Was macht ein normal entwickelter Mensch, wenn in seiner Nachbarwohnung ein Großbrand ausbricht, die Feuerwehr anrückt und er sein ganzes Vermögen in seiner Wohnung hat? Schließt ein normal denkender Mensch dann seine Wohnungstür, geht entspannt zur Arbeit oder zu Freunden und käme nicht im Traum darauf, seine Wertsachen vor den lodernden Flammen zu retten? Wohl kaum. Unabhängig davon, ob jemand politisch links oder rechts oder nirgendwo steht, religiös oder Atheist, schwarz oder weiß ist - wir erwarten von einem durchschnittlich intelligenten Menschen in einer solchen Situation bestimmte Aktivitäten zur Rettung seiner Wertsachen. Wenn uns jemand warnt, dass ein Haus brennt und wir darin eine Wohnung haben, dann werden wir aktiv.
Nun brennt das Europäische Haus, der Brandherd könnte jederzeit von Griechenland auf andere übergreifen. Auch auf uns. Mit anderen Worten: FDP-Generalsekretär Lindner, der immerhin an führender Stelle der Regierungskoalition angehört, hat ganz offen darüber gesprochen, dass die Finanzprobleme des EU-Staates Griechenland auch die Ersparnisse der Bundesbürger gefährden. Alle deutschen Banken und Versicherungen stellen sich jetzt allmählich auf den Staatsbankrott Griechenlands ein (Athen braucht schon wieder mindestens 120 Milliarden Euro), also auf den Großbrand im Europäischen Haus. Sie halten ihn für nicht mehr abwendbar. Vor diesem Hintergrund sind die Äußerungen des FDP-Politikers nichts anderes als die öffentliche Aufforderung an die Deutschen zum Bankrun.
Doch wir leben in einer merkwürdigen Welt, denn während gerade die Griechen ihre Ersparnisse von der Bank abholen, machen die Bundesbürger weiter, als wäre nichts geschehen. Schon im Jahr 2008 machte die Zeitung Welt die Deutschen darauf aufmerksam, dass ihre Sparguthaben keinesfalls dauerhaft gesichert seien. Damals gab die Bundeskanzlerin allerdings noch eine öffentliche Garantieerklärung für die Sparguthaben ab, um einen Bankrun abzuwenden. Die Garantiezusage gilt heute allerdings nicht mehr. Im Fall des abzusehenden Griechenland-Crashs kann die Bundesregierung künftig jederzeit beruhigt behaupten, sie habe die Bürger doch rechtzeitig vor dem Verlust ihrer Ersparnisse gewarnt (mit den Aussagen Lindners, siehe oben).
Die deutschen Qualitätsmedien lenken die Bürger derweilen vom herannahenden Verlust der Sparvermögen ab, berichten an prominenter Stelle lieber über Tote im weit entfernten Syrien und über vier Kaufhof-Filialen, die vielleicht geschlossen werden. Dabei wäre es an der Zeit die Bürger aufzufordern, ihre Ersparnisse von der Bank zu holen.
Drucken Sie diesen Artikel aus und heben Sie ihn gut auf. Und fragen Sie sich in wenigen Monaten, warum auch Sie so lange mit dem Gang zur Bank gewartet haben.
Vielleicht haben Sie ja inzwischen ganz einfach den Durchblick verloren. Da teilen die Notenbanker der Deutschen Bundesbank gerade mit, sie erwarteten jetzt einen unglaublichen Höhenflug der deutschen Wirtschaft. Er werde so groß sein, dass man die Wachstumsprognosen wahrscheinlich immer wieder nach oben korrigieren müsse. Diese Notenbanker werden von unseren Steuergeldern finanziert. Nun sind entweder sie oder die Bundeskanzlerin ihr Gehalt nicht wert. Denn während die Notenbanker sich am unglaublichen Aufschwung ergötzen, warnt die Bundeskanzlerin am gleichen Tag vor dem steilen Absturz des Aufschwungs. Danach steht nun ganz Europa vor dem Crash. Für unsere Leser ist das eigentlich keine Neuigkeit, schließlich steht das Sachbuch Europa vor dem Crash ganz vorn auf der Liste der Wirtschaftsbestseller.
Man fragt sich nur unwillkürlich, was noch alles passieren muss, bevor die Menschen ihr Geld in Sicherheit bringen. Die Generation unserer Eltern und Großeltern hat im letzten Jahrhundert mehrfach alles verloren. Das kam damals für viele überraschend. Aber kann heute wirklich noch jemand behaupten, nach den Äußerungen des führenden FDP-Politikers Lindner irgendwann überrascht zu sein, wenn seine Lebensversicherung nur noch ein wertloses Stück Papier und das Sparguthaben ein rein fiktiver Bestand sein wird? Wer sein Geld jetzt immer noch bei Versicherungen oder Banken lässt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Mit dem sollte man dann allerdings auch kein Mitleid haben, wenn der Tag der Wahrheit kommt.
Die drei FDP-Abgeordneten Frank Schäffler, Sylvia Canel und Jens Ackermann haben am 10. Juni 2011 im Bundestag eine persönliche Erklärung abgegeben. Darin bekunden die drei renommierten Abgeordneten zum drohenden Zusammenbruch unseres deutschen Finanzsystems: »Dieses Geldsystem hat ein Schneeballsystem aus ungedeckten, zukünftigen Zahlungsverpflichtungen geschaffen. Wie jedes Schneeballsystem wird es früher oder später in sich zusammenbrechen. Wir befinden uns auf dem Weg in die Knechtschaft.«
Wer künftig ein Knecht sein will, der muss jetzt also gar nichts unternehmen. Der lässt sein Geld einfach weiter bei der Bank.
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