und nach dem Vorbild des Vorgehens in Libyen Kontakte zu einer Oppositionskoalition zu festigen. Eine »fünfte Kolonne« würde daran gehen, die loyal zu Chavez stehenden Armeekommandeure auszuschalten und im Vorfeld amerikanischer Luftangriffe die venezolanische Luftabwehr zu sabotieren.

Die venezolanische Führung unternimmt alles in ihrer Macht stehende, um eine solche Aggression zu verhindern. Die Gemeinschaft südamerikanischer Staaten UNASUR verfügt derzeit über einen eigenen Verteidigungsrat. Den Militärplanern Brasiliens sind ohne Zweifel die zunehmenden Aktivitäten der Vierten US-Flotte und die Manöver der amerikanischen Atom-U-Boote im Atlantischen Ozean nicht entgangen. Es drängt sich geradezu die Vermutung auf, dass es dem Pentagon bei den Umsturzplänen gegen die populistischen  Regierungen vor allem um die Energierohstofflagerstätten besonders vor den Küsten des brasilianischen Bundesstaates Rio de Janeiro und den Riffen der Insel Espiritu Santo des südpazifischen Inselstaates Vanuatu geht, wo nach Angaben von Petrobras Erdölfelder in der Größenordnung von 35 Milliarden Barrel vermutet werden.

Daher kann Venezuela durchaus auf die Unterstützung seiner Verbündeten auf dem südamerikanischen Kontinent rechnen. Vor kurzem nahm der venezolanische Verteidigungsminister Carlos Mata Figueroa an einer der regelmäßigen Tagungen des Südamerikanischen Verteidigungsrats teil, auf der die Errichtung einer Friedenszone, die den gesamten Kontinent umfassen soll, diskutiert wurde.

Das Parlament Venezuelas hat ebenfalls vor kurzem das Verteidigungsministerium angewiesen, das jüngste Eindringen von U-Booten in die Hoheitsgewässer des Landes zu untersuchen. Und Admiral Diego Molero kündigte parallel dazu an, die venezolanische Marine werde verstärkt Manöver abhalten, um den Schutz der Hoheitsgewässer zu verbessern. Dabei soll vor allem die Koordination zwischen der venezolanischen U-Boot Flotte und Drohnen bei der Jagd auf Eindringlinge verbessert werden.

 

 


 

 

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